Nordkirche Weltweit

Kulturwochen Mittlerer Osten

Zum Konzept der Kulturwochen Mittlerer Osten in Hamburg gehörte es von Anfang an, die Vielfältigkeit der Region in den Blick zu nehmen. Wie sieht es damit heute aus? Vor drei Jahren schrieb der Islamwissenschaftler und Autor Navid Kermani in der ZEIT: „Es gibt diese Welt nicht mehr“ und erklärte seinen persönlichen Abschied von einem vielgestaltigen, gemischten, toleranten Orient. Doch die Menschen sind noch da: Assyrer, Aramäer, Armenier, Jesiden, Christen, Juden und Muslime unterschiedlichster Richtungen. Wer sind sie, woher kommen sie und wie ergeht es ihnen heute? Fast alle unsere Referentinnen und Referenten sind Angehörige einer dieser Gruppen und im Mittleren Osten geboren. Wir freuen uns besonders auch über Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die ihre eigenen Erfahrungen und Geschichten mitbringen. Lassen Sie sich herzlich einladen zu Information, Begegnung und Austausch!

Hanna Lehming - Nahostreferentin der Nordkirche

Mittwoch, 08. November 2017 | 19:30 Uhr

Das Leid von Shingal – Jan, ês¸ û malwêranî ya S¸ engalê

Ausstellungseröffnung Shingal ist die Hauptstadt eines gleichnamigen Distrikts im Irak und zugleich das Hauptsiedlungsgebiet der Jesiden in der Provinz Ninive. In der Nacht zum 3. August 2014 wurde der Ort von Terroristen des „Islamischen Staats“ überfallen, Hunderttausende Jesiden umgebracht und in die Flucht getrieben. Der Künstler Saleh Aldawood war unter ihnen und hat mit Buntstiften seine Erlebnisse dokumentiert. Er lebt in Hamburg. Die Ausstellung wird von der Landeszentrale für politische Bildung und der Körber-Stiftung Hamburg zur Verfügung gestellt.

In der Hauptkirche St. Petri werden die Zeichnungen vom 8. bis 20. November zu sehen sein.

Hauptkirche St. Petri, Mönckebergstraße, 20095 Hamburg

Mittwoch, 8. November 2017 | 20 Uhr

Der Engel Pfau und seine verfolgten Kinder Zarokên Melekê Tawus ji Tertelan xelas nebûn

Die Jesiden und das Jesidentum Abseits von der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit lebten die Jesiden bereits lange vor unserer Zeitrechnung in ihrer angestammten Heimat rund um das Shingal-Gebirge. Ihre Existenz war stets bedroht durch Unterdrückung und Verfolgung. Doch erst mit den Verbrechen der Terrormiliz „Islamischer Staat“ gerieten sie in die Schlagzeilen der Weltpresse. Wer sind die Jesiden? Warum werden sie verfolgt? Wie ergeht es Jesiden, die der Verfolgung entkommen konnten?

Der Psychologe, Wissenschaftler und Psychotherapeut PD Dr. Sefik Tagay wuchs in einer jesidischen Familie auf und kam 1981 nach Deutschland. Er ist Forschungsleiter am Universitätsklinikum Duisburg-Essen und beschäftigt sich besonders mit der Traumaforschung. In Kooperation mit der Hauptkirche St. Petri.

Gemeindehaus St. Petri, Bei der Petrikirche 2, 20095 Hamburg

Freitag, 10. November 2017 | 19 Uhr

Der Tur Abdin – Jahrtausende Geschichte – bedrückende Gegenwart

Der Tur Abdin, der ‚Berg der Diener‘, liegt im Südosten der heutigen Türkei. Assyrische Keilschrifttexte erwähnen die Region bereits im 14. Jh. v. Christus. Der Tur Abdin ist eines der Zentren des syrisch-orthodoxen Christentums. Bis Mitte der 1960er Jahre lebten hier noch rund 200.000 Aramäer- Assyrer. Heute sind es kaum mehr 2.000. Ihre Muttersprache ist Turoyo, ein Dialekt des Aramäischen, die Sprache Jesu. Sie gründeten zahlreiche Kirchen und Klöster, das wohl berühmteste ist Mar Gabriel, eines der ältesten christlichen Klöster der Welt. Wie das Christentum in der Türkei insgesamt, so ist auch Mar Gabriel jetzt in seiner Existenz bedroht.

