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Die Partnerschaft zur Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands

Geschichtliche Hintergründe

Bereits seit dem Mittelalter kamen Deutsche nach Livland, ab 1237 wurden die lettischen Fürstentümer durch den Deutschen Orden erobert. Die einheimische Bevölkerung bekam den Status der Leibeigenschaft.

1523 wurde die erste lutherische Gemeinde in Riga gegründet. Zuerst war die lutherische Kirche vor allem eine Kirche der herrschenden deutschsprachigen Minderheit, auch die Pastoren waren weitgehend deutsch geprägt. Zu einer Erweckung der lettischsprachigen Bevölkerung kam es im 18. Jahrhundert durch die Mission der Herrnhuter Brüdergemeinde. Mit der Gründung des lettischen Staates nach der Russischen Revolution und dem Ersten Weltkrieg wurden die 194 lettischen und die 20 rein deutschsprachigen Gemeinden zu einer einzigen Evangelisch-Lutherischen Kirche vereinigt.

Im Zusammenhang mit dem Deutsch-Sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 wurden die Deutschbalten nach Deutschland umgesiedelt und die Rote Armee besetzte 1940 die drei baltischen Staaten, die daraufhin in die Sowjetunion eingegliedert wurden. 1941 bis 1944 besetzten deutsche Truppen das Baltikum, bis im Herbst 1944 die Länder wieder unter sowjetische Herrschaft kamen. Viele Kirchen wurden zerstört, viele Geistliche und Gemeindeglieder deportiert. In den Kirchen war nur das Halten der sonntäglichen Gottesdienste erlaubt. Unter den Bedingungen des Eisernen Vorhangs waren kirchliche Kontakte nicht auf direktem Weg möglich. So wurden Kontakte zu den Kirchen des Baltikums zunächst getarnt als Touristenreisen aufgenommen.

Geldliche Hilfen mussten heimlich mitgenommen und gegeben werden. Unter Gorbatschow wurden ab etwa 1986 kirchliche Reisen offiziell möglich und Kontakte konnten aufgebaut werden. 1986 besuchte erstmals eine Delegation aus Estland die Nordelbische Synode. 1989 reiste eine erste offizielle Delegation der Nordelbischen Kirche nach Rīga, Vilnius und Tallinn.

Entstehung der Partnerschaft

Die Partnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland – wie auch mit den lutherischen Kirchen in Estland und Litauen – wurde bereits Ende der 70er Jahre vom Lutherischen Weltbund über die Vereinigte Evangelisch-Lutherische Kirche Deutschlands (VELKD) angeregt. Der Lutherische Weltbund schlug vor, die Zuständigkeiten für die regionalen evangelisch-lutherischen Kirchen auf dem Gebiet der damaligen Sowjetunion zwischen den Gliedkirchen der EKD aufzuteilen.

Es gab einzelne persönliche Kontakte und eine erste offizielle Kontaktaufnahme zwischen Vertretern der Nordelbischen Kirche und des Konsistoriums der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands am 24. August 1989 in Rīga. Die Kirchenleitung bildete einen Baltikumsausschuss und übertrug ihm die Entscheidungsbefugnis in allen grundsätzlichen, kirchenpolitischen Angelegenheiten und bei finanziell umfangreichen Projekten. Es wurde eine Zehn-Jahreshilfe zum Aufbau der baltischen Kirchen vereinbart in den Bereichen Bau, Pastoren, Diakonie. Dazu wurden erhebliche Beträge zur Verfügung gestellt. In den ersten Jahren wurden vor allem über das Nordelbische Kirchenamt viele bauliche Vorhaben wie die Renovierung des Konsistoriums und drei weiterer wertvoller Gebäude unterstützt, um aus deren Mietertrag den Gehaltsfond zu stützen.

Die diakonische Arbeit konzentrierte sich in der Anfangszeit hauptsächlich auf akute Nothilfe und den Aufbau und die Wiederinstandsetzung diakonischer Einrichtungen. Dieses Engagement hat sich im Laufe der Zeit hin zu konkreten Projektvorhaben verändert. Ein Schwerpunkt der partnerschaftlichen Beziehungen entstand im Kirchenkreis Lübeck seit 1992 durch den Aufbau von zahlreichen Gemeindepartnerschaften.

Konkrete Zusammenarbeit zwischen Gemeinden bzw. Organisationen

Es gibt etwa 30 Partnerschaften zwischen Kirchengemeinden, Kirchenkreisen, Freundeskreisen und weiteren Institutionen. Außerdem gibt es kontinuierliche Zusammenarbeit im Jugendbereich: Lettische Jugendliche arbeiteten beim Deutsch-Baltischen Café auf jedem Kirchentag von 2003 und 2013 mit und nehmen an den jährlichen Konferenzen von BIEN (Baltic Intercultural Ecumenical Network) teil. Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein arbeitet sowohl mit dem Diakoniezentrum in Riga wie auch mit der Kreuzkirchengemeinde in Liepāja in vielfältiger Weise zusammen. Seit der Diakoniekonferenz im Januar 2005, an welcher VertreterInnen der Diakonie aus Estland, Lettland, Litauen und Schleswig-Holstein teilgenommen haben, konzentriert sich die Kooperation auf die Entwicklung themenspezifischer Projekte, die aus nationalen und/oder europäischen Förderprogrammen finanziert werden.

Für das Diakoniezentrum in Rīga stellt die Arbeit mit Kindern, insbesondere mit Straßenkindern und Kindern aus benachteiligten Stadtteilen, einen Schwerpunkt dar. Die Kreuzkirchengemeinde Liepāja konzentriert sich auf Menschen mit Behinderungen und Arbeitsmarktprobleme. Es gibt regelmäßige Arbeitstreffen in Rendsburg und Lettland, einmal jährlich auch mit VertreterInnen der drei baltischen Diakonien.

Jährlich findet ein Pastoralkolleg statt, an dem Theologinnen und Theologen aus Lettland, Estland, Litauen und der Nordkirche teilnehmen. Hier werden biblische und theologische Fragen erörtert und es dient zum gegenseitigen Kennenlernen und Verständnis.

In den Partnergemeinden geht es um unterschiedliche Themen, vor allem auch die Unterstützung bei diakonischen oder Bauvorhaben. Einige lettische Gemeinden versuchen sich der Armut und der Armen anzunehmen durch Fortführung oder Neueinrichtung von Kleiderkammern oder Eröffnung von Suppenküchen, hier bekommen sie Unterstützung von ihren Partnern und auch von Lübecker Firmen durch große Sachspenden. Das Diakonische Werk Schleswig-Holstein arbeitet mit seinen PartnerInnen kontinuierlich an themenspezifischen Fragestellungen, um die Lebenssituation der Menschen zu verbessern und das Gemeinwohl zu stärken.

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