Generationengerechtigkeit und Klimagerechtigkeit „Mein Traum: Die Stimme der Jugend wird gehört“ | Sarah Samwel Joram

Ein Interview von Katharina Davis, Afrikareferentin im Zentrum für Mission und Ökumene, mit Sarah Joram, Süd-Nord Freiwillige des Zentrums für Mission und Ökumene aus Dar Es Salaam, Tansania.
Erschienen in dem akutellen Heft zum Sonntag Judika am 21. März 20021: „Auf dem Weg –Gerechtigkeit und Zukunft

https://www.nordkirche-weltweit.de/position-beziehen/theologie-und-nachhaltigkeit/sonntag-judika/



Sie absolvieren im Moment Ihren
Freiwilligendienst in Deutschland.
Was sind Ihre persönlichen Hoffnungen
und Träume? Wo möchten Sie
in zehn Jahren sein?


Sarah Joram: Ich bin sehr dankbar,
dass ich als Freiwillige in Deutschland
tätig sein kann, und habe viel
über die Beziehung zwischen unseren
Kirchen gelernt. Meine Perspektive
hat sich erweitert, das Programm
hat zu meinem Wachstum als Person
beigetragen. Nach meiner Rückkehr
nach Tansania will ich meine
Fähigkeiten mit anderen teilen, um
einen positiven Beitrag für meine
Kirche zu leisten. Dies gilt insbesondere
für die Beteiligung der Jugend
an den Partnerschaftsaktivitäten.
Ich hoffe, eine gute Bürgerin für
meine Kommune und mein Land zu
sein, mein Studium zu beenden und
für die Gemeinschaft zu arbeiten.
Außerdem möchte ich ein Leben
führen, in dem ich für meine Familie
sorgen und dem lebendigen Gott
dienen kann. Mein Traum in fünf bis
zehn Jahren ist es, meinem Land als
Botschafterin zu dienen oder sonst
diplomatische Arbeit zu leisten.

Was ist Ihre Hoffnung beziehungsweise
Vision für Ihr Heimatland Tansania?


Wir bewegen uns in eine gute Richtung.
Ich hoffe auf eine Form von
Demokratie, in der alle Grundsätze
so befolgt werden, wie sie gedacht
sind. Die Menschen sollen ohne Einmischung
ihre verfassungsgemäßen
Rechte ausüben können. Und die
wirtschaftliche Situation für jeden
einzelnen Menschen soll sich verbessern.
Die Jugend wünscht sich
ein friedliches Tansania und eine
gute Regierungsführung. Die Entwicklung
soll vom Volk ausgehen
und für das Volk sein – und die
Gleichberechtigung wahren.

Sie sind in der Jugendorganisation
Ihrer Heimatkirche, der Ost- und Küstendi.zese
der Evangelisch-Lutherischen
Kirche in Tansania (ELCT),
sehr aktiv. Was erhoffen Sie sich für
die Zukunft Ihrer Kirche?


Ich hoffe, wir werden weiterhin das
Wort Gottes an die Nationen weitergeben
und sein Reich auf Erden errichten.
Mein Traum ist auch, dass die
Stimme der Jugend gehört wird, sodass
junge Menschen ihre Vorhaben
umsetzen und weiterhin in der Kirche
sein können. Kirche soll ein guter Ort
bleiben, an dem junge Menschen
geistliche Nahrung erhalten und im
Glauben wachsen und nicht von anderen
Lehren wie dem Wohlstandsevangelium
verführt werden. Die Kirche
wird hoffentlich weiter die Talente
junger Menschen fördern, aber auch
Programme entwickeln, durch die Jugendliche
etwas Neues sehen und
interkulturelle Erfahrungen sammeln.

Was wollen die jungen Leute in der
ELCT erreichen?


1. Sie wollen in den kirchlichen Gremien
an der Basis, die strukturelle Entscheidungen
treffen, vertreten sein.
2. Sie versuchen, mit der sich verändernden
Welt fertigzuwerden. Oft
sind sie dabei den Älteren in der Kirche
voraus, weil sie den technologischen
Fortschritt für sich nutzen.
3. Sie treten dafür ein, dass die Kirche
Jugendprojekte priorisiert, damit
sie für junge Leute attraktiv sind, und
bemühen sich um eine Verbesserung
der Programme wie Jugendlager
oder Bibelcamps.

Die Welt steht vor vielen Herausforderungen:
Klimawandel und Covid-
19-Pandemie, aber auch Armut,
Hunger, Ungerechtigkeit und geschlechtsspezifische
Gewalt. Was
erhoffen Sie sich von dieser Welt in
20 oder 50 Jahren?


Einige Herausforderungen, wie die
globale Erderwärmung, sind das Ergebnis
unseres Verhaltens. Daher
sind globale, kollektive Maßnahmen
genauso erforderlich wie persönliche
Initiativen des Einzelnen. Die Welt soll ein besserer Ort für jeden
Menschen und auch die anderen
Lebewesen werden. Ein Ort, an dem
alle Menschen gleich behandelt werden
und keine Kluft zwischen den
sozialen Schichten besteht; an dem
Menschlichkeit, Gerechtigkeit und
Fairness gegenüber allen Menschen
herrschen, unabhängig von Geschlecht
oder Herkunft.

Die Vereinten Nationen haben 17
Ziele für nachhaltige Entwicklung
benannt. Welches Ziel ist Ihnen am
wichtigsten?


Nr. 8, menschenwürdige Arbeit und
Wirtschaftswachstum. Denn viele
Jugendliche sind in schlechten Arbeitsverhältnissen
beschäftigt, die
weder ihre Zukunft noch ihre Gesundheit
sichern. Wenn wir dieses 8.
Ziel erreichen, wird dies den jungen
Menschen in den Ländern des globalen
Südens und auf der ganzen
Welt eine bessere Zukunft bringen.

Was ermutigt Sie? Und was ist Ihr
Lieblings-Bibelvers, wenn Sie an
Ihre Zukunft denken?


Esra 10,4: „So steh nun auf! Denn an
dir ist‘s zu handeln, und wir wollen
mit dir sein. Sei getrost und tu es!“
Mich ermutigt die Aussage „Wir wollen
mit dir sein“. Ich weiß, ich bin nicht
allein, Gott selbst und seine Engel
sind immer für mich da. Das gibt mir
Hoffnung, ich bekomme Energie, für
eine bessere Zukunft zu arbeiten. „So
steh nun auf! Denn an dir ist‘s zu handeln“:
Das bedeutet, wenn ich nicht
da bin, um es zu tun, dann ist da kein
anderer, der es tun wird.


Sarah Samwel Joram
Masterstudium Internationale Zusammenarbeit und
Entwicklung an der Open University of Tanzania,
Süd-Nord-Freiwillige (Jahrgang 2020-21) des Zentrums für Mission und
Ökumene in der Freizeit- und Begegnungsstätte Oese

Für mich bedeutet Gerechtigkeit Gleichheit
und Fairness für alle Menschen.“

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