68 Tage- Hala oiy!

Auf dem Weg zum Flughafen um nach über zwei Wochen im Norden von den Philippinen endlich Richtung Süden, genauer gesagt Bohol, zu fliegen, war endlich die Aufregung wieder da die ich auf meinem Hinflug vermisst habe. Ich hatte endlich das Gefühl jetzt geht es richtig los. Jetzt kann uns keiner mehr stoppen. Nach einer guten Stunde, nachdem wir Metro Manila hinter uns gelassen haben, befanden wir uns auch im Landeanflug über Bohol. Und auch wenn es jetzt komisch klingen mag, aber man hatte das Gefühl nachhause zu kommen. Mein neues zuhause so weit weg von meinem eigentlichen zuhause in Hamburg. Alles was man sah als man aus dem Fenster des Flugzeuges guckte war das endlose Meer, ganz viele Palmen und zwischendurch kleine Dörfer. Gefühlt sind wir im Paradies angekommen. Ein wirklich wunderschöner Ausblick!
Mein neues zuhause. Auf über 500 Metern Höhe inmitten von Reisterrassen, Bergen und unglaublich netten und fröhlichen Menschen. Der erste Monat ist schon vor rüber und es ist extrem viel passiert. Sei es die tägliche Arbeit in der Kindergarten Schule, die Arbeit in der Sonntagsschule, das ernten von Mais, einer Beerdigung, einer Hochzeit, vielen Sonnenbränden, einem Parishmeeting von allen Vätern auf ganz Bohol aus unserer Kirche, viele Geburtstage, die wöchentliche Biblestudies, Momente mit neuen Freunden, Wäsche waschen mit der Hand, tägliches Kochen und dann leider auch abwaschen mit der Hand, Karaoke singen, vielen Zumba Tänzen, schwimmen im kristallklaren Wasser, viele Wow-momente und erstaunt sein über die Lebensweise der Filipinos, für mich komischem Essen (z.B. ein gekochtes Ei wo ein Küken drinnen ist..), Momente des Zweifelns aber mindestens doppelt so viele Momente in denen man sich nicht mehr halten konnte vor Lachen und sich gewünscht hat, dass es niemals zu Ende geht.
Das Leben hier in unserem Dorf ist so unterschiedlich zu dem von zuhause, gefühlt läuft die Uhr hier anders. Sei es der Verkehr, das Wäsche waschen, das Verhalten der Menschen, die Mentalität, etc. es erstaunt mich immer wieder. Wenn man zum Beispiel im Zimmer eingeschlossen ist und nicht mehr rauskommt, wird erstmal gelacht bevor man hilft, das Wasserhähne nicht abgebrochen sind bevor sie nicht ganz aus der Wand fallen und man sie jedes Mal festhalten muss, wenn man ihn benutzt, der Müll (auch Plastik!!) hinten im Garten verbrannt wird oder das 25 Grad kalt sind. Was auch noch total anders ist, dass wir keine richtige Toilette oder Dusche haben. Nur eine Kloschüssel wo man die menschliche Spülung mit einer Kelle in der Hand ist und das Klopapier in einen Eimer daneben wirft. Oder unsere Dusche in der wir einen großen Eimer und einen kleinen Schöpfeimer haben und uns damit abduschen. Das Wasser ist dabei auch noch unglaublich kalt, was jede Dusche zu einer Herausforderung macht. Auch wichtig ist, dass das Wasser vor 7 PM aufgefüllt ist, denn bis 7 AM ist das Wasser für das ganze Dorf abgestellt. Um Wasser zu sparen und unnötigen Wasserverbrauch vorzubeugen. Was ich auch noch gelernt habe ist, dass der September nicht nur der Monat ist in welchen angefangen wird Weihnachten zu zelebrieren (wirklich alles ist geschmückt und du hörst nur noch Weihnachtslieder…), sondern auch der Monat in dem alle denken es ist Zeit für einen neuen Haarschnitt. Das ist echt unglaublich. Auf einmal hatten so viele Jungs neue Frisuren, dass ich sie erst gar nicht wiedererkannt habe.

Unsere Kirchengemeinde

 
Auch war der „Supertaifun“ ein ziemlich großes Thema. Dieser hat größtenteils nur im Norden von den Philippinen sein Unwesen getrieben, jedoch war auch unser Wetter sehr beeinträchtigt. Es war wirklich unwirklich so etwas mitzuerleben und nicht nur darüber im Fernsehen zu sehen. Den Zusammenhalt den man hier jetzt erlebt ist einfach unglaublich. Jeder hilft jedem und keiner scheut sich davor von seinem Hab und Gut etwas abzugeben, um damit zu helfen.
Nach jetzt schon über zwei Monaten schleicht sich langsam der Alltag ein. Unsere Arbeit in der Kindergartenschule besteht darin, die Lehrerin während der Flaggenzeremonie und während des Unterrichts zu unterstützen. Sei es den Kindern bei ihren Aufgaben zu helfen, Arbeiten zu korrigieren, zu beten, zu singen, zu malen oder auch einfach, dass die Schüler auf ihren Plätzen sitzen bleiben. Das schöne ist auch, dass man von Tag zu Tag mehr akzeptiert wird und keiner der Kinder eigentlich mehr schüchtern dir gegenüber ist, so dass sie auch schon mit ihren Problemen zu dir kommen.
Meine Klasse beim Abschlussgebet

Langsam fange ich an wirklich zu verstehen wie dieses Land funktioniert. Am Anfang habe ich nicht verstehen können warum manche Leute so reagierten wie sie es taten, warum eigentlich fast die ganze Bevölkerung in Armut lebt, die Regierung kein gutes Thema ist, etc. und warum sie trotzdem so unglaublich lebensfroh sind. Jedoch fangen sich die Fragezeichen an aufzulösen, Verständnis jedoch auch ein bisschen Unverständnis breit zu machen und die Liebe für das Land und die Leute immer größer wird. Die Philippinen schleichen sich immer mehr in mein Herz!
Sonnenuntergang an der Manila Bay

Kommentare:

Nora
11.10.2018

Seeehr schön. Musste ein paar mal lachen - 25 Grad sind auch in Kenia kalt. Und dass deutsche Kinder im Winter auch noch raus gehen um freiwillig im Schnee zu spielen, will mir niemand glauben ?

Jule
06.11.2018

Das klingt wirklich super bei dir. Ein toller Beitrag und noch tollere Bilder. Freut mich, dass es dir so gut gefällt und du dich richtig einlebst!

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