„Homecoming“


Bild für meinen letzten Zeitungsbericht: hier

Die Tür öffnet sich. Kühle Luft strömt in das Flugzeug. 20 Stufen dann ist es soweit: Zurück auf deutschem Boden. Nach acht Monaten und somit 3 Monate zu früh endet mein Abenteuer in China. Hinter mir liegen viele Stunden Flug und zuvor eine mehr als nur anstrengende, zwei tägige Reise zum Flughafen. Desto näher ich dem Wiedersehen komme, desto surrealer wird es für mich und desto gedämpfter meine Stimmung. Was sage ich, wenn ich meine Eltern sehe? Bin ich bereit für diese ganzen großen Emotionen? Viele Fragen schwirren mir im Kopf herum und ich versuche bei „Aladin“ auf dem Bordcomputer auf „Durchzug“ zu schalten. Dann aber irgendwann ist es soweit: Ich stehe in der Empfangshalle. Meine Eltern verspäten sich und während ich noch am leeren Flughafen am Warten bin erreichen mich die Nachrichten in der Freiwilligen-WhatsApp-Gruppe: Alle müssen Nachhause und das schon sehr bald.

Es tut mir unglaublich leid für die anderen Freiwilligen, die teils noch viel kürzere Freiwilligendienste leisten konnten, erwische mich in dieser Situation auch mit einem gewissen Gefühl der Erleichterung: Zwar habe ich mich nach einem Durchringen dazu entschieden, zurück zu gehen, aber natürlich stets ein komisches Gefühl dabei gehabt. Wie würde es auf dem Auswertungsseminar sein, wenn ich einer von dreien bin, die nicht durchgezogen haben. Bin ich „schlechter“, weil ich es nicht geschafft habe/ aufgegeben habe? Natürlich ist dem nicht so, aber der Gedanke, dass nun alle im selben Boot sitzen, ist für mich in diesem Moment fast schon ausgleichende Gerechtigkeit für mich, der den ganzen Covid-19- „Mist“ schon 1,5 Monate mitmachen darf. Während ich noch in Gedanken schwelge und versuche so gut wie möglich die anderen mit meinen Erfahrungen der letzten Tage zu beruhigen, höre ich plötzlich jemanden in der Ferne rufen: Meine Eltern kommen samt peinlichen Helium-Ballon auf mich zugestürmt. Nach kurzer Umarmungs-Session setzen wir uns ins Auto und fahren gen Heimat. Während wir noch im Auto sitzen fragt mich meine Mutter, wie es mir eigentlich gerade ginge, ob ich es komisch fände über deutsche Autobahnen inmitten Kilometer weiter Wiesen entlang zu fahren. Nach kurzem Nachdenken wunder ich mich selbst schon fast ein wenig, wie nüchtern ich an die Sache heranzugehen scheine. Der zuvor angekündigte Kulturschock bleibt zumindest vorerst aus.

Am Abend buchen wir für die nächsten Tage ein Ferienhaus an der Nordsee, nachdem der eigentliche Urlaub in Spanien kurzfristig aufgrund neuer Grenzregulierungen ins Wasser gefallen ist. Bevor wir zwei Tage aber starten wollen, möchte ich meine Freunde noch einmal sehen, was zu diesem Zeitpunkt Mitte März noch möglich ist. Schnell muss ich aber merken, dass einige sich ernsthaft Sorgen vor mir machen und sich vorerst nicht mit mir treffen wollen (was natürlich auch jeder für sich selbst wissen muss, und auch nicht nur unvernünftig ist), das Treffen fällt also eher kleiner aus. Trotzdem genieße ich es, zurück in vertrauter Umgebung zu sein und es wirkt fast, als wäre ich nie weg gewesen. Nachdem die Fülle der deutschen Spirituosenvielfalt genossen wurde, geht es dann für mich am nächsten morgen sehr früh gen Nordsee. Meine Eltern und ich genießen eine schöne Zeit zusammen und haben Zeit uns in Ruhe nähre zu kommen, ohne dass eine der Parteien überrumpelt wird. Nach 4 Tagen müssen wegen neuer Regelungen bezüglich Urlaubes auch im eigenen Bundesland zurück nach Hause. Und nun? Seit mehreren Wochen bin ich nun Zuhause und verbringe meine Tage mit Radtouren, organisatorischen Tätigkeiten in Vorbereitung auf ein baldiges Studium und gehe abends im Wald joggen. Und so viel Spaß dieser „Urlaub“ auch sein mag: Langsam habe ich nach nun bald 4 Monaten des Abwarten keine Lust mehr und sehen dem August und somit dem Beginn meines Studiums entgegen.



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