Von Dar es Salaam nach Hamburg – Start ins Abenteuer Freiwilligendienst

Nach langem Hoffen und Bangen durften unsere Süd-Nord-Freiwilligen Neema Mercy and Ombeni Lance aus Tansania im April endlich in Hamburg landen. Nun beginnen sie ihren Freiwilligendienst beim Zentrum für Mission und Ökumene im Raum der Nordkirche. Wir sagen: Herzlich Willkommen in Hamburg!

Reise mit Hindernissen

Ihre Reise und Ankunft waren aufgrund der weltweiten Pandemie ziemlich anstrengend und beschwerlich. Da es in Tansania keine Maskenpflicht gibt, war bereits ihr Visatermin mit Maske in der deutschen Botschaft für sie ungewohnt und befremdlich. Die ganze Zeit hatten sie aber ein gemeinsames Ziel vor Augen: Ihren Freiwilligendienst. Neema und Ombeni mussten vor ihrer Einreise in Hamburg einen negativen PCR-Test vorweisen, um die Reise anzutreten. Das hieß im Umkehrschluss, dass sie sich nur im kleinen Kreis von ihren Freund*innen und ihrer Familie verabschieden konnten.

Als sie dann endlich in Hamburg gelandet waren, konnten sie die Stadt nur kurz während ihrer Bahnfahrt vom Flughafen bis zur Seemannsmission Altona ein wenig kennenlernen. Denn nun hieß es – gemäß der Einreisebestimmungen – zwei Wochen Quarantäne. Um das Ankommen für beide zu erleichtern und ihnen die Quarantänezeit etwas zu versüßen, hatte das Team vom Bereich Stipendien- und Freiwilligenprogramme für beide ein kleines Willkommenspaket vorbereitet.

Erste Herausforderung: Quarantäne

Nach ersten Gesprächen wurde sehr schnell klar, dass Ombeni und Neema das richtige Mindset für die Quarantäne haben. „Es ist wie ein Hotelaufenthalt. Nur dass man nicht rausgehen und keine anderen Menschen kennenlernen kann“, erzählt Neema. „Die Quarantäne dient nicht nur zu meinem Schutz, sondern ist notwendig, um meine Mitbürger*innen zu schützen. Und solange man sich dessen bewusst ist, fällt es einem nicht so schwer“, führt sie weiter fort.

Neema und Ombeni sind begeistert vom Essen in der Seemannsmission und der Aussicht. Von ihren Zimmern in Richtung Hafen können sie Elbluft schnuppern und das Treiben auf der Straße beobachten. Die Quarantäne fiel ihnen, bis auf die letzten zwei Tage, recht leicht: „Solange man sich bewusst ist, dass die Quarantäne begrenzt ist, man viel zu tun hat und optimistisch bleibt, vergeht die Zeit schnell“, sagt Ombeni. Beide können es kaum erwarten endlich rauszugehen und den Hafen zu erkunden. Sie wollen unbedingt eine kleine Hafenrundfahrt machen.

„Ich möchte Menschen helfen. Sie an die Hand nehmen“

Neema und Ombeni sehen den Freiwilligendienst als Chance an Neues zu lernen, um als Multiplikator*innen in ihrer Gemeinde zu fungieren und einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten. „Ich möchte Menschen helfen. Sie an die Hand nehmen und sie bei ihren persönlichen Wünschen und Zielen unterstützen. Ich bin die helfende Hand in meiner Gemeinde, wenn Menschen nach einer Hand suchen“, so Ombeni.
Neema möchte sich in ihrer Einsatzstelle mit ihren Fähigkeiten einbringen und neue Erfahrungen sammeln, um aus diesen zu lernen: „Es ist ein wichtiger Teil meines Lebens, eine Freiwillige zu sein und einen Beitrag für meine Kirche und die Gesellschaft zu leisten.“ 

Ombeni und Neema wissen, dass ihr Freiwilligendienst anders sein wird in Zeiten einer Pandemie und andere Herausforderungen birgt. Aber durch ihren Optimismus sehen sie ihren Dienst als Abenteuer an und freuen sich schon sehr darauf, ihre Einsatzstelle und Kolleg*innen kennenzulernen.
Wir hoffen, dass wir noch viel von ihnen hören werden.

Text und Interview: Hasti Saeedi

Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit „Mein Traum: Die Stimme der Jugend wird gehört“ | Sarah Samwel Joram

Ein Interview von Katharina Davis, Afrikareferentin im Zentrum für Mission und Ökumene, mit Sarah Joram, Süd-Nord Freiwillige des Zentrums für Mission und Ökumene aus Dar Es Salaam, Tansania.
Erschienen in dem akutellen Heft zum Sonntag Judika am 21. März 20021: „Auf dem Weg –Gerechtigkeit und Zukunft

https://www.nordkirche-weltweit.de/position-beziehen/theologie-und-nachhaltigkeit/sonntag-judika/



Sie absolvieren im Moment Ihren
Freiwilligendienst in Deutschland.
Was sind Ihre persönlichen Hoffnungen
und Träume? Wo möchten Sie
in zehn Jahren sein?


