4ter Quartalsbericht

„Und, wie fühlt es sich an jetzt wieder „nachhause“ fahren zu müssen?“
Diese frage wurde meinen Mitbewohnern und mir nun oft, und in vielen verschiedenen Varianten, gestellt. Meine Standardantwort ist: „Naja, ich hatte ja jetzt ein Jahr lang Zeit mich darauf vorzubereiten, die Info kam also nicht überraschend.“ Tatsächlich sind meine Gefühle gegenüber der Rückreise sehr ausgeglichen. Auf der einen Seite bin ich sehr traurig mein Projekt und die vielen Menschen, mit denen ich eine Bindung aufgebaut habe, auf einen zunächst unbekannten Zeitraum, zurück zu lassen. Andererseits freue ich mich sehr auf all die alten Gesichter, Freunde und Familie. Zu dem kann ich kaum erwarten meinen nächsten Lebensabschnitt zu beginnen, der mit dem Start meiner Ausbildung zum Tischler anfängt. Also gespaltene Gefühle über den Abschied und das Hallo. Vorerst freue ich mich auf den Flug. 🙂

Vulingqondo

Dem berühmtesten Mann Südafrikas zu Ehren, findet jährlich an seinem Geburtstag, dem 18. Juli, der internationale Mandela-Day statt. 67 Jahre seines Lebens hat Nelson Mandela den Zielen einer humanen, gerechten und freien Gesellschaft in Südafrika gewidmet. Um dies zu würdigen werden alle Menschen dazu aufrufen 67 Minuten eben diesen Zielen nachzueifern. Also entstehen im Zusammenhang des Mandela-Days viele Wohltätigkeitsprojekte, von denen unteranderem Einrichtungen wie die Vulingqondo-Preschool profitieren.

Zwei Firmen haben eine Spendenaktion für uns gestartet. Froggys, ein Schuhhersteller und Nando’s, eine Fastfoodkette aus Südafrika waren beide für jeweils einen Vormittag zu besuch und haben für die Kinder einen Fun-Day veranstaltet. Es gab viele kleine Spiele, Lieder und Spaß. Beide Firmen haben auch das Mittagessen für den Tag vorbereitet, den Kindern haben die Chicken-Streifen mit Pommes von Nando’s am Besten gefallen. Abschließend hat jedes der Kinder ein Geschenk erhalten. Freudestrahlend haben sie die neuen Rucksäcke, Malhefte, Brotdosen und vor allem unzählige Süßigkeiten entgegengenommen.

Aus meiner Perspektive waren diese beiden Tage eine hervorragende Abwechslung für die Kinder zum Alltag. Sie haben den ganzen Tag glücklich getobt und die

Aufmerksamkeit von so vielen Menschen genossen. Schade finde ich, dass für eine gute Tat so unglaublich viel Müll entstanden ist. Jedes Essen war einzeln verpackt. Das meiste Plastik ist bei uns im Projekt bereits in den Mülleimer gewandert. Diese n Verpackungsanteil hätte man sich also sparen können. Ich bin allerdings persönlich bereit hier ein Auge zu zudrücken, da der Soziale Gedanke im Mittelpunkt steht. Ich würde mir allerdings wünschen, dass auch der Umweltaspekt im Zuge solcher „Wohltätigkeitstage“ in Zukunft zusätzlich Thematisiert wird um ein generelles Bewusstsein zu erschaffen.

Weitere Unterstützung von außen haben wir innerhalb der letzten Monate vor allem von Studenten erhalten. Zu dieser Zeit des Jahres müssen studierende im Bereich Erziehung ihre „practicals“ machen, also praktische Erfahrungen sammeln. Ihre Aufgabe ist es in Kleingruppen für einen Tag in einem Kindergarten oder einer Vorschule freiwillige Arbeit zu leisten. Da sich eine kleine Universität in unmittelbarer Nähe zur Vulingqondo-Preschool befindet, kamen in letzter sehr viele helfende Hände zu uns.

Neben dem Schnuppern im Unterricht haben mir einige der Studentengruppen beim Umzug eines Klassenraumes geholfen. Kommende Wochen sollen die Bauarbeiten beginnen. Für den neuen Klassenraum werden Fenster, sowie ein WC und Waschbecken neu gebaut. Zusätzlich erhält das Büro Fenster und ein Waschbecken, damit dieser Raum in Zukunft auch als „Krankenzimmer“ genutzt werden kann. All diese Um- und Neubauten sind notwendig um die Schule anders Registrieren zu können, damit das Vulingqondoprojekt staatlich finanzielle Unterstützung erhalten kann. Hoffentlich gehen die Umbauten, sowie die Registrierung schnell von der Bühne. Das würde den Fortbestand dieses Projektes für einen deutlich längeren Zeitraum versichern, da es bis heute nur durch einen kleinen Teil Schulgebühren und hauptsächlich Spendengeldern aufrecht erhalten wird.

