Update Wohnsituation & Arbeit im Projekt

Es ist wieder soweit: nach langer Zeit gibt es ein Update aus meinem Leben hier in Buenos Aires!

Die neue Wohnsituation

Nach zweieinhalb Monaten, Anfang November, bin ich endlich aus der Esmeralda-WG ausgezogen, und überraschenderweise und anders als geplant, ganz alleine. Der Freiwilligendienst nimmt für mich nun eine ganz neue Form an und es hat sich dadurch Einiges verändert, im positiven Sinne. Der Weg ins Projekt ist jetzt kürzer (sollte er zumindest eigentlich sein, aber die Züge fahren sehr unregelmäßig aus mehreren Gründen, das wird sich hoffentlich alles einpendeln), ich wohne jetzt nicht mehr in Capital Federal, sondern in der Provinz Buenos Aires in Ezpeleta, und hier ist alles viel ruhiger, vor allem, da hier viel weniger Verkehr und Menschen auf der Straße sind und das einzige, was man ab und zu hört, sind vereinzele Autos oder das verstummte Bellen eines Hundes in der Ferne – ich fühle mich viel wohler damit und habe nicht mehr das Gefühl, vom Großstadtleben „erdrückt“ zu werden. Außerdem komme ich – bis jetzt zumindest – sehr gut damit klar, alleine zu leben. Ich hatte anfangs zwar die Bedenken, mich alleine zu fühlen. Das Schöne ist, dass ich jetzt auch sehr herzliche liebe argentinische Nachbarn habe. Zwei Tage nach dem Einzug wurde ich direkt zum Essen eingeladen, es war ein richtig schöner Abend, und am Tag darauf wieder, und wieder, und wieder –und in den erste zwei Wochen musste ich mir nur einmal selbst Essen zubereiten, weil wir entweder immer gemeinsam kochen oder mir meine KollegInnen aus dem Projekt etwas für zuhause mitgeben, daran habe ich mich viel zu schnell gewöhnt ;).

Meine Nachbarn und ich verstehen uns wirklich sehr gut und verbringen dementsprechend auch viel Zeit miteinander, essen zusammen Abendessen, tauschen Musik aus, unterhalten uns und lachen gemeinsam und merken dann plötzlich, es sind schon fünf Uhr morgens, die Zeit vergeht wie im Fluge! Oder es klopft jemand am Fenster und ruft: „Sophi, komm rüber, lass uns zusammen Mate trinken!“. Ich bin super glücklich hier und dankbar dafür, so liebe Menschen so nah um mich herum zu haben. Außerdem ist es genau das, was ich mir die ganze Zeit gewünscht habe, nicht nur in der deutschen Blase gefangen zu sein, sondern die Menschen hier vor Ort kennenzulernen, Zeit zu verbringen und sich auszutauschen.

Außerdem möchte ich nochmal erwähnen, dass es anfangs und ab und zu weiterhin große Spannungen zwischen mir und meiner Freiwilligen gab, und das hat mich, zusammen im Allgemeinen mit der vorherigen Wohnsitation, in den ersten Wochen ziemlich belastet. Zum einen, weil wir sehr unterschiedliche Menschen sind und, zum anderen, weil es schwer sein kann, sich sowohl Zuhause als auch im Projekt den ganzen Tag gegenüber zu stehen, vor allem in der Eingewöhnungsphase. Über die Zeit haben wir beide gelernt, uns Freiräume zu schaffen und so mehr Abstand zueinander aufgebaut. Auch auf Arbeit hat es sich gebessert, da wir beide jetzt verschiedenen Bereichen zugeteilt sind, ich mit den Kindern und meine Mitfreiwillige mit den Jugendlichen arbeitet, und, für meinen Teil habe ich auch so die Möglichkeit bekommen, mich nochmal besser als Individuum zu zeigen. Jetzt ist deutlich weniger Spannung zwischen uns und auch der Abstand größer, was uns beiden bisher und in Blick auf die folgende Zeit des FWD gut tun wird.

Schwierige Situationen im Projekt

Nun zur Arbeit im Projekt: das muss ich einfach nochmal loswerden, es gefällt mir hier nach wie vor super! Und fast jeden Tag komme ich von der Arbeit mit einem Lächeln im Gesicht nach Hause, und abends vor dem Schlafengehen denke ich nochmal nach über all die schönen Geschehnisse und Begegnungen, die lustigen Momente und das laute Gelächter, die warmen und herzlichen Umarmungen der Kinder und meiner KollegInnen. Es gibt aber auch die Tage, an denen denkt man schon noch länger über die Geschichten der Kinder und Jugendlichen aus ihrem Alltag nach, was bei ihnen zuhause und auch außerhalb abgeht. Die TeilnehmerInnen im Projekt kommen aus teils sehr schwierigen Verhältnissen, geprägt von Missbrauch und Gewalt. Manchmal fällt es mir schwer, mich davon ausreichend zu distanzieren, die Geschichten der TeilnehmerInnen sind oft so überwältigend, dass ich mich im Gespräch sehr zusammenreißen muss, auch im Nachhinein beschäftigen sie mich. Ich bin dankbar dafür, zu einigen der Kinder und Jugendlichen nach kurzer Zeit schon dieses Vertrauen aufgebaut zu haben und dass auch ich, neben meinen KollegInnen, als Ansprech- und Vertrauensperson gesehen werde. Dennoch sind und bleiben es Gespräche, die mich als Freiwillige manchmal überwältigen, Gespräche, die viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität verlangen. Man muss gar nicht immer danach suchen, das Richtige zu sagen, es reicht aus, dem Gegenüber ein offenes Ohr zu bieten und zuzuhören. Mir hilft es immer, mich im Nachhinein mit meinen KollegInnen darüber auszutauschen, auf diese kann ich mich immer verlassen, ich gebe die im Gespräch an die Oberfläche gekommenen Umstände der Kinder und Jugendlichen an sie weiter und in dynamischer Zusammenarbeit, auch mit anderen Institutionen wie beispielsweise den Schulen, dem Gesundheitszentrum (PsychologInnen) und den betroffenen Familien, wird dann nach Lösungen und möglichen Auswegen für die Kinder und Jugendlichen aus diesen schwierigen Situationen gesucht.

Un abrazo, Sophi

¡Bienvenidxs a Argentina!

Voller Vorfreude und gleichzeitig mit Tränen in den Augen winke ich meinen Eltern aus der Sicherheitskontrolle am Hamburger Flughafen ein letztes Mal zu, und blicke nun neugierig und vielleicht auch etwas unsicher auf den bevorstehenden Freiwilligendienst, auf all das, was mich in Buenos Aires, in Argentinien, auf diesem fremden Kontinent, erwarten sollte. Jetzt sitze ich hier in meinem WG-Zimmer und selbstverständlich mit meinem Mate, mitten im Zentrum von Buenos Aires, und plötzlich wird mir bewusst, es sind schon zweieinhalb Monate vergangen, die Zeit vergeht so unfassbar schnell… Zeit für meinen ersten Blogeintrag!

Aber spulen wir nochmal etwas zurück an den Anfang:
Am Flughafen in Buenos Aires angekommen wurden wir, die anderen Argentinien-, Paraguay- und Uruguayfreiwilligen und ich, herzlich empfangen von der Partnerorganisation Iglesia Evangélica del Río de la Plata, kurz IERP.
Während der Fahrt vom Flughafen in unsere erste Unterkunft ist mir als erstes ein großer Kontrast in Bezug auf die Wohnhäuser und Gebäude, die Landschaft aufgefallen, die ganze Stadt ist in Cuadras aufgebaut, es hat sich so schnell verändert, um die Extreme zu benennen, auf der einen Seite riesige luxuriöse Gebäude (im Zentrum vor allem in europäischem Baustil), auf der anderen ganz eng an- und übereinandergebaute Häuser, einfache Betonbauten, teilweise ohne eingebaute Fenster – das sind jetzt wirklich die Extreme!! – ganz anders als das, was man in Deutschland in Bezug auf die Landschaft gewohnt ist. Dieser Kontrast zieht sich durch die ganze Stadt – eine riesige Stadt, wobei die ganze Provinz Bs.As. der Fläche Deutschlands gleicht – ich war mir dessen zwar irgendwo bewusst, das dachte ich zumindest, aber diese neue Umgebung dann in Echt zu sehen, war doch überwältigend.