Sarah Joram: Ich bin sehr dankbar,
dass ich als Freiwillige in Deutschland
tätig sein kann, und habe viel
über die Beziehung zwischen unseren
Kirchen gelernt. Meine Perspektive
hat sich erweitert, das Programm
hat zu meinem Wachstum als Person
beigetragen. Nach meiner Rückkehr
nach Tansania will ich meine
Fähigkeiten mit anderen teilen, um
einen positiven Beitrag für meine
Kirche zu leisten. Dies gilt insbesondere
für die Beteiligung der Jugend
an den Partnerschaftsaktivitäten.
Ich hoffe, eine gute Bürgerin für
meine Kommune und mein Land zu
sein, mein Studium zu beenden und
für die Gemeinschaft zu arbeiten.
Außerdem möchte ich ein Leben
führen, in dem ich für meine Familie
sorgen und dem lebendigen Gott
dienen kann. Mein Traum in fünf bis
zehn Jahren ist es, meinem Land als
Botschafterin zu dienen oder sonst
diplomatische Arbeit zu leisten.

Was ist Ihre Hoffnung beziehungsweise
Vision für Ihr Heimatland Tansania?


Wir bewegen uns in eine gute Richtung.
Ich hoffe auf eine Form von
Demokratie, in der alle Grundsätze
so befolgt werden, wie sie gedacht
sind. Die Menschen sollen ohne Einmischung
ihre verfassungsgemäßen
Rechte ausüben können. Und die
wirtschaftliche Situation für jeden
einzelnen Menschen soll sich verbessern.
Die Jugend wünscht sich
ein friedliches Tansania und eine
gute Regierungsführung. Die Entwicklung
soll vom Volk ausgehen
und für das Volk sein – und die
Gleichberechtigung wahren.

Sie sind in der Jugendorganisation
Ihrer Heimatkirche, der Ost- und Küstendi.zese
der Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Tansania (ELCT),
sehr aktiv. Was erhoffen Sie sich für
die Zukunft Ihrer Kirche?


Ich hoffe, wir werden weiterhin das
Wort Gottes an die Nationen weitergeben
und sein Reich auf Erden errichten.
Mein Traum ist auch, dass die
Stimme der Jugend gehört wird, sodass
junge Menschen ihre Vorhaben
umsetzen und weiterhin in der Kirche
sein können. Kirche soll ein guter Ort
bleiben, an dem junge Menschen
geistliche Nahrung erhalten und im
Glauben wachsen und nicht von anderen
Lehren wie dem Wohlstandsevangelium
verführt werden. Die Kirche
wird hoffentlich weiter die Talente
junger Menschen fördern, aber auch
Programme entwickeln, durch die Jugendliche
etwas Neues sehen und
interkulturelle Erfahrungen sammeln.

Was wollen die jungen Leute in der
ELCT erreichen?


1. Sie wollen in den kirchlichen Gremien
an der Basis, die strukturelle Entscheidungen
treffen, vertreten sein.
2. Sie versuchen, mit der sich verändernden
Welt fertigzuwerden. Oft
sind sie dabei den Älteren in der Kirche
voraus, weil sie den technologischen
Fortschritt für sich nutzen.
3. Sie treten dafür ein, dass die Kirche
Jugendprojekte priorisiert, damit
sie für junge Leute attraktiv sind, und
bemühen sich um eine Verbesserung
der Programme wie Jugendlager
oder Bibelcamps.

Die Welt steht vor vielen Herausforderungen:
Klimawandel und Covid-
19-Pandemie, aber auch Armut,
Hunger, Ungerechtigkeit und geschlechtsspezifische
Gewalt. Was
erhoffen Sie sich von dieser Welt in
20 oder 50 Jahren?


Einige Herausforderungen, wie die
globale Erderwärmung, sind das Ergebnis
unseres Verhaltens. Daher
sind globale, kollektive Maßnahmen
genauso erforderlich wie persönliche
Initiativen des Einzelnen. Die Welt soll ein besserer Ort für jeden
Menschen und auch die anderen
Lebewesen werden. Ein Ort, an dem
alle Menschen gleich behandelt werden
und keine Kluft zwischen den
sozialen Schichten besteht; an dem
Menschlichkeit, Gerechtigkeit und
Fairness gegenüber allen Menschen
herrschen, unabhängig von Geschlecht
oder Herkunft.

Die Vereinten Nationen haben 17
Ziele für nachhaltige Entwicklung
benannt. Welches Ziel ist Ihnen am
wichtigsten?


Nr. 8, menschenwürdige Arbeit und
Wirtschaftswachstum. Denn viele
Jugendliche sind in schlechten Arbeitsverhältnissen
beschäftigt, die
weder ihre Zukunft noch ihre Gesundheit
sichern. Wenn wir dieses 8.
Ziel erreichen, wird dies den jungen
Menschen in den Ländern des globalen
Südens und auf der ganzen
Welt eine bessere Zukunft bringen.

Was ermutigt Sie? Und was ist Ihr
Lieblings-Bibelvers, wenn Sie an
Ihre Zukunft denken?


