6.Monate

Sonnenuntergang:)

Hola!

Es ist wieder Zeit ein Quartalsbericht zu schreiben. Klar wollte ich euch alle erzählen und berichten, was in den vergangenen Monaten so passiert ist. Doch ich habe mir in letzter Zeit auch über andere Themen Gedanken gemacht. Doch ich erzähl euch mal, was so auf der anderen Seite der Welt so passiert ist.

Textfeld: Purmamarca
El Chalten
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Purmamarca

Im letzten Bericht, habe ich glaube ich bei Dezember aufgehört zu zuschreiben. Auf jeden Fall habe ich Weihnachten mit meinen Quilmes-Mitfreiwilligen verbracht. Das erste warme Weihnachten war sehr süß und wurde klein und besinnlich gehalten, was für mich anders war, als andere Weihnachten die ich erlebt habe. Direkt nach Weihnachten hatte ich noch paar Arbeitstage und dann stand schon der Urlaub vor der Tür. 1 Monat Reisen durch ganz Argentinien, das war auch mal ein Erlebnis und viel rumgekommen bin ich auch. Vom Norden bis zum Süden habe ich ein paar Städte abgeklappert. Um euch ein paar Städte mal zu nennen, damit ihr mal so hört, wo ich so war; Purmamarca, Jujuy, Salta, Mar del Plata, Tandil, Calafate und El Chalten. Nach dem Urlaub und einem kurzen Zwischenhalt Zuhause ging es auch schon auf das Zwischenseminar. Dort habe ich realisiert, dass 6 Monate schon rum sind und das bedeutet, dass die Zeit so schnell an mir vorbei gerast ist, dass ich nicht mal gemerkt habe, dass mir nur noch ein halbes Jahr bleibt. Auf dem Zwischenseminar war es schön die Leute wiederzusehen und auch mit Leuten Kontakt zu knüpfen, mit denen man in den vergangenen Monaten nicht so viel gemacht hat. Auf dem Seminar haben wir verschiedene Thematiken besprochen und uns auch über die vergangenen und die kommenden 6 Monate unterhalten. Das hat geholfen, um sich zum Beispiel neue Ziele zu setzten und über die Sachen nachzudenken, die nicht so gelaufen sind, wie sie sollten. Ich habe zum Beispiel angefangen Ukulele zu spielen und habe mir ein Tanzstudio gesucht, außerdem habe ich angefangen mehr zu lesen und zu malen, was meinem ,,inneren ich´´ sehr geholfen hat. Ich habe realisiert das dieses Freiwillige Jahr mir so viel gibt, an dem ich wachsen kann und an das ich mich mein Leben lang erinnern werde.             

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Perito-Moreno-Gletscher

In den letzten 6 Monaten, habe ich mich über Themen Gedanken gemacht, die mich in meinem alltäglichem Leben hier in Argentinien begleiten; wie Inflation, Frauenrechte, Machismos und Müll. In Deutschland habe ich mir nie über sowas Gedanken gemacht, wie hier. Ich will zu einem anderen Thema mal meine Gedanken äußern. Es ist einfach das was gerade so in meinem Kopf ist.

Ich bin Frau

Ich bin hübsch

Ich bin frei

Kann ich selbst entscheiden?

Bin ich hübsch genug?

Erwartet man was von mir?

Diese Aussagen und Fragen haben mich beschäftigt. Nicht nur das, sondern auch wie ich als FRAU wahrgenommen werde, denn das hat sich glaube ich am meisten hier verändert, die Wahrnehmung.