Das Einführungsseminar – die Capacitación

Die ersten beiden Wochen Seminar, Capacitación genannt, mit den bis zu 60 anderen Freiwilligen aus den verschiedensten Organisationen waren ziemlich aufregend und anstrengend. Untergebracht war ich in der Esmeralda, einem evangelischen Gemeindehaus direkt im Zentrum von Buenos Aires, insgesamt waren wir 18 Freiwillige und mit sechs habe ich mir das Zimmer geteilt. Das war richtig cool und echt chaotisch, aber vor allem eine super Gelegenheit, meine Mitfreiwilligen besser kennenzulernen und erste neue Freundschaften zu knüpfen.
Während des Seminars haben wir uns mit vielen wichtigen Themen bezüglich des Freiwilligendienstes auseinandergesetzt und sehr viel Input bekommen, eine Einführung ins argentinische Castellano, aber auch gemeinsam gekocht, Folklore getanzt, Macramé (Knüpftechnik Armbänder) gemacht und viele schöne Ausflüge unternommen.
Abgerundet haben wir alles mit einem argentinischen Grillfest, Asado genannt – insgesamt war die Capacitación eine schöne Zeit, vor allem, weil so viele verschiedene Leute aus ganz Deutschland nun auf einem Haufen waren, und es konnten erste neue Freundschaften geschlossen werden.
Geschafft! Die Capacitación ist beendet, jetzt heißt es erstmal Abschiednehmen, teils sogar bis zum Zwischenseminar, denn jetzt begeben sich alle auf die Reise in ihre Einsatzorte, ziehen in ihre ersten richtigen Wohnungen – nur wir drei, meine MitbewohnerInnen und ich, hatten für die ersten zweieinhalb Monate immer noch keine Wohnung für danach – und so bleiben wir für die erste Zeit noch hier in der Esmeralda, mitten im Zentrum, Capital. Zugegeben, am Anfang tat ich mich damit schwer, einfach weil man nicht weiß, wie lange man bleibt und es schwierig ist, mit vorher zwölf und jetzt noch neun anfangs fremden, so unterschiedlichen Menschen zusammenzuleben, keiner seinen Kram wegräumen oder Geschirr spülen will, und sich dann gleichzeitig zu Hause zu fühlen… Und ich will nicht lügen, es war und ist nicht immer einfach. Aber, wie das ZMÖ immer so schön sagt: nur sprechenden Menschen kann geholfen werden! Und nach einigen langen WG-Sitzungen pendelt sich alles immer besser ein und man freut sich, abends von der Arbeit im Projekt (da gehe ich gleich drauf ein) nach Hause zu kommen, denn es gibt immer jemanden, der fragt, wie der Arbeitstag war, und dann werden bis spät in die Nacht die alltäglichen Geschichten geteilt und manchmal sogar noch die Kartenspiele rausgeholt…

Das Leben in Capital Federal

In Capital ist immer was los, viel Verkehr, viele Menschen, Großstadtleben halt, ein riesen Kontrast zu meinem kleinen Flensburg. Mittlerweile gewöhne ich mich immer mehr daran und beginne fast, es zu mögen. Kulturell und historisch gesehen ist es eine super interessante Stadt und hier zu wohnen eine große Chance, mehr darüber zu erfahren. Und gerade weil hier immer was los ist, kann man auch an Vielem teilnehmen. Es gibt zahlreiche Events und Feste, letzten Monat bspw. die große Asado-Grillmeisterschaft vor dem Obelisco, der weniger als fünf Minuten von meiner jetzigen Wohnung entfernt ist, dann ein kostenloses Mozartkonzert, das Festival de Colectividades, an dem mehr als 50 verschiedene Kulturen anwesend waren auf der Avenida de Mayo bis hin zur Plaza de Mayo (dort wo das Regierungsgebäude des Präsidenten= Casa Rosada steht, und die große Catedral Metropolitana, in der vorher Papst Franziskus tätig war), oder das Festival Mundial de Tango. Auf jeden Fall erlebe ich hier ordentlich was!
Gerade weil ich so zentral gelegen bin, komme ich von hier aus überall hin mit Bus und U-Bahn, der Subte. Für mich als privilegierte deutsche Freiwillige, anders als für die Menschen hier, im Vergleich zu Deutschland billig, eine Fahrt kostete anfangs 30, jetzt nach gerade mal einem Monat 42 Pesos, das sind umgerechnet mit dem guten Kurs ca. 14 Cent – ich will nicht abschweifen, aber um es trotzdem einmal anzuschneiden: die Preise steigen, die Inflation von jetzt über wahnsinnigen 80 Prozent schießt weiter in die Höhe und wird bis Ende des Jahres auf 100 Prozent geschätzt… das war nur ein Beispiel, auch beim Einkaufen im Supermarkt fällt es auf bei alltäglichen Produkten wie bspw. Milch oder Eiern. Für mich als privilegierte Deutsche macht es keinen gravierenden Unterschied – für die Menschen, die hier Leben und arbeiten, sind die instabile Wirtschaft und damit auch argentinischer Peso ein großes Problem, denn auch, wenn die Preise im Supermarkt und auch überall sonst steigen, heißt das nicht, dass das Gehalt sich anpasst.

Mein Projekt – La Casona

Natürlich bin ich nicht nur zum Sightseeing und Urlaub hier. Direkt nach dem Seminar habe ich mein Projekt kennengelernt, und es war super schön! Am ersten Tag haben die Kinder für uns gesungen und auch die KollegInnen waren und sind super herzlich zu mir und meiner Mitfreiwilligen. Aber was genau ist mein Projekt?
Mein Projekt nennt sich La Casona und liegt im einkommensschwächeren Stadtteil Florencio Varela, im Süden der Provinz Buenos Aires. Grob gefasst fungiert das evangelische Gemeinde- und Tageszentrum als Tagesbetreuung und bietet die verschiedensten Freizeitmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche an.
Um die Einrichtung von Außen besser zu beschreiben, die Wände hier sind alle bunt bemalt, dabei steht jedes Bild für etwas Bestimmtes oder erzählt seine ganz eigene Geschichte. Es gibt so viele verschiedene Aktivitäten und talleres = Workshops, an denen die verschiedenen Altersgruppen, die Kinder, die Jugendlichen und auch eine Erwachsenengruppe, tagsüber teilnehmen.


Zum einen hat die Casona eine sehr moderne Bäckerei, in der der taller de pana = Bäckerei-Workshop stattfindet. Hier werden die verschiedensten Sachen gebacken und ausprobiert, Kekse, Chipá, Tortillas… für meine KollegInnen hat der Workshop eine besondere Bedeutung: die Kinder und Jugendlichen lernen, selbst etwas zu schaffen, gerade, weil sie teils aus auch sozial sehr schwierigen Verhältnissen kommen, und die Eltern nicht immer die unterstützende stärkende Rolle übernehmen – ein Brot mit ihren eigenen Händen zu schaffen, so lernen sie auf diese wunderbare Art und Weise, dass sie durchaus fähig sind, selbst etwas zu schaffen und ihren eigenen Wert zu erkennen. Im Anschluss dürfen sich die TeilnhmerInnen dann auch immer etwas davon nach Hause mitnehmen, und manchmal bleibt auch etwas für meine KollegInnen und mich übrig ;).


Ein weiteres Angebot für die Jugendlichen ist der Taller de cine= Kino- bzw. Filmworkshop, bei dem die TeilnehmerInnen an den verschiedensten Themen arbeiten und anschließend selbstständig Kurzfilme produzieren. Aktuell arbeitet die Gruppe beispielsweise an einem Kurzfilm über die Militärdiktatur zw. 1976 u. 1983. Bis heute spielt diese Zeit für die Gesellschaft hier eine große Rolle, eine Zeit, in der viele Menschen, auch Kinder, verschwunden und teils nie wieder aufgetaucht sind, bis heute geht die Suche weiter, und die 1977 während der Diktatur entstandene Bewegung „Madres de Plaza de Mayo“, übersetzt „Mütter der Plaza de Mayo“ existiert bis heute und jeden Donnerstag versammelten und versammeln sich Mütter bzw. die abuelas = Omas auf der Plaza de Mayo.