Esra 10,4: „So steh nun auf! Denn an
dir ist‘s zu handeln, und wir wollen
mit dir sein. Sei getrost und tu es!“
Mich ermutigt die Aussage „Wir wollen
mit dir sein“. Ich weiß, ich bin nicht
allein, Gott selbst und seine Engel
sind immer für mich da. Das gibt mir
Hoffnung, ich bekomme Energie, für
eine bessere Zukunft zu arbeiten. „So
steh nun auf! Denn an dir ist‘s zu handeln“:
Das bedeutet, wenn ich nicht
da bin, um es zu tun, dann ist da kein
anderer, der es tun wird.


Sarah Samwel Joram
Masterstudium Internationale Zusammenarbeit und
Entwicklung an der Open University of Tanzania,
Süd-Nord-Freiwillige (Jahrgang 2020-21) des Zentrums für Mission und
Ökumene in der Freizeit- und Begegnungsstätte Oese

Für mich bedeutet Gerechtigkeit Gleichheit
und Fairness für alle Menschen.“

Nachklapp Süd-Nord Jahrgang 2019-20

Im Februar 2019 reisten mit Camila aus Uruguay, Mercedes und Iara aus Argentinien, Katannako und Teraoi aus Kiribati sowie Zitian aus China, sechs junge Menschen nach Hamburg. Diese sechs jungen Menschen wurden von unseren Partnerkirchen ausgewählt, um im Rahmen der Süd-Nord Komponente des Zentrums für Mission und Ökumene ihren Freiwilligendienst im Raum der Nordkirche anzutreten.

Ihre Aufgabenbereiche in ihren jeweiligen Einsatzstellen waren dabei so unterschiedlich wie ihre Herkunftsländer. Aber alle einte ein Gedanke: für ein Jahr das gewohnte Umfeld zu verlassen und sich neuen Aufgaben im Leben zu stellen.

Die ersten Monate gestalteten sich für die Freiwilligen als herausfordernd. Ein neues Umfeld, eine neue Sprache und ein zum Teil sehr strukturierter Arbeitstag auf der einen, keine Freunde und Familie in unmittelbarer Nähe auf der anderen Seite. So war es nicht verwunderlich, dass bei einigen Freiwilligen die anfängliche Euphorie ein wenig gebremst wurde. Doch trotz aller Herausforderungen gelang es allen Freiwilligen, im Laufe der Zeit in dem neuen Umfeld Fuß zu fassen. Bei einigen ging es schneller, andere benötigten hierfür etwas mehr Zeit. Aber das ist am Ende zweitrangig, denn alle stellten in ihrer Art eine unglaubliche Bereicherung für die jeweiligen Einsatzstellen und die Menschen dar, welche mit ihnen arbeiteten.

So war es auch bei Camila aus Montevideo der Fall, welche ihren Freiwilligendienst in einem Kindergarten in Molfsee und in der ökumenischen Arbeitsstelle Altholstein leistete. Zu lesen unter:
https://www.nordkirche.de/nachrichten/nachrichten-detail/nachricht/freiwillige-aus-uruguay-molfsee-ist-viel-ruhiger-als-montevideo/

Aber nicht nur im Arbeitskontext konnten die sechs Freiwilligen wichtige Erfahrungen sammeln. So lernte Zitian aus China von seinem Mitbewohner handwerkliche Fertigkeiten für den alltäglichen Gebrauch. Mercedes aus Argentinien trat dem örtlichen Fußballverein bei und übernahm von da an das Kommando auf dem Platz.
Trotz Schwierigkeiten bei der Kommunikation wurde sie von ihren Mannschaftskameradinnen ausnahmslos respektiert.

Wie bei jedem Jahrgang verging auch bei diesem das eine Jahr wie im Flug. Als im Januar dieses Jahres das Auswertungsseminar in der Jugendherberge in Lauenburg anstand, wurde allen langsam bewusst, dass der Abschied immer näher rückte.
Während der fünf Seminartage im Januar standen die Erlebnisse der Freiwilligen aus dem zurückliegenden Freiwilligenjahr im Mittelpunkt. Das letzte Zusammenkommen unserer sechs Süd-Nord Freiwilligen und denen des Partnerwerks ELM aus Hermannsburg sowie die damit verbundene Vorstellung des baldigen Abschieds und des Zurücklassens neu geschlossener Bekanntschaften, war für viele der Freiwilligen ein sehr emotionales Erlebnis. Gemeinsam wurde viel gelacht, geweint, gesungen und getanzt.

Am Ende waren sich alle sechs Freiwilligen einig. Sie haben gemeinsam etwas ganz besonderes erlebt. Es war von allen Seiten eine große Dankbarkeit für Einsatzstellen, Gastfamilien, Mitbewohner*innen und andere Menschen zu spüren, welche sie auf ihrem Weg in Norddeutschland begleitet haben.

Auch wir vom ZMÖ möchten uns noch einmal bei allen sechs Freiwilligen von ganzem Herzen bedanken.

Wir haben und werden euch nicht vergessen!