"Hala ooiiyy…!" – 2,5 Monate auf den Philippinen

– Warmer, angenehmer Wind, der mir die Haare aus dem Gesicht weht…
– unbeschreiblich grüne Landschaft aus Palmen, Reisterassen, Bergen,…
– das Gefühl von Freiheit…
– kein stotternder Motor von Tricycles oder Bussen, wo man nur darauf wartet irgendwann stehen zu bleiben um den Berg wieder rückwärts runterzurollen…
– egal, ob bei Sonne, Regen, Wind,…
– durchnässt oder trocken…
– schnell oder langsam…
– auf unebenen oder ebenen Wegen…
– zu zweit oder mit mehreren Personen…
– durch Dörfer, Landschaften, Städte,….
– mit Gepäck oder ohne…
-…
Genauso schnell wie diese schon unzähligen, abenteuerlustigen und unvergesslichen Fahrten auf dem Rücksitz von Motorrädern zu Ende gehen, ist die Zeit hier in meinem Dorf und im Projekt auch schon geflogen …

Meine erste Fahrt auf einem Rennmotorrad auf einem Highway

Nachdem wir nochmal zwei Tage in der Hauptstadt Bohols, Tagbilaran, verbracht hatten, ging es für uns weiter mitten in die hohen Berge der Insel. Jetzt dürfen wir seit mehr als einem Monat als „Neugeborene“ Boholana in unserem Dorf leben und eine Menge „Hala oiy’s“ erleben.
„Hala oiy“ ist eine Ausdrucksweise von etwas Überraschendem oder etwas Neuem, was man sieht oder kennen lernt. An der Häufigkeit in unserem jetzigen, normalen und immer weiter entwickelten Sprachgebrauch, kann man sich vielleicht vorstellen, wie oft wir schon Neues entdeckt und erlebt haben.
Und auch wenn viele „Hala oiy’s“ zur Normalität und Gewohnheit geworden sind, gibt es noch Hunderte, die wir bis jetzt noch gar nicht realisiert haben.
Hier in unserem neuen Heim, Matin-ao, ist schon vieles zur Normalität und Gewohnheit geworden:
Der Alltag beim Projekt innerhalb der Woche –
Das frühe Aufstehen, der ein minütige Arbeitsweg, das Flaggenhissen mit dem Singen von drei unterschiedlichen Hymnen (Philippinen, Bohol, Sierra Bullones), Zumbatanzen als Wachmacher, 1,5 Stunden Unterricht, 30 Minuten „Snack-Pause“ , 1 Stunde Unterricht, „Gateaufgaben“, Aufräumen, Putzen, entspannte ausklingende Gespräche mit den drei Lehrerinnen. Insgesamt besteht unsere Kindergartenschule aus 43 Kindern zwischen drei und fünf Jahren in drei Altersklassen aufgeteilt. Es gibt 5 Fächer(Englisch, Filipino, Mathe, Bisaya, Science & Health), die sich jeden Tag in eigentlich jeder Stunde abwechseln. Ich bin in K2 mit 11 Kinder, 3 Jungs und 8 Mädchen.

    Am letzte Freitag im Monat finden bei uns in der Kindergartenschule immer statt Unterrichtseinheiten Spielaktivitäten statt

Zu Hause- und ja ich kann schon nach so einer kurzen Zeit sagen, dass ich das hier mein zu Hause nennen kann- wird die Arbeitskleidung von langen Hosen und T-Shirt zu kurzen Hosen und Top gewechselt, das Mittagessen gekocht und das Geschirr abgewaschen. Nach einigen Kochlernstunden von philippinischer Küche ist dieses bei der selbstständigen Verpflegung auch zur Gewohnheit geworden. 
 