Die Casona ist zudem eine Institution der IERP = Iglesia Evangélica del Río de La Plata und besitzt auch eine “Multifunktionskirche”, diese wird für die verschiedensten Dinge wie zum Beispiel auch für die Workshops genutzt und es gibt auch eine sehr herzliche und supercoole Pastorin, die einige Aktivitäten begleitet und so kommen die Kinder auf eine spielerische Art und Weise in Berührung mit dem christlichen Glauben.

Der taller de huerta = Beet-/Gartenworkshop ist das neuste Projekt der Einrichtung und mein persönliches Highlight im Projekt ;). Hier lernen die Kinder und Jugendlichen nicht nur, ähnlich wie beim Bäckereiworkshop, dass sie mit ihren Händen selber etwas schaffen können, sondern auch, wie wichtig die Erde, die Natur für uns alle ist, dass wir mit ihr im ständigen Einklang stehen und auch eine neue Wahrnehmung dieser, einen aufmerksameren Umgang. Wir haben gemeinsam einen Kompost gebaut und diesen bemalt, es wird fleißig geschaufelt, gemeinsam geplanzt und stetig begossen. Es ist richtig schön immer wieder zu sehen, wie sehr es den Kindern Spaß macht und wie sehr sie, vor allem bei den kleinen Aufgaben aufgehen! Ich persönlich finde genau dieses Angebot super, gerade, weil für mich die Natur um mich herum immer sehr wichtig war und ist, dieser Workshop gibt mir die Möglichkeit, trotz dem anfangs fordernden Großstadtleben etwas heraus zu kommen und wieder innere Ruhe zu finden – die Casona ist wirklich ein besonderer Ort.

Mein Arbeitstag

Jeden Tag kommen verschiedene Gruppen zu verschiedenen Zeiten, von 10-12 Uhr morgens die erste Gruppe mit Kindern im Alter von sechs bis elf Jahren, das nennt sich turno manana, das sind die Kinder, die nachmittags die Schule besuchen. In dieser Zeit bereiten meine KollegInnen beziehungsweise ich ein kleines Frühstück für die Kinder vor, das sind dann meistens Kekse, Brotstücke oder das, was die TeilnehmerInnen vorher in der Bäckerei gebacken haben und was gerade so da ist. Dazu gibt es dann zum Trinken eine Auswahl zwischen einer Tasse Tee, chocolatada = Kakao oder mate cocido = Mate im Teebeutel – hierzu möchte ich sagen, dass es mich am Anfang wirklich sehr schockiert hat, wie viel Zucker jeweils in die Getränke reinkommen und generell wie viel Zucker die Kinder im Projekt konsumieren. Für sie ist es hier normal, mehrere Löffel Zucker in die Tasse Tee und sogar in die Chocolatada zu fügen, und mittlerweile habe ich mich auch daran gewöhnt, aber zu Beginn war für mich alles schon ziemlich süß. Aber zurück zum Ablauf: Vor dem Essen wird immer gesungen, entweder „Badabadam“ oder der „rap de la bendición“, um das gemeinsame Essen zu segnen und dafür zu danken – das finde ich immer besonders schön. Jetzt fassen wir uns alle an die Hände und sagen “¡Buen pro-ve-cho!“ = Guten Apetit!
Nach dem gemeinsamen Fühstück kommen entweder talleristas, die mit den Kindern verschiedene Aktivitäten durchführen wie zum Beispiel Malen, Tanzen, Basteln und noch viel mehr, oder die BetreuerInnen und ich denken uns spontan etwas aus und im Anschluss bleibt immer genug Zeit zum Spielen, drinnen und draußen.
Nun folgen zwei Stunden Pause, in dieser Zeit gehe ich meistens einkaufen oder esse etwas gemeinsam mit meinen KollegInnen. Pause vorbei, jetzt beginnt für mich der turno tarde von 14-17 Uhr, da kommen dann die Kinder, die morgens in der Schule sind, das kann man hier in Argentinien nämlich frei entscheiden. Im Prinzip sind der turno manana und turno tarde relativ gleich aufgebaut, nur, dass letzteres eine Stunde länger geht und andere KollegInnen und Talleristas vorbeikommen. Parallel zur Kindergruppe kommen an manchen Tagen in dieser Zeit auch Jugendliche im Alter von 12 bis 16 bzw. 16 bis aufwärts, diese nehmen dann auch an Workshops teil.
Nach diesen beiden Gruppen endet für mich der Arbeitstag. Meine Mitfreiwillige, die in Adolescentes, also bei den Jugendlichen, eingeteilt ist, bleibt an wenigen Tagen länger und begleitet noch einen letzten Workshop mit entweder älteren Jugendlichen, oder jeden Dienstag Abend mit einer bunt gemischten Gruppe mit jüngeren Erwachsenen.
Am wichtigsten ist es allerdings, nochmal zu erwähnen, was für tolle und liebe Menschen es hier im Projekt gibt!! Von Anfang an geben sich wirklich alle MitarbeiterInnen mit meiner Mitfreiwilligen und mir sehr viel Mühe und versuchen, uns an allem teilhaben zu lassen und ich fühle mich richtig wohl und gut aufgehoben. Es gibt immer ein offenes Ohr und das Umfeld ist sehr familiär und der Umgang miteinander super herzlich – ich weiß jetzt schon, wie sehr mir die Herzlichkeit zurück in Deutschland fehlen wird. Die Casona ist, einfach durch die Menschen, ein so besonderer Ort, es ist eine kleine Familie, und ich bin dankbar, ein Teil davon sein zu dürfen. Dankeschön.

😉
Meine neue argentinische Familie und meine argentinischen hermanas – die Schwestern, nach denen ich immer gesucht habe ≤3

Der Anfang einer schönen Reise

Am 11.08 war es endlich soweit, nach fast 2 Jahren warten und einem 17 Stunden Flug, hieß es “Bienvenidos en Argentina” (Herzlich willkommen in Argentinien). Meine Mitfrewilligen und ich wurden von Rosi, eine der Leiterinnen unserer Partnerorganisation in Argentnien, abgeholt. Als wir den Flughafen verließen wurde ich gleich positiv überrascht, so viel Sonne und das im Winter. Die große Truppe von Freiwilligen aus verschiedenen Organisationen, wurde erstmal mit einem Bus, in verschiedene WG’s aufgeteilt. Dabei hatte ich das Glück in die Esmeralda WG zu kommen, meiner Meinung nach zwar die größte, aber auch die beste WG. Während der Fahrt habe ich auch den ersten Eindruck von Buenos Aires bekommen, ich habe mich gefühlt, als wäre ich in Newyork angekommen. Zumindest würde ich mir so Newyork vorstellen, eine Megametropole wie keine Zweite.

Der Innenhof der Esmeralda WG

Die Capacitation

Die Sachen abgelegt und wirklich in Buenos Aires angekommen, hieß es für mich erstmal schlafen. Denn nun lagen 2 Wochen Seminar ,mit 58 anderen vor mir und wie ich mich darauf gefreut habe, ist unvorstellbar! Das Seminar wurde von der IERP geleitet, IERP steht für die ” Evangelische Kirche des Rio de la Plata” und ist eine Gemeinschaft von verschiedenen Kirchen, wie Kirchenkreisen aus Argentnien, Uruguay und Paraguay. Die IERP unterstützt nicht nur die verschiedenen Projekte der Kirchen im generellen, sondern bietet auch die Freiwilligenprogramme an und koordiniert diese.

