Auf den Weg, der vor mir liegt!

Nachdem ich unsere gemeinsame Blogseite gestern Abend geöffnet habe und sehen musste, wie viele meiner Mitfreiwilligen, die eigentlich fest davon überzeugt waren, niemals einen Blog führen zu wollen in der Zwischenzeit anscheinend ihre Meinung geändert haben, dachte ich, ich reihe mich einfach mal ein. Denn ganz ehrlich, über meine Anfangszeit in Argentinien und das Ankommen hier in Ciudad del Este gibt es mehr als genug zu erzählen bzw. zu schreiben.
Auch wir Freiwilligen die nach Paraguay, genauer gesagt Asunción oder wie in meinem Fall nach Ciudad del Este gehen, hatten das Glück bei der Capacitación, also dem Vorbereitungsseminar der IERP dabei sein zu dürfen. Die Mitarbeiter der Iglesia Evangélica del Rio de la Plata, kurz IERP, und die zubehörige diakonische Stiftung Hora de Obrar haben für unsere zwei Wochen ein reichhaltiges Program ausgearbeitet. Neben einem Sprachkurs in Castellano (Ganz wichtig, es ist kein einfaches Spanisch oder gar Español, es ist Castellano!!) gab es auch viele interessante Vorträge von Referenten über Sucht und Drogenkonsum, Menschenrechte oder Sensibilisierung für den Umgang für Menschen mit Behinderung. Letzteres werde ich in meinem Projekt eher nicht brauchen, da die Callescuela als Zielgruppe eher Kinder und Jugendliche hat. Trotzdem war gerade diese Thematik super dargestellt und ich war nachhaltig davon beeindruckt, wie überzeugt und engagiert der Referent, dessen Namen ich leider vergessen habe, darüber gesprochen hat. Eine ähnlich prägendes Erlebnis war der Besuch in der Ex- Esma, einem ehemaligen Folterzentrum während der Militärdiktatur, das heute eine Gedenkstätte mit Museum ist. Die Atmosphäre dort ist in etwa vergleichbar mit der in einem deutschen Konzentrationslager. Ich glaube, dass mich das Thema der Militärdiktatur über das Jahr hinweg weiterhin beschäftigen wird. Einerseits aus persönlichem Interesse, andererseits auch weil man bedenken muss, dass die Ereignisse in Argentinien zwischen 1976 und 1983 stattgefunden haben und somit viele Menschen hier Zeitzeugen sind, die ganz sicher einiges dazu erzählen und vorallem auch erklären können.
 
Der wunderschöne Stadtteil Belgrano in Buenos Aires, in dem sich das Gebäude der IERP befindet.
 
 
Natürlich bestand meine Zeit in Buenos Aires nicht nur aus dem Seminar, sondern auch aus vielen anderen Erlebnissen. Ich habe mir eine WG mit 18 anderen Freiwilligen geteilt, was gleichzeitig eine Herausforderung und eine unfassbar schöne Zeit war. Zum ersten Mal in meinem Leben habe ich gemerkt, dass sich weder Toilettenpapier noch Gewürze von selbst kaufen und tatsächlich auch leer gehen können, aber auch erkannt, wie schön WG- Leben sein kann. Nachdem wir zwei Wochen lang zusammen gegessen, Ausflüge gemacht und sowohl Chinatown als auch das Nachtleben in Buenos Aires erkundet haben, fiel es mir überraschend schwer, vor einer Woche in den Bus zu steigen und die erste Etappe meines Aufenthaltes zurückzulassen. Die 19h Fahrt sind aber wie im Flug vergangen, was auch daran lag, dass die Busse hier sind so viel komfortabler sind, als zum Beispiel ein Flixbus in Deutschland. Es gibt vollständige Mahlzeiten inklusive und Videofilme, leider nur auf Spanisch, an Bord. Also im Großen und Ganzen fast wie fliegen, nur besser für die Umwelt und definitiv mit schönerem Ausblick.
 

Auf unserem Ausflug in das Hafenviertel La Boca hat uns zum Beispiel dieses Stück, zugegeben sehr klischeehafte lateinamerikanische Street Art angelacht (Falls man es nicht erkennen kann: Es ist Papst Franziskus, der auf einem Lama reitet)
 
 
 
Was ich ganz sicher nach einer Woche in Ciuadad del Este sagen kann, ist dass ich mich auf jeden Fall in Paraguay verliebt habe. Sowohl in die rote Erde mit den ungepflasterten Straßen in unserem Viertel, in unser kleines Häuschen, das ich mit drei anderen Freiwilligen für das Jahr bewohnen werde, in das Essen (besonders das Fleisch und die Chipas) und am allermeisten in die Menschen hier. Wir bekommen von allen Seiten Unterstützung, egal ob es Nachbarn sind, die uns in den ersten Tagen Essen vorbei bringen, weil sie (wie auch immer) davon erfahren haben, dass unser Herd kaputt ist oder die Kinder im Projekt, die uns mit offenen Armen aufnehmen und meine Mitfreiwillige Lily und mich beim Fußball gewinnen lassen, weil „die Deutschen die Hitze ja nicht gewohnt sind“. Das sind nur zwei von vielen Beispielen aus den letzten sieben Tagen und es werden sicher noch viele folgen. Ich bin und bleibe gespannt auf mein Projekt und das Land, von dem ich in diesem kurzen Zeitraum noch nicht mal ansatzweise alle Facetten gesehen oder gar begriffen habe und freue mich auf den Weg, der vor mir liegt!
Un abrazo forte,
Folke (Hier in Paraguay eher Elisa, weil Folke auf Castellano ziemlich schräg klingt)

Kommentare:

Jana-Sophie
12.09.2018

Hey, ja reihe dich ein und schreibe weiterhin Blogs, ich lese sie immer gerne!!

Levke
15.09.2018

Ich kann mich Jana nur anschließen. Den Eintrag hast du schön geschrieben - ich freue mich schon, mehr von dir zu hören! :)

Lina
04.10.2018

Wie schön von dir zu hören, ich bin gespannt auf mehr Einträge! :)

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