Typischer kleiner Verkaufsstand in unserem Dorf

Genauso wie das Einkaufen in anderen Dörfern mit einem großen Markt am Markttag oder den kleinen Verkaufsständen in diesem Dorf. Dabei ist es auch sehr erstaunlich, was für Gemüse- und Fruchtsorten wir zu dieser Jahreszeit einfach frisch von Feldern, Bäumen etc. holen können.
Erst danach beginnt die vielleicht vorhandene freie Zeit in der einfach geschlafen, gelesen, Wäsche mit der Hand gewaschen, eingekauft oder auch wie jetzt am Blog schreiben gearbeitet wird. Wenn wirklich nichts zu tun ist, liebe ich „Laag“. Das bedeutet: Einfach durch das Dorf laufen und es erkunden. Zwar bleibt man häufig spätestens nach 2 Minuten irgendwo in einem Gespräch oder einer anderen Aktivität hängen, aber durch solche Sparziergänge trifft man immer wieder auf super liebe Menschen. Ab 17 Uhr kommen die Jugendlichen nacheinander von der Schule wieder mit denen man den Rest des Tages immer eine spannende Beschäftigung findet.
Jeden Donnerstag Abend findet in 11 Häusern abwechselnd das so genannte „Bible studies“ statt. Eigentlich ist das nur ein kleiner Gottesdienst in kleiner Runde, bei der jeder über eine Bibelstelle seine eigene Meinung zu sagen kann. Hierbei lernt man immer wieder aufs Neue so viel vom Leben der Einheimischen in deren Häusern und mit deren Gastfreundschaft besser kennen. Diese gemeinsame Zeit endet im Anschluss wie mit einem Festessen.
Sonntagsmorgen von 9 bis 11 Uhr, während des Gottesdienstes, sind wir alleine oder mit 1-2 weiteren Jugendlichen in der Sonntagsschule beschäftigt. Es ist schön mit anzusehen, wie die hauptsächlich Grundschulkinder nach dem Gottesdienst unsere Action Songs vorsingen und tanzen, auch wenn die dabei noch aufgeregter sind, als bei ihren eigenen  Songs. Jedes Mal, wenn wir mind. eines unserer Sonntagsschüler sehen, singen sie auch einen von den Songs und ich bin immer wieder verwundert, wie viel Text und Bewegungen sie sich merken können.
Bei Meetings in einem der anderen Parish der Kirche oder beim Treffen mit anderen Priestern von Bohol, begleiten wir unserem Priester und Mentor zugleich immer sehr gerne. Die lustige Erfahrung zu bekommen, bei einer dreitägigen Freizeit ausschließlich für die Männer aus den Gemeinden von Bohol dabei zu sein, durften wir auch machen. Dabei konnten wir zum einen die Väter unseres Barangays besser kennen lernen, viele Austauschgespräche mit anderen aus unterschiedlich kommenden Gegebenheiten führen, singen, tanzen, lachen,… Zum Anderen haben wir auch die Chance genutzt eine von den anderen 5 Kindergartenschulen Bohols zu besuchen und gleichzeitig wieder einige neue Leute und allgemein neue Orte Bohols kennen zu lernen.
Die Kindergartenschule in „Ubay“

Auch das erste Meeting der Jugendlichen in deren Highschool fühlte sich lustigerweise eher wie ein Zoobesuch an, indem man nur selber das angesehende Objekt war.
Die selbstgestaltende Zeit innerhalb der Woche, wie z.B. Samstage oder die freien Nachmittage, haben wir mit Jung und Alt schon mit den verschiedensten Aktivitäten verbracht. Gefühlt sekündlich sind dabei Einladungen zu Geburtstage oder zu einem Besuch mit Essen. Andere sind z.B.:
Beispiel von einem Geburtstagsessen (der Kuchen ist darauf nicht zusehen, aber darf niemals fehlen)

Nach dem Mais pflücken wird der Mais entweder so im Feuer gegrillt oder auch normal gekocht

 
Auf Kokosnussbäume klettern ist hier eigentlich als Mädchen/Frau nicht gewöhnlich                

Eine der typischen Arten das Wasser der Kokosnuss zu trinken

 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Sportveranstaltung am Wochenende mit verschiedenen Spielen, hier z.B. Taurnziehen

neue Frucht-und Gemüsearten kennen lernen und ausprobieren;- und Basketball spielen und zusehen

Willkommensparty mit unteranderem verschiedenen Spielen

Mein erstes Mal von vielen Zumbatänzen bei unserer Willkommensparty mit den Jugendlichen

 
Strand-oder Poolbesuche; Karaoke singen; neue Frucht-und Gemüsearten kennen lernen und ausprobieren;eine Beerdigung und eine Hochzeit innerhalb von drei Tagen; Filmabende veranstalten;  im indigenen Stamm „Eskaya“ im anderen Dorf Zeit verbringen; und noch so Einiges mehr…
Jedes mal aufs Neue bin ich überrascht wer mich alles beim Namen kennt, ohne das ich sie jemals gesehen habe. Das Merken von deren ganzen Namen habe ich dabei schon fast aufgegeben. Automatisch hat man sich auch an die Ansprechsweisen gewöhnt.
1. In der Stadt oder in anderen Dörfern am Straßenrand wird „Maam“ genutzt
2. Hier im gesamten Dorf oder von bekannten Menschen: „teacher Mailin“, einfach nur „Mailin“, die philippinischen Spitznamen „Mai“ oder „Mai-Mai“, sowie die Verbindungen „teacher Mai-Mai / Mai“
3. Lustigerweise auch die Ansprechnamen von Teresa
Ohne Pause durften wir schon vieles erleben und neu erlernen. – mit totaler Neugier erweckt bin ich hier angekommen und noch immer ist nichts gestillt.
An nur einem Tag geschieht bis heute noch so viel, was man zum Einen nicht in Worte fassen kann und zum Anderen nicht wirklich glauben kann. Woher das alles kommt und wie es sich noch entwickeln wird, werden wir in der nächsten Zeit sehen.
Unsere Kirchengemeinde bei dem ersten Gottesdienst, wo wir vorgestellt worden sind.

 
 
 
„Kitakits!“
Eure Mai-Mai

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