In den 2 Wochen Seminar konnte ich nicht nur meine ersten Eindrücken über Agrentinien gewinnen, sondern auch viel lernen. Wir hatten neben dem täglichen Spracheinführungskurs auch verschiedenste Seminarblöcke zu Themen wie Kultur, Historie, Sicherheit, Essen und wie wir uns auf die Arbeit mit den verschiedenen Zeilgruppen (Kindergarten, Schule, Altersheim oder Kirche) verhalten können/sollten. Außerdem habe ich diese sehr intensive Zeit genutzt, um neue Freundschaften zu schließen. Da sehr viele Menschen mit dem gleichen Mindset aufeinandertreffen, ist es daher einfacher ist mit diesen schneller auf eine Smypathieebene zu gelangen. Zusätzlich gab es auch wirklich schöne Wochenendsasuflüge, als Beispiel sind wir nach Tigre gefahren, um uns den Markt anzugucken. Dort habe ich auch meine ersten Sachen für Mate gekauft. Außerdem habe ich im Seminar nicht nur deutsche Freunde, sondern auch meine ersten argentinischen Freunde kennengelernt. Wir wurden nämlich das ganze Seminar über von den “Permanentes” unterstützt, das sind ehemalige Freiwillige aus Argentnien die in Deutschalnd waren. Auch nachdem ich aus Buenos Aires, in meine Einsatzstelle gefahren bin ,stehe ich noch im sehr guten Kontakt zu ihnen.

Meine Einsatzstelle

Am 24.08 fuhr ich dann in meine Einsastzstelle, nach 7 Stunden im Reisebus bin ich Mittwoch Nachts, in Parana angekommen. Ich wurde von Mirta ,Meiner Chefin Vorort und Juan, meinem Ansprechpartner für alles vom Busbahnhof abgeholt und in meine Wohnung gefahren. Praktischer Weise lebe ich direkt über meiner Einsatzsetlle, wodurch sich mein Arbeitsweg auf nur 2 Minuten die Treppe runter beschränkt. Als ich dann in meinem Zimmer angekommen war konnte ich es kaum glauben. Wie ein Schlag ins Gesicht, aber mit einer lieblichen Note, traf mich die Realität. “Endlich bin ich angekommen”, “Nach so langem Warten” all solche Gedanken schossen durch meinen Kopf und ich konnte auch meine Freudentränen nicht mehr zurückhalten.

Mein Zimmer

Am nächsten Tag begann dann auch mein erster Arbeistag. Ich konnte mir alles in Ruhe anschauen, meine Kolleginnen und den Tagesablauf kennenlernen. Der Kindergarten fängt um 7 Uhr morgens an und hat eine Bringzeit, Frühstück, Lernzeit, Mittagessen und un 13 Uhr schließt der Kindergarten. Es sind insgesamt 33 Kinder, 4 Erzieherinnen und 2 Hauswitschaftskräft (mich eingeschlossen). Meine Aufgaben waren vorallem zum Anfang erstmal beobachten, Fegen oder beim servieren der Mahlzeiten helfen. Durch die Sprachbarriere ist die Kommunikation sehr wortkarg gewesen, aber man konnte sich verständigenund und alles hat funktioniert.

Der holprige Start

Leider war das nicht so bei meinem ersten Versuch alleine einzukaufen. Vor lauter Aufregung habe ich wirklich jedes einzelne Wort spanisch, was ich bis dahin konnte, vergessen und war dadurch noch nervöser. Als ich dann an der Kasse stand, hatte ich leider verloren, da ich etwas gefragt wurde obwohl ich gebetet habe ,ohne Konversation aus dem Laden gehen zu können. Als die Kassiererin realisiert hatte das ich nichts verstand, fragte sie eine Kollegin um Hilfe. Diese sprach mich dann 5 Minuten auf spanisch an, bis sie auch realisierte, dass ich nichts verstehe und rief eine andere Kollegin. Dieses Spiel zog sich fort bis am Ende 5 Mitarbeiter*innen vor mir standen und auf mich einreden. Dieses Erlebnis hat mein Selbstbewusstsein soweit angekratzt, dass ich die ersten 2 Wochen mich kaum getraut habe zu sprechen. Was rückblickend ein Fehler war, da ich mir nur selber Zeit gestohlen hatte.

Jedoch konnte das alles durch viele schöne Momente wieder ausgeglichen werden. Ich wurde an meinem ersten Wochende von einer Permanentes nach Crespo eingeladen, eine kleine Stadt in der Nähe von Parana. Sie hat mir mit ihrem Freund zusammen die Stadt gezeigt und wir haben im Park Mate getrunken. Am nächsten Tag haben wir uns eine Oldtimer Austellung angeguckt und anschließend im Park Asado gegessen. Asado ist ein Typisch argentinisches Grillfest in dem unmengen an Fleisch vertiglt wird, dazu kann ich jetzt bestätigen, dass das argentinische Kuhfleisch unglaublich lecker ist.

Über den Dächern von Parana

Während ich meinen Platz in meiner Arbeit und meine dazugehörigen Aufgaben immer mehr gefunden und kennengelernt habe. Habe ich auch angefangen hier meine ersten Freundschaften in Parana zu schließen. Als mich eine Freiwillige aus Buenos Aires am Wochenende besuchen kam, haben wir uns mit einer Cousine, ihrer Kollegin getroffen. Durch die Cousine konnte ich viele verschiedene Menschen kennenlernen, vorallem Studenten in meinem Alter (20-25). Ich stehe im guten Kontakt mit allen und wir treffen uns Regelmäßig zum Mate trinken und entspannen. Außerdem habe ich jetzt schon meinen Lieblingsort gefunden, da eine Frundin von mir eine Dachtarasse mit einem atemberaubenden Ausblick hat. Es ist egal ob zum Sonnenaufgang, Mittags oder Sonnenuntergang, es bleibt einfach nur ein faszinierender Anblick.

Zum Ende habe ich noch eine neue Nachricht bekommen. Ich sollte eigentlich alleine in meiner Einsatzsetlle sein, jedoch bekomme ich zum 25.11 einen neuen Mitfreiwilligen. Matthis ein freund vom ZMÖ, mit dem ich schon auf dem Seminar in deutschlad ein Zimmer geteilt habe. Ich bin schon in den Vorbereitungen ihm voller Vorfreude willkommen zu heißen. Ich bin weiterhin gespannt was dieses Land, meine Arbeit und meine Freunde für mich bereithalten und kann es kaum erwarten noch mehr zu erleben!

Ausblick der Dachtarasse
Sonnenuntergang:)

6.Monate

Hola!

Es ist wieder Zeit ein Quartalsbericht zu schreiben. Klar wollte ich euch alle erzählen und berichten, was in den vergangenen Monaten so passiert ist. Doch ich habe mir in letzter Zeit auch über andere Themen Gedanken gemacht. Doch ich erzähl euch mal, was so auf der anderen Seite der Welt so passiert ist.

Textfeld: Purmamarca
El Chalten
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Purmamarca

Im letzten Bericht, habe ich glaube ich bei Dezember aufgehört zu zuschreiben. Auf jeden Fall habe ich Weihnachten mit meinen Quilmes-Mitfreiwilligen verbracht. Das erste warme Weihnachten war sehr süß und wurde klein und besinnlich gehalten, was für mich anders war, als andere Weihnachten die ich erlebt habe. Direkt nach Weihnachten hatte ich noch paar Arbeitstage und dann stand schon der Urlaub vor der Tür. 1 Monat Reisen durch ganz Argentinien, das war auch mal ein Erlebnis und viel rumgekommen bin ich auch. Vom Norden bis zum Süden habe ich ein paar Städte abgeklappert. Um euch ein paar Städte mal zu nennen, damit ihr mal so hört, wo ich so war; Purmamarca, Jujuy, Salta, Mar del Plata, Tandil, Calafate und El Chalten. Nach dem Urlaub und einem kurzen Zwischenhalt Zuhause ging es auch schon auf das Zwischenseminar. Dort habe ich realisiert, dass 6 Monate schon rum sind und das bedeutet, dass die Zeit so schnell an mir vorbei gerast ist, dass ich nicht mal gemerkt habe, dass mir nur noch ein halbes Jahr bleibt. Auf dem Zwischenseminar war es schön die Leute wiederzusehen und auch mit Leuten Kontakt zu knüpfen, mit denen man in den vergangenen Monaten nicht so viel gemacht hat. Auf dem Seminar haben wir verschiedene Thematiken besprochen und uns auch über die vergangenen und die kommenden 6 Monate unterhalten. Das hat geholfen, um sich zum Beispiel neue Ziele zu setzten und über die Sachen nachzudenken, die nicht so gelaufen sind, wie sie sollten. Ich habe zum Beispiel angefangen Ukulele zu spielen und habe mir ein Tanzstudio gesucht, außerdem habe ich angefangen mehr zu lesen und zu malen, was meinem ,,inneren ich´´ sehr geholfen hat. Ich habe realisiert das dieses Freiwillige Jahr mir so viel gibt, an dem ich wachsen kann und an das ich mich mein Leben lang erinnern werde.             

