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Die Partnerschaft mit der Protestantischen Kirche in den Niederlanden

Der entscheidende geschichtliche Hintergrund der Beziehung ist die niederländische Erfahrung der deutschen Besatzung ihres Landes im Zweiten Weltkrieg und der Gräueltaten von Mitgliedern der Deutschen Wehrmacht. Daher führte es zunächst zu Ressentiments in der Bevölkerung, als die Thronfolgerin und spätere Königin Beatrix 1966 den Deutschen Claus von Amsberg heiratete. Schon früh wurden kirchliche Kontakte über internationale ökumenische Organisationen wie den Ökumenischen Rat der Kirchen und seinen ersten Generalsekretär, den Niederländer Willem Adolf Visser’t Hooft, geknüpft.

In den vergangenen Jahrzehnten gingen viele Theologen und Theologinnen zum Studium in die Niederlande, viele Impulse, u.a. in der feministischen Theologie, kamen aus den Niederlanden nach Deutschland. Die Teilung Deutschlands und Europas nach dem Zweiten Weltkrieg war für viele Christinnen und Christen ein schwer zu ertragender Zustand. So besuchten die ersten Niederländerinnen und Niederländer schon bald nach dem Bau der Mauer Ostdeutschland – nur in diese Richtung waren Besuche möglich. Daraus entstanden erste persönliche Beziehungen. Es gab regelmäßige Treffen bei den Berliner Bibelwochen. Die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen den Niederlanden und der DDR 1973 nahm Herman Korteweg, ein Lehrer aus Oud-Beijerland, als Anstoß, aus den einzelnen Freundschaften ökumenische Beziehungen zwischen Gemeinden zu entwickeln. 

Persönliche Begegnung gegen den Eisernen Vorhang

Durch Herman Kortewegs großes Organisationstalent, seine Unermüdlichkeit, aber auch durch das Verlangen auf beiden Seiten, den Eisernen Vorhang zu überwinden, entstanden bis 1989 über 450 Gemeindepartnerschaften zwischen den Niederlanden und der DDR. Ihm zur Seite standen Eef Dijk und Rica Manschot. Themen waren am Anfang vor allem Ökumene, Versöhnung, der Abbau von Feindbildern und die Verbundenheit. Am 1. April 1985 gründete sich in den Niederlanden die Landesweite Arbeitsgruppe Gemeindekontakte Niederlande – Deutschland (Landelijke Werkgroep Gemeentecontacten Nederland – Duitsland).

Wie ist die Partnerschaft entstanden?

Es gibt unterschiedliche Partnerbeziehungen der Nordkirche in die Niederlande: Zum einen gibt es eine Landeskirchliche Partnerschaft aus der Nordelbischen Kirche mit der früheren Lutherischen Kirche im Königreich der Niederlande, die seit 1. Mai 2004 Teil der Protestantischen Kirche in den Niederlanden ist. Außerdem gibt es viele gemeindliche Partnerbeziehungen aus Mecklenburg und Pommern zu Gemeinden der PKN, intensive Kontakte der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund mit dem niederländischen Dorf Putten und weitere Einzelkontakte.

Die Partnerschaft zur Lutherischen Kirche im Königreich der Niederlande entstand Mitte der 70er Jahre durch persönliche Kontakte zwischen dem Präsidenten der synodalen Kommission der Lutherischen Kirche im Königreich der Niederlande, Pastor Dr. Wonno Bleij, und dem Präsidenten des Nordelbischen Kirchenamtes, Horst Göldner, bei ökumenischen Kontakten und Sitzungen in Europa. Es wurde eine Unterstützung des Pensionsfonds der niederländischen Kirche entwickelt, die bis in die 90er Jahre aufrechterhalten wurde. Daraus entwickelte sich eine Partnerschaft der Kirchen, die offiziell 1980 begann. Zwei Mitglieder des Kollegiums des Kirchenamtes in Kiel fuhren regelmäßig zu den Synodentagungen in den Niederlanden, auch gab es Gegenbesuche. OKR Kurt Triebel wurde von der lutherischen Synode zum adviseur, d.h. Berater, ernannt. So konnte der „Samen op Weg–Prozess“ aufmerksam verfolgt und begleitet werden.

1991 bis 1994 wurden mit Jan Christensen und Marlies Schulz zwei PastorInnen zur Anstellung für drei Jahre unter Beibehaltung der nordelbischen Vergütungen zur Dienstleistung in die lutherische Kirche entsandt, Marlies Schulz blieb noch einige weitere Jahre als nordelbische Pastorin in den Niederlanden, bevor sie in den Dienst der niederländischen Kirche übernommen wurde. Auch gab es gemeinsames theologisches Arbeiten. Zweimal besuchte die Nordelbische Kirchenleitung die Niederlande.

Thema Versöhnung - Ladelund

Unabhängig von den Nordelbischen Beziehungen entwickelten sich schon bald nach Ende des Zweiten Weltkrieges Kontakte zwischen der evangelischen Gemeinde Ladelund mit der KZ Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund in Nordfriesland und dem niederländischen Ort Putten.

Putten war als Racheakt nach einem Attentat auf deutsche Besatzungssoldaten in der Umgebung von Putten durch die deutsche Wehrmacht stark beschädigt, ein großer Teil seiner männlichen Bevölkerung wurde über das KZ Neuengamme in das KZ Ladelund abtransportiert. 110 der 301 im KZ Ladelund Getöteten stammten aus Putten. Mit Hilfe des Pastors der Gemeinde Ladelund wurden die Verstorbenen registriert, christlich bestattet und Kontakte zu der zurückgebliebenen Bevölkerung in Putten aufgenommen. Der Friedhof wurde gestaltet, ein Erinnerungsmal entstand, gegenseitige Besuche wurden organisiert. Die ersten Begegnungen mit Angehörigen aus Putten sind bereits aus den Jahren 1946 und 1947 belegt, im Herbst 1950 kamen 130 Angehörige aus Putten nach Ladelund. Schwerpunktthema ist die Versöhnung.

