Ein halbes Jahr in Argentinien

Vor zwei Wochen bin ich ins zwei Stunden von Buenos Aires entfernte Baradero zum Zwischenseminar gereist. Dieses markierte die „Halbzeit“ meines Freiwilligendienstes – Wahnsinn! Und – wie die Zeit doch vergeht! Für mich kaum vorstellbar, dass ich 2017 aus Kanada schon nach fünf Monaten zurückgekehrt bin.

Der letzte Monat im Kindergarten war wie angekündigt ein Entspannter. Es kamen maximal zehn, eher aber sechs bis acht Kinder. Außerdem wurden die Öffnungszeiten des Kindergartens auf 8 bis 12 Uhr gelegt. Trotzdem gab es so manches zu tun, denn alle drei Erziehrinnen hatten in diesem Monat Urlaub. Somit mussten Lena, unsere Chefin Mirta und ich diese Aufgaben übernehmen. 

Insgesamt wurde aber nicht viel verändert, der typische Ablauf blieb gleich, was ich ein bisschen schade fand – für meinen Geschmack hätte man mit den wenigen Kindern auch mal einen Ausflug oder zumindest auf die Wiese vor dem Kindergarten gehen können. Scheinbar wurde diese Wiese früher auch mal als Spielplatz benutzt; es gibt dort zwei alte Wippen, eine etwas windschiefe Rutsche und ein Schaukelgerüst. Vor einigen Wochen sollte ich auch eine alte Metallkonstruktion (eine Art Leiter, die sich aber in Halbkreisform dem Boden neigt) mit frischer Farbe bepinseln. Außerdem wurde mir gesagt, dass die erwähnten Spielgeräte neu gestrichen werden sollen – seitdem war aber nicht mehr die Rede davon. 

In allzu naher Zukunft wird dieser Plan auch nicht verwirklicht werden können, schließlich kommen wieder immer mehr Kinder in den Kindergarten. Bei vielen Kindern ist interessant zu beobachten, wie groß sie über die Ferien geworden sind. Andere hingegen scheinen ihre Entwicklung vorerst pausiert zu haben. Besonders die beiden ältesten Kinder, die aus ihrer Gruppe zurückgeblieben und noch nicht in die Schule gekommen sind, heimsen sich viel „Ärger“ für ihre Art ein, da sie trotz ihres Alters zum Beispiel nicht stillsitzen können. Teilweise finde ich diese Umgangsweise zu hart, andererseits kann man sich bei diesen Kindern auch nicht vorstellen, sie einschulen zu lassen. 


Ansonsten war aber wie gesagt nicht viel los, und so ging es scheinbar auch ganz Parana, da die (Studenten-)Stadt teilweise wie leergefegt zu sein schien. Auch in unserem Studentenwohnheim waren wir fast ganz alleine. Anscheinend fahren viele Studenten über die Ferien zu ihren Familien, und insgesamt gehen die Menschen erst sehr spät aus ihren Häusern – einerseits wergen den Ferien, andererseits wegen der Hitze. Aktuell hält sich die Temperatur über 30 Grad, nur manchmal, wenn es regnet, kühlt es ab auf ca. 28 Grad. 

Also haben auch wir nicht gerade viel unternommen. An einem Wochenende fand im Freilichttheater am Rio Parana ein Konzert statt, zu dem wir mit einem Freund gingen. Zuerst traten zwei etwas unbekanntere (wie uns gesagt wurde) Bands auf. Diese spielten Coverversionen von bekannten argentinischen Hits. Danach trat eine wohl sehr berühmte Band auf, was gut an der Reaktion der Menschen abzulesen war – wo vorher noch gesessen wurde, wurde jetzt getanzt und mitgesungen. Das war ein sehr schönes Erlebnis und danach haben wir uns noch mit einigen weiteren Leuten auf ein Bier getroffen. 

Außerdem wurde uns ein Freibad in der Nähe gezeigt, wohin wir jetzt zwei Mal die Woche gehen, solange es noch offen hat. 

Das war also der Januar, jetzt geht es mit mehr Arbeit weiter! Bis zum nächsten Bericht,

Jakob

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