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Perito-Moreno-Gletscher

In den letzten 6 Monaten, habe ich mich über Themen Gedanken gemacht, die mich in meinem alltäglichem Leben hier in Argentinien begleiten; wie Inflation, Frauenrechte, Machismos und Müll. In Deutschland habe ich mir nie über sowas Gedanken gemacht, wie hier. Ich will zu einem anderen Thema mal meine Gedanken äußern. Es ist einfach das was gerade so in meinem Kopf ist.

Ich bin Frau

Ich bin hübsch

Ich bin frei

Kann ich selbst entscheiden?

Bin ich hübsch genug?

Erwartet man was von mir?

Diese Aussagen und Fragen haben mich beschäftigt. Nicht nur das, sondern auch wie ich als FRAU wahrgenommen werde, denn das hat sich glaube ich am meisten hier verändert, die Wahrnehmung.

Ich weiß manchmal nicht ob uns bewusst ist, wie viel wir in Europa haben.  Frau zu sein ist nicht einfach und ich will nicht behaupten das es in Europa anders ist, doch in manchen Teilen der Welt ist es einfach was anderes, Frau zu sein. Ich musste erst aus Deutschland  raus, um zu sehen, wie viele Rechte wir haben, die uns schützen oder wie gut unser Gesundheitssystem ist, dass ist hier in Argentinien nicht so und daran muss man sich gewöhnen. Gleichberechtigung, Meinungs- und Entscheidungsfreiheit, sind hier nicht eine Selbstverständlichkeit und das ist schon hart, wenn man mit anderen Prinzipien aufgewachsen ist und es anders kennt. Man begegnet hier am häufigsten den Machismos, mit dem ich auch Bekanntschaft gemacht habe. Auf Arbeitsstellen, in der Regierung und auch auf der Straße, hatte ich Begegnungen mit dem Machismus. Meine erste davon war auf der Straße. Ich war auf dem Weg zu einer Freundin, auf einmal höre ich Wörter wie , ,,Que guapa´´ (Wie hübsch), ,,Vamos a mi Casa´´ (Gehen wir zu mir nach Hause) oder ,,Besame´´ (Küss mich), von Typen, die an einer Ecke standen. Ich wusste nicht, was ich genau tun sollte, aber eins wusste ich und zwar das ich darauf nicht antworten sollte. Nicht aus Angst sie könnten dann nochmal was erwidern, sondern erstens, weil sie mir vielleicht näher kommen oder mich verfolgen könnten, zweitens, weil man es einfach nicht tut, weil wir als Frau sowieso als das schwächere Geschlecht darstellen und der Mann die ,,Hosen anhat´´. Dieses Ereignis ist am heiligten Tag passiert und ich bin und war nicht das letzte Mädchen, das so auf der offenen Straße angemacht wurde. Männer fühlen sich schon seit ich in den Geschichtsbüchern lesen kann mächtiger als die Frau. Ich glaube das liegt so in der Natur, doch warum ist das so ? Rechtfertigt das das Handeln der Männer ?

Ich habe manchmal an das Ereignis gedacht und ich habe mich gefragt, ist es meine schuld ? Bin ich daran Schuld, dass ich solche ,,Kommentare´´ bekommen habe?

Ich habe lange darüber nachgedacht. Meine Antwort die ich mir gebe ist NEIN. Ich bin nicht schuld. Eigentlich sollte ich nicht angesprochen werden, weil ich auffällig bin, weil ich gelb trage, weil meine Haare braun sind oder meine Lippen rot. Ich bin doch frei das zu tragen, was ich will und wie ich will, ohne das mich jemand dafür belästigt oder mir unangenehme Kommentare macht. Ich bin doch frei, oder ?

Ist es denn nicht gefährlich, wenn ich ein Rock trage oder ein T-Shirt mit zu großem Ausschnitt? Männer könnten das zum Anlass nehmen und mir Kommentare machen oder man wird anzüglich angeschaut, deswegen sagen viele ,,Lass es lieber, dich so anzuziehen´´.

Solche Aussagen werden gesagt, ohne die richtige Auswirkung davon zu kennen. Mir wird indirekt gesagt, dass ich aufpassen soll das ich nicht zu reizvolle Kleidung trage, dass ich aufpassen soll, wie ich mich kleide und somit wird mir der freie Wille genommen, zu entscheiden wie ich mich anziehe. Ich habe mich ertappt und ich glaube ich bin nicht die einzige, die zweimal darüber nachgedacht hat, ob ich mich lieber nicht doch umziehen soll, weil das Top schon ein bisschen Ausschnitt hat. Dabei dachte ich, -nicht nur auf Argentinien bezogen-, leben wir in einer sicheren Gesellschaft. Doch ich glaube ich fange an zu verstehen, dass es vielleicht Lücken gibt. Hier könnte man vieles aufführen, was gerade nicht so läuft, doch Schuld haben nicht die Frauen und auch nicht die Männer. Es ist die Gesellschaft. Es sind alle, damit meine ich Medien, Regierung und jeder Einzelne, der es zulässt.

Die Medien haben eine gewaltige Macht über uns, wie das Ideal von einer ,,schönen Frau´´ oder von einem ,,gut Aussehenden Mann´´ aussehen soll oder muss. Sowohl auf Männer als auch auf Frauen gibt es diesen gesellschaftlichen Druck, doch ich glaube, dass es um einiges stärker bei der Frau ist, als beim Mann. Ich glaube ein guter Beleg dafür ist die Geschichte selbst. Frauen machen sich schon seit geraumer Zeit hübsch, schön und makellos. Das machen Frauen alles für das andere Geschlecht. Ich habe mich intensiv mit einer argentinischen Freundin über Leben und Tod, was danach ist, und viele weitere Themen unterhalten. Doch aus unserem Gespräch habe ich mitgenommen, dass wir kleine Marionetten sind in einem großen Theaterstück sind. Ich muss sagen ich selbst fühle mich in meinem alltäglichen Leben nicht so, aber sie hatte mit dieser Aussage schon irgendwie Recht. Wenn etwas in Mode ist, bricht manchmal ein regelrechter Wahn aus. Ich glaube hier für gibt es genug Beispiele, Fidget Spinner, Polaroid Camaras, Schlaghose, Creolen, das neuste Handy. Das passiert unbewusst, dass wir diese Sachen mögen oder auch nicht. Doch ohne das wir es merkt, werden wir in den Strudel langsam hineingezogen, damit wird jeder durch Freunde oder Amazon Anzeigen mitgenommen.

Doch worauf ich eigentlich hinauswollte ist, dass die Frau perfekt sein sollte, aber sie nie perfekt ist. Ich habe es selbst erlebt und ich glaube es ist so ein Wiederspruch in sich, man kann schon paradox dazu sagen. Ich erläutere dies ganz einfach. Ich habe Aussagen getroffen, die glaube ich ganz für sich sprechen.

Sei perfekt

Du bist zu perfekt

Du bist zu dünn

Du bist ein Skelett

Du bist zu dick

Du hast Bulimie

Sei schön

Aber nicht zu schön!

Sei gesund

Mach Sport

Aber nicht zu viel!

Iss Salat

Iss kein Burger

Nimm ab

Nimm zu

Meckere nicht

Nörgel nicht

Lache

Sei laut

Aber nicht zu laut!

Wein nicht

Zeig Gefühle

Aber nicht zu viele

Du bist eine Puppe!

Sei du selbst

Nein doch nicht…!

