Cambia todo cambia

Cambia el modo de pensar                        Es ändert sich die Art zu denken
Cambia todo en este mundo.                     Alles in dieser Welt verändert sich.
Cambia el clima con los años                    Es wandelt sich mit den Jahren das Klima
Cambia el pastor su rebaño                       Der Hirte wechselt seine Herde
Y así como todo cambia                              Und so, wie sich alles verändert,
Que yo cambie no es extraño                     ist es nicht verwunderlich,
                                                                          dass auch ich mich verändere.
Fast 4 Wochen wohne ich nun in meinem neuen Zuhause in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. 4 Wochen voller herzlicher Begegnungen, schwieriger Herausforderungen, fremder Gerüche und Geschmäcke, neuer Angewohnheiten, unbekannter Wege, Orte und Worte. 4 Wochen in denen ich mich überaus verändert und verliebt habe. Nicht verwunderlich, bei all diesen Eindrücken, dieses wunderschönen Landes mit all seinen Facetten. Noch nie zuvor hatte ich in einem Fernbus ein warmes Mittagessen zusammen mit einem kalten Bier bekommen, benutztes Klopapier in den Mülleimer geworfen, bei 35°C im Winter barfuß Fußball gespielt oder Mangos vom Himmel fallen sehen. Doch Paraguay macht’s möglich! Ein Land voller Überraschungen, ein Land der Gegensätze, ein Land, über das es nur einen einzigen Reiseführer gibt. Und hier werde ich nun das folgende Jahr verbringen!

Die Suche nach dem Kräuterfrischkäse

Als ich mit meinen Mitfreiwilligen nach ca. 20 Stunden Fahrt am Busterminal von Asunción angekommen bin, wurden wir zunächst von einer unerwarteten Hitzewelle erfasst. Die Fleecejacken, die wir in Buenos Aires noch dringend gebraucht hatten, wurden sofort im Rucksack verstaut. Nach einem herzlichen Empfang zweier unserer zukünftigen Mitarbeiter der „Callescuela“, wurden wir mit dem Auto zu dem Studentenheim, hier orfa, gefahren, in dem wir nun für ein Jahr wohnen werden. Dieser Ort ist mir so schnell ans Herz gewachsen! Das riesige Gelände auf dem sich auch eine deutsch-paraguayarische Kirche befindet, ist voller Leben. Hier wachsen Palmen und Mangobäume, laufen Hunde, Kaninchen und Katzen in Frieden über die vielen Grünflächen oder spielen Studenten im Gemeinschaftsraum Tischtennis sowie draußen Volleyball und Fußball. Wenn man Lust hat zu reden, muss man sich einfach auf eine beliebige Bank setzten und darauf warten, dass sich einer dazusetzt und Terere anbietet (den typisch-paraguayischen kalt aufgegossenen Matetee). Die Sprache ist dabei jedes mal wieder anders, da hier Studenten aus aller Welt zusammenfinden. So konnten wir gleich am Anfang ganz viele Kontakte knüpfen und bei Problemen schnell eine Antwort finden. Doch nicht nur Wissen über nette Cafés, billige Supermärkte und umliegende Fitnessstudios wird hier geteilt. Alle ca. 30 Bewohner teilen  sich eine Waschmaschine und eine Küche und momentan teile ich mir auch noch mit einer meiner Mitfreiwilligen ein Zimmer, was für mich aber kein Problem ist. Ich kann mich noch gut an unseren ersten Abend in der orfa erinnern an dem wir uns, noch total erschöpft von der Busfahrt, dafür entschieden zu einem benachbarten einheimischen Lokal namens „Pizza Hut“ zu gehen um das aufwendige Kochen zu vermeiden. Nach all den neuen Eindrücken des Tages, gab uns das Alte und Bekannte einen gewissen Halt. Denn auch unseren heimischen Kräuterfrischkäse hatten wir in dem großen Supermarkt Superseis nicht finden können. Mittlerweile kennen wir uns hier in der Gegend echt gut aus und wissen welche Aufstriche hier tausendmal besser schmecken als alle deutschen Kräuterfrischkäse zusammen. Auch die Altstadt haben wir schon ein wenig erkundet, sowie einige Parks, Bars und Einkaufszentren. Als vor einigen Tagen eine neue deutsche Freiwillige zu uns ins Wohnheim gezogen ist, haben wir uns schon fast wie Einheimische gefühlt, als wir ihr den Weg zum Supermarkt beschrieben.

Hier gibt es sowohl Avocados der Größe eines Tischtennisballes, als auch welche die mein ganzes Gesicht abdecken könnten. Aber egal welche man nimmt, leckerer als in Deutschland sind sie hier immer. 

Der Regierungspalast von Asunción hinter einem Schild, über das sich jeder Tourist freut. 