Ich weiß manchmal nicht ob uns bewusst ist, wie viel wir in Europa haben.  Frau zu sein ist nicht einfach und ich will nicht behaupten das es in Europa anders ist, doch in manchen Teilen der Welt ist es einfach was anderes, Frau zu sein. Ich musste erst aus Deutschland  raus, um zu sehen, wie viele Rechte wir haben, die uns schützen oder wie gut unser Gesundheitssystem ist, dass ist hier in Argentinien nicht so und daran muss man sich gewöhnen. Gleichberechtigung, Meinungs- und Entscheidungsfreiheit, sind hier nicht eine Selbstverständlichkeit und das ist schon hart, wenn man mit anderen Prinzipien aufgewachsen ist und es anders kennt. Man begegnet hier am häufigsten den Machismos, mit dem ich auch Bekanntschaft gemacht habe. Auf Arbeitsstellen, in der Regierung und auch auf der Straße, hatte ich Begegnungen mit dem Machismus. Meine erste davon war auf der Straße. Ich war auf dem Weg zu einer Freundin, auf einmal höre ich Wörter wie , ,,Que guapa´´ (Wie hübsch), ,,Vamos a mi Casa´´ (Gehen wir zu mir nach Hause) oder ,,Besame´´ (Küss mich), von Typen, die an einer Ecke standen. Ich wusste nicht, was ich genau tun sollte, aber eins wusste ich und zwar das ich darauf nicht antworten sollte. Nicht aus Angst sie könnten dann nochmal was erwidern, sondern erstens, weil sie mir vielleicht näher kommen oder mich verfolgen könnten, zweitens, weil man es einfach nicht tut, weil wir als Frau sowieso als das schwächere Geschlecht darstellen und der Mann die ,,Hosen anhat´´. Dieses Ereignis ist am heiligten Tag passiert und ich bin und war nicht das letzte Mädchen, das so auf der offenen Straße angemacht wurde. Männer fühlen sich schon seit ich in den Geschichtsbüchern lesen kann mächtiger als die Frau. Ich glaube das liegt so in der Natur, doch warum ist das so ? Rechtfertigt das das Handeln der Männer ?

Ich habe manchmal an das Ereignis gedacht und ich habe mich gefragt, ist es meine schuld ? Bin ich daran Schuld, dass ich solche ,,Kommentare´´ bekommen habe?

Ich habe lange darüber nachgedacht. Meine Antwort die ich mir gebe ist NEIN. Ich bin nicht schuld. Eigentlich sollte ich nicht angesprochen werden, weil ich auffällig bin, weil ich gelb trage, weil meine Haare braun sind oder meine Lippen rot. Ich bin doch frei das zu tragen, was ich will und wie ich will, ohne das mich jemand dafür belästigt oder mir unangenehme Kommentare macht. Ich bin doch frei, oder ?

Ist es denn nicht gefährlich, wenn ich ein Rock trage oder ein T-Shirt mit zu großem Ausschnitt? Männer könnten das zum Anlass nehmen und mir Kommentare machen oder man wird anzüglich angeschaut, deswegen sagen viele ,,Lass es lieber, dich so anzuziehen´´.

Solche Aussagen werden gesagt, ohne die richtige Auswirkung davon zu kennen. Mir wird indirekt gesagt, dass ich aufpassen soll das ich nicht zu reizvolle Kleidung trage, dass ich aufpassen soll, wie ich mich kleide und somit wird mir der freie Wille genommen, zu entscheiden wie ich mich anziehe. Ich habe mich ertappt und ich glaube ich bin nicht die einzige, die zweimal darüber nachgedacht hat, ob ich mich lieber nicht doch umziehen soll, weil das Top schon ein bisschen Ausschnitt hat. Dabei dachte ich, -nicht nur auf Argentinien bezogen-, leben wir in einer sicheren Gesellschaft. Doch ich glaube ich fange an zu verstehen, dass es vielleicht Lücken gibt. Hier könnte man vieles aufführen, was gerade nicht so läuft, doch Schuld haben nicht die Frauen und auch nicht die Männer. Es ist die Gesellschaft. Es sind alle, damit meine ich Medien, Regierung und jeder Einzelne, der es zulässt.