Ich glaube all diese Aussagen haben wir schon einmal selbst gehört, sie zu einem anderen gesagt, oder in den Medien erlebt. Ich finde sie zeigen sehr gut auf, dass es Kontrovers ist, eine  Frau zu sein. Durch die Medien erhalten wir ein gewisses Bild, wie die Frau aussehen soll. Ich muss sagen, dass ist sehr traurig. Wir sind im 21.Jahrhuntert, sind weit gekommen mit Forschung und haben vergessen ein Moment zu atmen und um uns zu schauen. Die Menschheit hat Sachen geschafft, die echt beeindruckend sind und man muss sich ein Moment Zeit nehmen, um das zu verdauen. Wir waren auf dem Mond, dass muss man auch erstmal schaffen. Viele haben davon geträumt und es ist war geworden und es ist einfach nur unglaublich. Doch so weit der Fortschritt auch sein mag, ich glaube wir vergessen manchmal das wir Menschen sind. Ich habe auch einen Traum, okay ich habe viele, aber einer davon ist, dass ich nicht perfekt sein muss und ich alles sein kann. Ich kann dick sein und hübsch. Ich kann ein roten Lippenstift tragen, ohne auf der Straße angesprochen zu werden. Ich kann perfekt sein, aber auf meine Art und Weise, mit meinen Makeln und Macken und ich hoffe, dass das viele Menschen machen können. Ich hoffe die Menschen fangen an über ihr Handeln nachzudenken und sich zu verändern. Denn das brauchen wir.

Ich hoffe, dass wir frei werden.

Es liegt bei uns das zu entscheiden.

Mit vielen Denkanstößen auf der anderen Seite der Welt

Un abrazo y un beso

Julia

Nach Hause kommen?

Verfasst bitte einen Beitrag zum Thema “Nach Hause kommen”, so hieß der Arbeitsauftrag. “Zuhause”, was ein seltsames Wort. Was ist denn ein Zuhause?

In Argentinien bin ich doch jeden Tag nach der Arbeit nach Hause gekommen?! Ich liebte meine WG, die besten Mitbewohner, die man sich wünschen kann. Ich fühlte mich wohl, ich war dort gerne, ich fühlte mich sicher. Obwohl es so einige viele Probleme mit diesem Haus auch gab:
Es war mein Zuhause.

Aber der Beitrag soll darüber gehen, wie das Zurückkommen nach Deutschland und zu meiner Familie für mich war.
Ich kann soviel sagen, für mich hat sich das Gefühl “Zuhause” in diesen Monaten (leider kein Jahr, nochmal danke Corona) verändert.

Man könnte ja jetzt denken, vielleicht habe ich jetzt zwei Orte, die sich für mich wie “Zuhause” anfühlen. Doch das ist nicht ganz so. Nach wochenlanger Warterei in Hausquarantäne, kam ich mit einem Rückholflieger nach Frankfurt. Und kam dann schließlich “Zuhause(?)” an. Fast alles wie vorher, nur kleine Veränderungen z.B. dass die kleine Schwester, gar nicht mehr so klein ist oder ein paar neue Kissen auf dem Sofa.
Die ersten Tage und Wochen waren sehr seltsam. Ich glaube “seltsam” beschreibt die Zeit am Besten. Manche Tage fühlten sich wie betäubt an, sie flogen an mir einfach so vorbei. Dann gab es traurige, emotionale Tage, aber auch Tage, an denen ich gar nicht an Argentinien dachte.

Aber ein Gefühl blieb konstant. Dieser Ort hier ist nicht mehr derselbe. Er wechselte von “Zuhause” zu “Zuhause von meinen Eltern und meiner kleinen Schwester”. Und das ist völlig in Ordnung für mich. Denn ich weiß, dass auch jetzt bald etwas Neues beginnen wird und ein neuer Ort mein neues Zuhause wird.

Liebe Grüße aus mittlerweile wieder Deutschland

Abrazo virtual Sarah

Das alles und noch viel mehr

Meine Zeit in Argentinien wurde zwar aufgrund der Pandemie abgebrochen, dennoch berichte ich euch gerne, wie so ein Arbeitstag von mir aussah.

Es ist 8 Uhr und mein Wecker klingelt. Vor 8:25 Uhr schaffe ich es nicht aus dem Bett, sodass ich mich wie immer mit Anziehen und Zähnputzen beeilen muss. Um entspannt zur Arbeit zu gehen, sollte ich um 8:40 Uhr das Haus verlassen. Naja… hat mal wieder nicht ganz geklappt, jetzt ist es 8:50 Uhr. Also sprinte ich los zum Projekt. Schon bin ich an meiner Einsatzstelle “La Casona” angekommen und der ungewollte Morgensport ist vorbei und ja ich habe es zeitlich geschafft, es ist kurz nach neun.

Paola meine Kollegin ist schon da. Paola oder wie sie alle nennen, Pao, ist die Erzieherin für die Kinder, die am Vormittag in das Projekt kommen. Außerdem ist sie Tallerista der Panaderia (Bäckerei) für die 6-11jährigen sowie einiger Talleres (Workshops) für die Jugendlichen.

Ich fange direkt an das Frühstück vorzubereiten, währenddessen schon die ersten Kinder (6-11 Jahre alt) ins Projekt kommen und spielen.
Brot mit Dulce de Leche (Karamellaufstrich), Butter oder Marmelade. Außerdem gibt es Mate Cocido (Tee) mit ganz viel Zucker.

Mittlerweile ist auch meine andere Arbeitskollegin Sofi eingetroffen. Sie organisiert alles im Bereich Niñez (Kindesalter).
Und nun wird auch schon ein Tischlied gesungen, weil die Kinder essen wollen, entscheiden sie sich für das Kürzeste:

“Barabaram ^^ Barabaram ^^ Barabaram Barabaram Barabaram ^^
Bendice señor la mesa, Bendice los alimentos, Bendice a los pekes para poder comer
Barabaram ^^ Barabaram ^^ Barabaram Barabaram Barabaram^^”

“MANOOOS!” (Hände) Alle geben sich die Hände und rufen “Buen provecho!” (Guten Apetit)

Abdecken, Abwaschen und nun geht es in die Panadería (Bäckerei) mit Pao. Die Kinder sind fleißig am Kneten und freuen sich schon auf das Ergebnis, um es zu probieren und anschließend mit nach Haus zu nehmen.

Vor ein paar Tagen habe ich bereits meinen neuen, heutigen Dibujo-Taller (Zeichnen-Workshop) vorbereitet.
Mit einer Vorlage von mir und Hilfslinien zeichnen die Kinder selbst Mandalas. Nur wenige Kinder sind da, sodass es eine ruhige, angenehme Gruppengröße ist.

Jetzt wird gespielt. Erst drinnen dann draußen. Von Kartenspielen über Tischkicker bis Seilspringen und Fußballspielen ist alles dabei.
Um meinen Arm vom Seilschlagen auszuruhen, was ich nun eine halbe Stunde tat, setze ich mich und trinke zusammen mit den anderen Mate.
Ich schaue auf die Uhr. Nun ist es 11:40 Uhr und nach und nach werden die ersten Kinder abgeholt bzw. gehen in Grüppchen nach Hause. Für sie beginnt der Unterricht erst am Nachmittag.

Inzwischen habe ich ca. 2 Stunden Mittagspause. Zum Mittagessen habe ich mir etwas vom Vortag von Zuhause mitgenommen und sitze im Schatten der Bäume.
Die zwei Stunden vergehen wie im Flug und die “Nachmittagskinder” kommen ins Projekt. Sie waren am Vormittag in der Schule. Heute bin ich allerdings nicht für die Kinder am Nachmittag eingeteilt, sondern begleite die Talleres für die Jugendlichen.

Im Taller Cine (Kino) schnitten alle fleißig an Videos, um Spezialeffekte und Übergänge auszuprobieren. Ich sitze daneben und unterhalte mich mit einem Süd-Nordrückkehrer, der ein Jahr in Deutschland arbeitete. Super interessant!

Da die Schule seit dieser Woche erst wieder begonnen hat, ist der Taller Estudio heute leicht überflüssig. Eigentlich bringen hierfür die Jugendlichen ihre Schulaufgaben mit, um sie hier in Ruhe zu machen, nachfragen zu können und Materialien sowie den Computer benutzen zu können. Doch noch haben die Jugendlichen wohl keine Aufgaben bekommen, sodass keiner kam. Naja, dann hören wir eben Musik und singen.

Um 18 Uhr endet mein Tag und ich mache mich auf den Rückweg nach Hause. Den Rückweg gehe ich entspannt.
Zuhause in der WG angekommen, ist mein Mitbewohner Aron bereits da und wir trinken Mate. So endet mein Arbeitstag.