Die Straßenschule

In meinen ersten Wochen in Asunción habe ich natürlich nicht nur die Stadt und meine Umgebung kennengelernt, sondern auch die „Callescuela“, bei der ich das Jahr über arbeiten werde. Die Callescuela ist ein Verein der sich seit 1983 für Kinder und Jugendliche einsetzt, welche arbeiten müssen um ihre Familien finanziell zu unterstützen. Mit dem Prinzip „educando por la calle“(etw. lernen auf der Straße) versucht die Callescuela die Kinder und Jugendlichen bei ihrem Bildungsweg durch Nachhilfe zu unterstützen, sie über ihre Rechte zu informieren und ihnen die Möglichkeit zu geben sich zu organisieren und politisch für die eigenen Rechte und eine bessere Zukunft einzusetzen.  Zudem bietet sie ihnen Zugang zu Materialien, Essen und Freizeitangeboten, wie Fußballspielen oder Bastelaktionen, welche sie oft zu Hause nicht erhalten könnten. Die Callescuela hat in Asunción insgesamt 4 unterschiedliche Einsatzstellen, die wir uns in den ersten Wochen alle ansehen durften. Davon sind zwei an den Orten, an denen die meisten Kinder und Jugendlichen in der Stadt arbeiten: dem Mercado Abasto und dem Busterminal. Diese beiden Projekte sind öffentlich und können daher von allen Kindern und Jugendlichen genutzt werden. Im Mercado gibt es auch nachmittags umsonst ein warmes Essen für alle die es brauchen. Die anderen beiden Projekte befinden sich in zwei ärmeren Viertel eher am Rande der Stadt, also dort wo einige der arbeitenden Kinder und Jugendlichen wohnen. Diese Projekte kann man eher mit einer sehr lockeren Kindertagesstätte vergleichen, da dort auch sehr junge Kinder betreut werden und Ältere Nachhilfe erhalten und unterschiedliche Aktivitäten angeboten bekommen. In einer dieser beiden Einsatzstellen werde ich nun das kommende Jahr arbeiten. Genauer gesagt in der comunidad 9 de Marzo. Einem sehr schönen, überschaubaren Viertel gefüllt von Straßenhunden und sehr herzlichen Menschen, die mich sehr schnell als Teil der großen Familie aufgenommen haben. So kompliziert mein Name für spanisch-Sprecher auch sein mag, immer wenn ich in die kleine Lehmstraße zu meinem Projekt einbiege, höre ich aus irgendeinem Garten ein herzliches „Hola Merle“ (das klingt hier eher wie Marle oder Marie aber das ist mir egal). Nach meinen ersten Tagen alleine im Projekt bin ich oft ziemlich erschöpft von den vielen Herausforderungen. Mal abgesehen von den Sprachmissverständnissen ist es gar nicht so einfach allen Kindern gleichzeitig Aufmerksamkeit zu schenken, autoritär und trotzdem kumpelhaft rüberzukommen und die vielen Fragen über Deutschland zu beantworten. Immer wenn ich nach einem deutschen Schimpfwort gefragt werde, antworte ich „Eichhörnchen“. Jedoch bin ich auch nach jedem neuen Arbeitstag total erfüllt, von all den neuen Eindrücken und der unglaublichen Energie und Lebensfreude, die die Kinder mitbringen. Nicht nur die Energie bei extremer Hitze Fußball zu spielen oder auf einen Baum zu klettern um mir danach unbekannte Früchte in den Mund zu stecken, sondern auch die Energie zu lernen. Einmal wöchentlich treffen sich die Kinder und Jugendlichen in Gruppen um sich über ihr Leben als Arbeiter und Schüler zu unterhalten aber auch um zusammen mehr über wichtige Themen wie Gesundheit, Ernährung, gewaltfreien Umgang oder Kinderrechte zu lernen. Immer wieder bin ich beeindruckt, wie selbständig die Kinder und Jugendlichen hier schon sind.
 

Hier wurden meine Mitfreiwillige Laura und ich herzlich von der Gruppe „Abeja“ der comunidad Villa Elisa empfangen, in der ich auch zwei Tage der Woche arbeite. 
 

Hier hatten wir die Ehre an einem Treffen einiger indigener Völker Paraguays teilzunehmen, welche sich für den Schutz ihrer heiligen  „Tierra Madre“ (Mutter Erde) einsetzten. 
Ich bin schon sehr gespannt und voller Vorfreude darauf, was sich noch alles in den nächsten 4 Wochen ereignen und verändern wird. Einfach ein bisschen Terere trinken und abwarten bis die Mangos vom Himmel fallen (die sind nämlich bald reif). Denn dass sich alles verändert, ist ja nicht verwunderlich.
Die allerbesten Grüße meine Amigos!
Merle
 

 
 
 

Kommentare:

Sarah Otto
02.10.2018

Hola Merle! Cómo estás? Ich bin gerade über Deinen Eintrag gestolpert und habe es sehr genossen, ihn zu lesen. Ich bin auch weltwärts-Freiwillige in Asunción, aber mit AFS. Vielleicht können wir uns ja irgendwann mal treffen und Erfahrungen austauschen. Wenn nicht ist auch ok, tranqui :D Liebe Grüße Sarah

Heike Bethe
14.10.2018

Liebe Merle, gerade habe ich deinen sehr interessanten Bericht gelesen. Danke für deine lebendigen Schilderungen, durch die viele Bilder in mir entstanden sind. Klar, dass es auch anstrengend ist, aber vor allem hört es sich so "lebensprall" an - einfach toll, dass du das alles erleben kannst! Viel Spaß weiterhin und liebe Grüße, Heike

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