Die Medien haben eine gewaltige Macht über uns, wie das Ideal von einer ,,schönen Frau´´ oder von einem ,,gut Aussehenden Mann´´ aussehen soll oder muss. Sowohl auf Männer als auch auf Frauen gibt es diesen gesellschaftlichen Druck, doch ich glaube, dass es um einiges stärker bei der Frau ist, als beim Mann. Ich glaube ein guter Beleg dafür ist die Geschichte selbst. Frauen machen sich schon seit geraumer Zeit hübsch, schön und makellos. Das machen Frauen alles für das andere Geschlecht. Ich habe mich intensiv mit einer argentinischen Freundin über Leben und Tod, was danach ist, und viele weitere Themen unterhalten. Doch aus unserem Gespräch habe ich mitgenommen, dass wir kleine Marionetten sind in einem großen Theaterstück sind. Ich muss sagen ich selbst fühle mich in meinem alltäglichen Leben nicht so, aber sie hatte mit dieser Aussage schon irgendwie Recht. Wenn etwas in Mode ist, bricht manchmal ein regelrechter Wahn aus. Ich glaube hier für gibt es genug Beispiele, Fidget Spinner, Polaroid Camaras, Schlaghose, Creolen, das neuste Handy. Das passiert unbewusst, dass wir diese Sachen mögen oder auch nicht. Doch ohne das wir es merkt, werden wir in den Strudel langsam hineingezogen, damit wird jeder durch Freunde oder Amazon Anzeigen mitgenommen.

Doch worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass die Frau perfekt sein sollte, aber sie nie perfekt ist. Ich habe es selbst erlebt und ich glaube es ist so ein Wiederspruch in sich, man kann schon paradox dazu sagen. Ich erläutere dies ganz einfach. Ich habe Aussagen getroffen, die glaube ich ganz für sich sprechen.

Sei perfekt

Du bist zu perfekt

Du bist zu dünn

Du bist ein Skelett

Du bist zu dick

Du hast Bulimie

Sei schön

Aber nicht zu schön!

Sei gesund

Mach Sport

Aber nicht zu viel!

Iss Salat

Iss kein Burger

Nimm ab

Nimm zu

Meckere nicht

Nörgel nicht

Lache

Sei laut

Aber nicht zu laut!

Wein nicht

Zeig Gefühle

Aber nicht zu viele

Du bist eine Puppe!

Sei du selbst

Nein doch nicht…!

Ich glaube all diese Aussagen haben wir schon einmal selbst gehört, sie zu einem anderen gesagt, oder in den Medien erlebt. Ich finde sie zeigen sehr gut auf, dass es Kontrovers ist, eine  Frau zu sein. Durch die Medien erhalten wir ein gewisses Bild, wie die Frau aussehen soll. Ich muss sagen, dass ist sehr traurig. Wir sind im 21.Jahrhuntert, sind weit gekommen mit Forschung und haben vergessen ein Moment zu atmen und um uns zu schauen. Die Menschheit hat Sachen geschafft, die echt beeindruckend sind und man muss sich ein Moment Zeit nehmen, um das zu verdauen. Wir waren auf dem Mond, dass muss man auch erstmal schaffen. Viele haben davon geträumt und es ist war geworden und es ist einfach nur unglaublich. Doch so weit der Fortschritt auch sein mag, ich glaube wir vergessen manchmal das wir Menschen sind. Ich habe auch einen Traum, okay ich habe viele, aber einer davon ist, dass ich nicht perfekt sein muss und ich alles sein kann. Ich kann dick sein und hübsch. Ich kann ein roten Lippenstift tragen, ohne auf der Straße angesprochen zu werden. Ich kann perfekt sein, aber auf meine Art und Weise, mit meinen Makeln und Macken und ich hoffe, dass das viele Menschen machen können. Ich hoffe die Menschen fangen an über ihr Handeln nachzudenken und sich zu verändern. Denn das brauchen wir.

Ich hoffe, dass wir frei werden.

Es liegt bei uns das zu entscheiden.

Mit vielen Denkanstößen auf der anderen Seite der Welt

Un abrazo y un beso

Julia

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