Das alles passiert an einem Tag, und selbst das kratzt irgendwie doch nur an der Oberfläche, denn auf dem Arbeitsweg, auf der Arbeit und Zuhause passieren so viele Dinge, wenn auch manchmal nur kleine.
Aber es ist trotzdem so unfassbar viel, dass man das gar nicht alles erzählen kann…

Liebe Grüße
Sarah

Mein Alltag im Projekt

7:30 Uhr:

Lena und ich gehen nach unten in den Kindergarten. Uns erwarten bereits zwei Kindergärtnerinnen. Der Kindergarten hat zwar schon seit 7 Uhr auf, jedoch sind um diese Uhrzeit noch keine Kinder da, weswegen wir eine halbe Stunde später kommen dürfen. Nun kommen die ersten Kinder.

8:00 Uhr:

Mittlerweile sind einige weitere Kinder von ihren Eltern gebracht worden. Die Meisten sind noch müde und gucken stehend den Kindern beim Spielen zu, die schon etwas länger da sind. Manche schlafen auch.

8:30 Uhr:

Es ist Zeit für das Frühstück! Zu dieser Uhrzeit haben es meistens ca. zehn bis 14 Kinder in den Kindergarten geschafft, besonders die sehr kleinen Kinder kommen etwas später. Außerdem sind nun alle vier Kindergärtnerinnen, die Köchin, die Putzfrau und die Chefin da. Zum Frühstück gibt es immer etwas Süßes, meistens Kekse und Milch, manchmal Trinkjogurt, manchmal Kakao. Das Frühstück ist die nahezu ruhigste Zeit im Kindergarten; fast alle Kinder sitzen ruhig am Tisch und essen. Nur einige wenige Kinder sind schon wach genug um Lärm zu machen.

Nach dem Essen wird die Flagge gehisst. Dabei stehen die Kinder in einem Kreis um den Fahnenmast und es werden Kinderlieder gesungen. Danach dürfen die Kinder im großen Saal spielen. 

9:30 Uhr:

Nach einer Stunde Spielzeit geht es in die Gruppen. Diese sind nach Alter aufgeteilt, d.h. es gibt vier verschiedene Gruppen, eine für die Nulljährigen, eine für die Einjährigen, eine für die Zweijährigen und eine für die Dreijährigen. Die Ältesten müssen zuerst mit dem Spielen aufhören, da es für sie zum Händewaschen ins Bad geht. Je nach Anzahl der Kinder in den anderen Gruppen bleiben diese noch etwas länger im Saal. 

Während der Gruppenphase kommen auch die restlichen Kinder; insgesamt sind zwischen 20 und 25 Kinder da. 

Lena und ich sind meistens bei Gruppe drei oder vier, da dort die meisten Kinder sind und somit unsere Hilfe am sinnvollsten ist. 

10:30 Uhr:

Nachdem in den Gruppen gespielt, gelesen, gesungen, getanzt oder geschlafen wurde, geht es nun für die Kinder wieder in den großen Saal. Sie dürfen sich noch einmal etwas austoben, bevor es zum Mittagessen geht. Nur die Dreijährigen haben diesen Luxus nicht, sie müssen in der Gruppe bleiben um noch etwas zu lernen oder zu spielen. 

11:00 Uhr:

Pünktlich um elf Uhr sitzen alle Kinder am Tisch. Vorher mussten die Zwei- und Dreijährigen noch einmal die Hände waschen. Gegessen wird meistens Fleisch mit Nudeln oder Reis oder Kartoffeln. Die Kinder bekommen das Essen in kleinen Schälchen mit Löffeln serviert. Natürlich ist alles klein geschnitten. Zum Nachtisch gibt es Apfel, an manchen Tagen aber auch Wackelpudding. Außerdem gibt es Saft. 

Beim Essen ist die Schwierigkeit für Lena und mich, gleichzeitig alle Kinder zu „bedienen“ und den Erzieherinnen dabei zu helfen, aufzupassen, dass sich alle Kinder benehmen. Das Mittagessen ist somit die stressigste Zeit des Tages.

12:00 Uhr:

Nach dem Mittagessen werden bereits die ersten Kinder abgeholt. Für die anderen Kinder geht es nun in einen Kreis und die Flagge abgenommen. Gesungen werden dazu wie am Morgen Kinderlieder und nicht die Nationalhymne. Danach dürfen die Kinder (bis auf die Dreijährigen, die müssen wieder in die Gruppe) im großen Saal weiterspielen. Für Lena und mich geht es nun in die Küche; wir helfen beim Abtrocknen. 

12:20 Uhr:

Wenn wir aus der Küche kommen ist die Mehrzahl der Kinder abgeholt worden. Wir spielen noch etwas mit den verbliebenden Kindern, bis auch sie abgeholt werden. 

13:15 Uhr:

Nun ist der Kindergarten leer. Theoretisch hat der Kindergarten noch bis um 14:00 Uhr auf, doch auf Grund der fehlenden Kinder lässt uns unsere Chefin früher gehen. 

So sah also mein Projektalltag aus. Dieser wurde zwar zu besonderen Anlässen auch mal geändert, jedoch blieb das Grundkonzept immer gleich. Nur die Prozedur mit der Flagge wurde nach dem Jahreswechsel aufgegeben. 

Das Ende meiner Zeit in Argentinien

Die Rückkehr nach Deutschland war durch meine zwei Wochen gedanklicher Eingewöhnungszeit in Quarantäne in Buenos Aires weniger traurig als gedacht. Der Argentinische Ministerpräsident Alberto Fernandez reagierte früh mit Ausgangssperren für das ganze Land. Dadurch konnte ich mich gedanklich ein bisschen besser auf die Abreise vorbereiten. 

Schwerer war hingegen die schnelle Abreise aus meiner Einsatzstelle in Parana. Als ich am Montag die Nachricht bekam, das Land verlassen zu müssen, war ich erst einmal sehr geschockt und traurig, jedoch kündigte besagter Präsident bereits Maßnahmen an, weshalb ich davon ausging, noch etwas bleiben zu dürfen, bzw. nicht direkt ausreisen zu können. Am Dienstag wurde mir dann gesagt, dass ich ein Ticket für einen Rückflug am Freitag derselben Woche bekommen hätte, weshalb ich schnellstmöglich nach Buenos Aires musste. Am Mittwoch begann also meine Rückreise.

In Buenos Aires angekommen, wurde ich nett von der Freiwilligen-Wg empfangen, bei denen ich die verbleibenden zwei Nächte verbringen sollte. Jedoch trat dann das eigentlich Erwartete ein; der Flug wurde gecancelt. Somit musste ich dann zusammen mit allen anderen Freiwilligen auf einen Flug der Rückholaktion der Bundesregierung warten, was in meinem Fall weitere zwei Wochen dauerte, bei anderen Freiwilligen sogar noch ein paar Tage länger. Somit flog ich am ersten April, ein vielleicht ganz passendes Datum, nach Frankfurt.

Zuhause angekommen musste ich mich zwar ein bisschen an die neue/ alte Umgebung gewöhnen, jedoch fiel mir dies recht leicht. Nur an die Zeitumstellung musste ich mich ein paar Tage gewöhnen. Ich verbringe die Tage mit viel Sport, Kochen, Backen und einigen anderen Aufgaben. Unglaublich anders als in den Sommerferien des letzten Jahres ist es für mich aber nicht, weshalb es nicht gerade viel zu berichten gibt. Außerdem geht es mir gut, natürlich ärgere ich mich auch manchmal über die Situation (mindestens einmal am Tag), denn insgesamt bin ich nicht zufrieden über die schnelle Rückreise. Dennoch versuche ich das Beste daraus zu machen.

Ein halbes Jahr in Argentinien

Vor zwei Wochen bin ich ins zwei Stunden von Buenos Aires entfernte Baradero zum Zwischenseminar gereist. Dieses markierte die „Halbzeit“ meines Freiwilligendienstes – Wahnsinn! Und – wie die Zeit doch vergeht! Für mich kaum vorstellbar, dass ich 2017 aus Kanada schon nach fünf Monaten zurückgekehrt bin.