Erste Kontakte nach Mecklenburg und Pommern

Auf Initiative aus den Niederlanden entstanden Anfang der 80er Jahre in Mecklenburg und Pommern Kontakte und Gemeindepartnerschaften. Für die Christinnen und Christen in Mecklenburg und Pommern brachten die Partnerschaften ein Bild von Freiheit und das Wissen: „Wir sind Teil der weltweiten Christenheit“. Wichtige Themen waren die Versöhnung und der Gemeindeaufbau. Die Staatssicherheit beobachtete die Aktivitäten. Viele Kontaktanbahnungen liefen über die Landessuperintendenten Penz (Wismar) und Winkelmann (Stargard). Bis 1989 gründeten sich 65 Gemeindepartnerschaften in Mecklenburg, über die Hälfte von ihnen nach Friesland, und 17 in Pommern.

In der Landesweiten Arbeitsgruppe Gemeindekontakte Niederlande – Deutschland in den Niederlanden vertrat Eef Dijk die Kontakte zu den mecklenburgischen Gemeinden. Am 16. Januar 1990 lud das Amt für Gemeindedienst mit Landespastor Kleiminger alle Gemeinden mit niederländischen Partnerbeziehungen zu einem Treffen nach Güstrow ein. Die Partnerschaften erlebten einen großen Aufschwung und eine rege Reiselust, nun von Mecklenburg in die Niederlande. Auf einem weiteren Treffen im September 1994 wurde die Bildung einer „Kontaktgruppe Niederlande“ in der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs beschlossen, die sich am 15. November 1994 konstituierte und den Synodalen Helmuth Schröder zum Vorsitzenden und Sprecher wählte. Weitere Treffen wurden in allen Regionen Mecklenburgs organisiert, genauso auch die Teilnahme an Kirchentagen.

Von 1992 bis 1997 war mit Bernhard van Verschuer ein Pastor der niederländischen Herformde Kerk im Mecklenburgischen Sternberg tätig. Als im Jahr 2000 der Höhepunkt der Gemeindepartnerschaften überschritten war, war es nicht mehr möglich, die Kontaktgruppe personell zu besetzen. Ihre Arbeit wurde 2003 eingestellt.

In Pommern gab es keine koordinierende Stelle, hier liefen die Kontakte immer durch die Gemeinden.

Konkrete Zusammenarbeit

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland führt seit 2012 die partnerschaftlichen Beziehungen zur Protestantischen Kirche in den Niederlanden auf den verschiedenen Ebenen fort - sowohl zur lutherischen Synode als auch im Rahmen der partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Gemeinden in Mecklenburg und Pommern in die Niederlande. Koordinierungsstelle ist das Europareferat im Zentrum für Mission und Ökumene.

Zurzeit existieren noch 20 Gemeindebeziehungen in Mecklenburg und vier in Pommern in die Niederlande. Sie sind eine reine Basisbewegung und werden vor allem durch Laien getragen. Es sind in den Niederlanden besonders Gemeinden der Protestantischen Kirche, aber auch Katholikinnen und Katholiken beteiligt. Zwei Beziehungen sind inzwischen zu einer Dreieckspartnerschaft Deutschland – Niederlande – Rumänien ausgeweitet (Wismar – Breda – Arad sowie Penzlin – Joure – Oradea), eine zu einer Viererpartnerschaft (Greifswald St. Marien, Aegidienberg (bei Bonn), Eindhoven und Viljandi (Estland)).

Seit 1993 fahren Kinder- und Jugendliche aus Mecklenburg (besonders Westmecklenburg) zu einer Fahrrad- und Segeltour in die Provinz Friesland, 2014 150 Kinder und Jugendliche und 40 ehrenamtliche Mitarbeitende (Frieslandtour). Auch dadurch haben sich viele Kontakte ergeben.

In den Niederlanden koordiniert und begleitet die Landesweite Arbeitsgruppe Gemeindekontakte Niederlande – Deutschland weiterhin die gemeindlichen Kontakte. Sie trifft sich einmal jährlich im März. Ansprechpartner auf Mecklenburgischer Seite sind Helmuth Schröder und Jens-Peter Drewes, Pastor für internationale Gemeindekontakte im Kirchenkreis Mecklenburg.

Die Partnerschaft der ehemals Nordelbischen Kirche zur lutherischen Synode bestand in den letzten Jahren vor allem aus Kontakten zwischen den Synoden und gegenseitigen Besuchen. Den letzten Besuch bei einer Nordelbischen Synode gab es 2010, einer lutherischen Synode in Utrecht 2015.

Die Beziehungen der KZ- Gedenk- und Begegnungsstätte Ladelund in die niederländische Gemeinde Putten bestehen weiterhin. Regelmäßig finden Besuche beider Gemeinden statt, Insbesondere an den zentralen Gedenktagen (Volkstrauertag in Ladelund, Gedenken an die Razzia in Putten am 2. Oktober).

Zudem gibt es jährlich Jugendbegegnungen. So sind bereits seit Jahrzenten bestehende enge persönliche Kontakte und Freundschaften entstanden. Im September 2014 gab es ein Treffen zur Koordination der verschiedenen Partnerbeziehungen.

Direkter Kontakt

Interview...

...mit Pastor Albrecht von Maltzahn

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