#22

22 Kinder toben an manchen Tagen um mich rum. 22 Wörter auf Spanisch kann ich bestimmt auch schon. 22 Minuten dauert die Busfahrt von unserer Wohnung ins Zentrum. Weit mehr als 22 neue Leute habe bereits ich kennengelernt. 22 Grad sind es heute, dafür das hier noch Winter ist: ein Traum! Und ja, seit 22 Tagen darf ich nun schon Argentinien mein neues Zuhause nennen. Krass wie schnell die Zeit vergangen ist. Ich weiß noch genau, wie ich vor 3 Wochen am Flughafen stand und mich von meinen Liebsten verabschieden musste und jetzt sitze ich hier in unserer Wohnung in Quilmes, trinke jeden Tag Mate und habe mich schon etwas einleben können.

Doch vor einer Woche sah meine Umgebung noch ganz anders aus: Eine 5 Zimmer Wohnung in Flores, einem Stadtteil von Buenos Aires. Und das für 13 Freiwillige aus ganz Deutschland, die genau wie ich für ein Jahr in Südamerika leben und arbeiten werden. Meine WG für die ersten zwei Wochen in Argentinien. Anfangs konnte ich mir nicht vorstellen, eine Wohnung mit so vielen Leuten zu teilen, doch schon nach einigen Tagen gewöhnte man sich an eine diesegroße Truppe. Bald schon gehörte es dann zum Alltag, abends für 13 Leute zu kochen und eben nicht immer am Handy zu sitzen.
Tagsüber fand in der IERP, der Iglesia evangélica del Rio de la Plata, die capacitación, also das Einführungsseminar statt, auf dem wir mehr oder weniger intensiv das argentinische Spanisch gelernt und viel über die Kultur und die Länder in Südamerika erfahren haben. An den Wochenenden haben wir mit allen 65 Freiwilligen dann erste Highlights von Buenos Aires besucht. Ob eine Bootstour auf dem Tigre Delta, Spazieren durch die bunten Straßen von La Boca oder Stöbern auf riesigen Handwerkermärkten, hier kann man wirklich viel mit seiner Freizeit anfangen.
Und auch auf den Straßen und in den U-Bahnen von Buenos Aires ist immer etwas los. Ob Tango Konzerte, Karnevals Umzüge oder Straßenkünstler.
Vor nun mehr als einer Woche mussten wir uns dann aber wieder von allen verabschieden und es ging für jeden in seine Einsatzstelle in Argentinien, Paraguay oder Uruguay.
 
Und da bin ich nun, in Quilmes, bzw. in einem etwas kleineren Vorort von Quilmes. Wir merkten schnell, dass wir nicht mehr im Zentrum von Buenos Aires sind. Hier läuft alles etwas ruhiger ab. Was direkt auffällt sind die vielen Straßenhunde, die wirklich vor jeder Haustür und manchmal auch in den Läden rumlaufen. Meine Mitfreiwillige Susanna und ich leben hier in einem kleinen sehr gemütlichen Gartenhaus bei einer argentinischen Familie, die uns schon super integriert hat. Dank ihnen kennt uns nun auch schon der Obsthändler um die Ecke und die Leute im Supermarkt, da wir doch etwas mehr auffallen, als wir anfangs dachten. Auch wissen wir nun wo wir jeden Morgen zur Arbeit in den Bus einsteigen müssen. Denn hier gibt es eigentlich keine richtigen Bushaltestellen. Man hält einfach an einer Straßenecke die Hand raus und hofft darauf, dass irgendwann der richtige Bus kommt und dann auch hoffentlich anhält. Darauf ist nämlich nicht immer so Verlass.
Die Arbeit im Kindergarten gefällt uns allen hier bisher auch richtig gut. Die Kinder sind alle super süß, aber auch sehr anstrengend. Besonders wenn man einfach nichts versteht, wenn ein schreiendes Kind auf einen einredet. Daran muss ich wohl noch etwas arbeiten. Meine gebräuchigsten Vokabeln sind aber sowieso „Sentate“ (Setz dich), „si, si“ (ja, ja) und „Basta!“ (Es reicht) und damit komme ich ganz gut zurecht. Ich freue mich aber schon, wenn ich mich endlich mehr mit ihnen unterhalten kann und neue Dinge erklären kann. Wie viele Kinder an einem Tag kommen hängt stark von dem Wetter ab. Bei Regen oder Sturm sind nur wenige im Kindergarten, da die meisten Kinder in armen Gegenden in der Nähe vom Rio de la Plata wohnen. Dort verwandeln sich die Straßen bei Regen schnell in kleine Flüsse. Ansonsten können bis zu 26 in einer Gruppe kommen. Puh! Das kann ja was werden, die alle zu bespaßen…
Ja und sonst ist alles gut bei mir! Es heißt jetzt erstmal für uns, richtig ankommen, die Sprache lernen und so viel wie möglich von Quilmes und Buenos Aires sehen.
Bis Bald
Y un abrazo
Eva
 

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