Der letzte Monat im Kindergarten war wie angekündigt ein Entspannter. Es kamen maximal zehn, eher aber sechs bis acht Kinder. Außerdem wurden die Öffnungszeiten des Kindergartens auf 8 bis 12 Uhr gelegt. Trotzdem gab es so manches zu tun, denn alle drei Erziehrinnen hatten in diesem Monat Urlaub. Somit mussten Lena, unsere Chefin Mirta und ich diese Aufgaben übernehmen. 

Insgesamt wurde aber nicht viel verändert, der typische Ablauf blieb gleich, was ich ein bisschen schade fand – für meinen Geschmack hätte man mit den wenigen Kindern auch mal einen Ausflug oder zumindest auf die Wiese vor dem Kindergarten gehen können. Scheinbar wurde diese Wiese früher auch mal als Spielplatz benutzt; es gibt dort zwei alte Wippen, eine etwas windschiefe Rutsche und ein Schaukelgerüst. Vor einigen Wochen sollte ich auch eine alte Metallkonstruktion (eine Art Leiter, die sich aber in Halbkreisform dem Boden neigt) mit frischer Farbe bepinseln. Außerdem wurde mir gesagt, dass die erwähnten Spielgeräte neu gestrichen werden sollen – seitdem war aber nicht mehr die Rede davon. 

In allzu naher Zukunft wird dieser Plan auch nicht verwirklicht werden können, schließlich kommen wieder immer mehr Kinder in den Kindergarten. Bei vielen Kindern ist interessant zu beobachten, wie groß sie über die Ferien geworden sind. Andere hingegen scheinen ihre Entwicklung vorerst pausiert zu haben. Besonders die beiden ältesten Kinder, die aus ihrer Gruppe zurückgeblieben und noch nicht in die Schule gekommen sind, heimsen sich viel „Ärger“ für ihre Art ein, da sie trotz ihres Alters zum Beispiel nicht stillsitzen können. Teilweise finde ich diese Umgangsweise zu hart, andererseits kann man sich bei diesen Kindern auch nicht vorstellen, sie einschulen zu lassen. 


Ansonsten war aber wie gesagt nicht viel los, und so ging es scheinbar auch ganz Parana, da die (Studenten-)Stadt teilweise wie leergefegt zu sein schien. Auch in unserem Studentenwohnheim waren wir fast ganz alleine. Anscheinend fahren viele Studenten über die Ferien zu ihren Familien, und insgesamt gehen die Menschen erst sehr spät aus ihren Häusern – einerseits wergen den Ferien, andererseits wegen der Hitze. Aktuell hält sich die Temperatur über 30 Grad, nur manchmal, wenn es regnet, kühlt es ab auf ca. 28 Grad. 

Also haben auch wir nicht gerade viel unternommen. An einem Wochenende fand im Freilichttheater am Rio Parana ein Konzert statt, zu dem wir mit einem Freund gingen. Zuerst traten zwei etwas unbekanntere (wie uns gesagt wurde) Bands auf. Diese spielten Coverversionen von bekannten argentinischen Hits. Danach trat eine wohl sehr berühmte Band auf, was gut an der Reaktion der Menschen abzulesen war – wo vorher noch gesessen wurde, wurde jetzt getanzt und mitgesungen. Das war ein sehr schönes Erlebnis und danach haben wir uns noch mit einigen weiteren Leuten auf ein Bier getroffen. 

Außerdem wurde uns ein Freibad in der Nähe gezeigt, wohin wir jetzt zwei Mal die Woche gehen, solange es noch offen hat. 

Das war also der Januar, jetzt geht es mit mehr Arbeit weiter! Bis zum nächsten Bericht,

Jakob

5 Monate in Argentinien

Zuerst einmal: Frohes neues Jahr!

Mit dem Jahreswechsel ist nun fast die Hälfte meiner Zeit in Argentinien herum, bereits fünf Monate bin ich schon hier. Für mich fühlt es sich so an, als ob die Zeit rennen würde, der Gedanke an die Heimreise ist noch sehr weit entfernt.

Dazu trägt natürlich auch bei, dass der vergangene Monat überaus ereignisreich war. Lena und ich waren an Weihnachten bei der Familie unseres Ansprechpartners Juan eingeladen, mit dem wir auch im Weihnachtsgottesdienst eine kleine Präsentation über die Unterschiede der Weihnachtsfeste in Argentinien und Deutschland hielten. 

Der Gottesdienst begann um 20:30 Uhr und ging ca. eine Stunde. Es war ein sehr „bunter“ Gottesdienst mit viel Gesang und Vorführungen, darunter auch ein kleines Krippenspiel (leider ohne Kinder aus dem Kindergarten), was ich sehr schön fand. Es wurden sogar zwei deutsche Weihnachtslieder gesungen. Durch den Gottesdient kam für mich das erste Mal wirklich Weihnachtsstimmung auf, vorher war dies auf Grund von fehlender Dekoration und der allgemeinen sommerlichen Stimmung eher schwierig. 

Nach dem Gottesdienst ging es dann zu Juans Haus und es wurde viel gegessen und auch ein paar Geschenke ausgepackt. Der Abend war wie der Gottesdienst sehr schön, ich fühlte mich willkommen und immer einbezogen. Der wahrscheinlich größte Unterschied zum Fest in Deutschland war die Uhrzeit der Feier; sie ging von ca. 22 Uhr bis drei Uhr morgens, was ungewöhnlich war, aber auch seine guten Seiten hatte, da der Abend, bzw. Tag so nicht so schnell vorbei war. 

Zwei Tage später stand für mich das nächste Ereignis an, mein erster Urlaub in Argentinien. Ich bin mit einer Freundin für eine Woche nach Patagonien, in den Süden Argentiniens gefahren. Unser erstes Ziel war El Calafate, am südlichen Ende des Nationalparks „Parque Nacional Los Glaciares“. Besichtigt haben wir dort zunächst den Gletscher Perito Moreno, welcher auf Grund seiner Größe sehr eindrucksvoll war. Außerdem war auch die Umgebung im Nationalpark äußerst schön anzusehen. Leider mussten wir dorthin eine Tour buchen, da wir ohne Auto nicht die Möglichkeit hatten, den Gletscher zu besichtigen. 

Unter vielen anderen Touris zu sein zählt nicht gerade zu den Träumen meiner schlaflosen Nächte, aber für das eine Mal war es auszuhalten. Außerdem haben wir eine Bootstour gemacht, wodurch man den Gletscher noch besser zu sehen bekam, was die anderen Umstände relativierte. 

An den anderen zwei Tagen, die wir dort waren, haben wir uns das nähere Umfeld, hautsächlich aber den Lago Argentino angschaut.

Danach ging es mit dem Bus weiter nach El Chalten, was nördlich von El Calafate liegt. Dort war es natürlich auch touristisch, was aber viel weniger auffiel, da wir dort keine Touren buchen mussten, um zu den Zielorten zu gelangen: Es wurde gewandert. 

Direkt nach Ankunft brachen wir zu einer der längeren Routen auf, in Richtung des Cerro Torres Am Fuße dieser Bergformation befindet sich eine Lagune, die das Ziel des Trips war. Wir sind insgesamt 18 Kilometer gelaufen, was sich für den Ausblick sehr lohnte. 

Direkt neben dem Cerro Torre befindet sich der Fitz Roy, zu dem wir am darauffolgenden Tag gewandert sind. Diese Wanderung war 20 Kilometer lang, und bei unglaublicher Hitze kamen wir ziemlich kaputt wieder zurück. Gut, dass die noch übrigen Wege nur vier und sechs Kilometer lang sind, dadurch waren die beiden letzten Tage weniger anstrengend, natürlich bieten diese Wege aber nicht so eine schöne Aussicht wie die ersten beiden. 

Insgesamt war der Urlaub recht schnell vorbei, aber dennoch unglaublich schön. So viel es mir nicht sofort leicht, wieder in den Alltag zu starten, weswegen die letzte Woche mit etwas Stress verbunden war. Zu meinem Vorteil hat der Kindergarten wegen der Sommerferien im Januar nur vier Stunden am Tag auf… 

Mittlerweile habe ich mich wieder gut eingelebt, doch bald muss ich schon wieder los, da in wenigen Tagen das Zwischenseminar in der Nähe von Buenos Aires stattfindet. Von dem werde ich dann im nächsten Bericht berichten.