Yvonne, eine meiner Kolleginnen ist zwei Tage vor meinem Abschied aus dem Mutterschutz zurückgekommen. Ich bin sehr froh, dass sich unsere Arbeitszeit zum Ende nochmal kurz überschnitten hat, so konnte ich mich von allen Menschen in meinem Projekt gut und persönlich Verabschieden. Meinen Abschied haben wir mit allen Kollegen und dem Management mit einem langen Mittagessen gefeiert. Unser Hausmeister Rafael hat letztes Jahr noch in einem großen Restaurant Durban gearbeitet. Das haben wir uns zu Nutze gemacht und uns von ihm bekochen lassen. Zur großen Freude einzelner gab es zur Abwechslung nicht Hühnchen, Kürbis, Spinat und Chakalaka sondern selbstgemachte Pizza.

Zm Abschied habe ich allen ein Gruppenfoto von uns geschenkt und hatte einen guten Rahmen mich angemessen zu bedenken und verabschieden, da alle anwesend waren. Ein paar tränen der Rührung sind geflossen. Eines Tages komme ich aber zurück. Ich bin gespannt wen ich dann alles an der Vulingqondo-Preschool antreffen werde und wie sie sich verändert hat.

Freizeit

In Durban wurden in den letzten Monaten einige open air Festivals veranstaltet. Viele südafrikanische Künstler konnten wir so noch einmal live erleben. Das hat mir sehr viel bedeutet, weil wir in diesem Jahr sehr in die lokale Musik eingetaucht sind. Unter den Künstlern waren beispielsweise Nasty C und Busiswa.

Wie in den vorherigen Berichten erwähnt, haben mein Mitbewohner Nils und ich das Jahr über MMA1 trainiert. Für uns gab es die Option an einem Kampf teilzunehmen. Anders als ich hat Nils diese Möglichkeit wahrgenommen. Eine gute Chance das Trainingsjahr abzurunden. Ich habe mitgefiebert als stünde ich selbst im Ring. Für Amateurkämpfe war unser Gym gut besucht und es herrschte eine fröhliche und lebhafte Stimmung. Meine sportliche Aktivität hat in den letzten Monaten wegen kleiner Reisen im nordöstlichem Teil Südafrikas nachgelassen. Deshalb habe ich auch an diesem Kampf nicht teilgenommen.

Recht spontan hatte ich besuch von meinen Eltern und meinem älterem Bruder. Ich habe mich gefreut ihnen Durban und mein Projekt zeigen zu können. Jetzt ist es für sie einfacher sich unter meinen Erzählungen etwas vorzustellen. Gemeinsam mit meiner Familie bin ich durch die Provinzen Limpopo, Mpumalanga und Kwazulu- Natal gereist. Dabei hatte ich das erste mal in meinem Leben die Möglichkeit viele der afrikanischen Tiere in freier Wildbahn zu erleben. Wir haben ein paar Tage im Krüger Nationalpark verbracht und sind durch das Hluhluwe Game Reserve gefahren. Bis auf den Leoparden habe ich alle der „Big 5“ zu Gesicht bekommen. Mein Highlight war ein Nashorn-Junges mit seiner Mutter.

Um uns (Meine Mitbewohner und ich) von jedem unserer Freunde gut verabschieden zu können haben wir uns, anstatt einer großen Abschiedsfeier, mit jedem einzeln getroffen und noch ein letztes mal gemeinsam etwas unternommen. So hatten wir unteranderem die Möglichkeit abschließend ein sehr köstliches, hausgemachtes, indisches Curry zu essen, ein gemütliches Lagerfeuer am Strand zu machen, ein letztes mal ins Gym zu fahren und das noch nicht eröffnete Restaurant eines Freundes zu bewundern. Auch an allen Orten die mir wichtig geworden sind war ich dadurch ein letztes mal. Vom Strand und dem warmen indischen Ozean trenne ich mich fast so ungerne wie von meinen Freunden, Kollegen und vor allem den Kindern im Projekt. Ich bin aber hauptsächlich froh und dankbar, dies alles erlebt haben zu dürfen und so viele liebenswerte Menschen getroffen zu haben. Danke an alle Unterstützer, meinen Förderkreis, der dies ermöglicht hat und vor allem dem ZMÖ, das mich wunderbar auf dieses Jahr vorbereitet hat.

1 Mixed martial arts

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