Dr. Shabo Talay, Professor für Semitistik an der Freien Universität Berlin und Experte für das Aramäische, führt in die Geschichte des Tur Abdin ein. Anschließend gibt Fehmi Aykurt, Vorsitzender des Mar Gabriel Vereins, Einblicke in die aktuelle Situation.

In Kooperation mit dem Mar Gabriel Verein zur Unterstützung der syrischen Christen e.V.

Ökumenisches Forum Hafencity, Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg

Donnerstag, 16. November 2017 | 19 Uhr

Konfrontation am Golf

Warum eskalieren die Spannungen zwischen Iran und Saudi-Arabien? Die Schlagzeilen der Medien überschlagen sich in diesem Jahr. Von Erzfeinden, Eskalation und Kriegsgefahr zwischen den mittelöstlichen Großmächten Iran und Saudi-Arabien ist die Rede. Was steckt dahinter? Welche Rolle spielen religiöse Unterschiede zwischen dem sunnitisch geprägten Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran? Warum spitzt sich die seit Langem bestehende strategische Rivalität gerade jetzt zu, welche Rolle spielen der „IS“ und das Öl? Besteht tatsächlich eine Kriegsgefahr?

Der Nahost-Experte und Direktor des Hamburger GIGA-Instituts für Nahost-Studien, Prof. Dr. Henner Fürtig, befasst sich seit Jahrzehnten wissenschaftlich mit dem Verhältnis der beiden Supermächte. In seinem 2016 erschienen Buch „Großmacht Iran“ vertritt er die These: „Der Schlüssel für den Frieden in Europa liegt in Teheran.“

In Kooperation mit dem Institut für Religions-, Missions- und Ökumenewissenschaften der Universität Hamburg.

Uni Hamburg, Westflügel, Edmund-Siemers-Allee 1, Raum 221 (ESA W 221)

Sonntag, 26. November 2017 | 16 Uhr

Sind Talat Pashas Mordbefehle echt? Talat Pas¸a’nın Ermenileri Imha Telgrafları Gerçek mi?

Armenien und der Völkermord Ein einzigartiges Merkmal des armenischen Völkermords sind die langjährigen Versuche türkischer Regierungen, seine Historizität zu leugnen und dokumentarische Belege zu verstecken, die ihn betreffen. Eine wichtige Vorgangsweise dabei ist, die Linien zwischen Fakten und Wahrheit zu verwischen. Zwei der umstrittensten Punkte sind die Echtheit der Mordbefehle des ottomanischen Innenministers Talat Pasha und die Erinnerungen des ottomanischen Bürokraten Naim Efendi. Die Schule der Verleugnung hat lange argumentiert, diese Dokumente und Erinnerungen seien Fälschungen, von Armeniern produziert, um ihre Ansprüche zu stützen.

Der renommierte türkischer Historiker und Soziologe Prof. Dr. Taner Akçam ist einer der ersten türkischen Akademiker, die den Genozid an den Armeniern öffentlich thematisierten. In seinem Vortrag widerlegt er die Schule der Verleugnung und liefert Beweise für die Geschichtlichkeit des armenischen Völkermords.

Der Vortrag wird auf Türkisch gehalten mit deutscher Simultan-Übersetzung, Diskussion auf Deutsch.

Ökumenisches Forum Hafencity, Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg

Montag, 27. November 2017 | 19 Uhr

Die Altstadt von Damaskus

Harmonischer Einklang von Architektur und Bewohnern Damaskus, die Altstadt innerhalb der Stadtmauern, trägt zärtliche Kosenamen: ‚Perle des Morgenlands‘ - ‚Braut der Städte‘ - ‚Paradies auf Erden‘ - ‚Muttermal auf der Wange der Welt‘. In lebendiger Form spiegelt sie eine Geschichte von Tausenden von Jahren wider, deren Arena verschiedene Völker und Kulturen aus dem Morgen- und Abendland prägten. Anhand anschaulicher Bilder zeigt die Referentin Stadtstruktur, Architektur und Bauweise der Altstadt von Damaskus, die traditionelle Lebensweise ihrer Bewohner und Veränderungen des sozialen Zusammenlebens in moderner Zeit.

Die Architektin Dr. Salam Al-Abdullah wurde in Syrien geboren. Seit ihrer Dissertation an der HFBK Hamburg beschäftigt sie sich intensiv mit der Altstadt von Damaskus.

In Kooperation mit dem Institut für Religions-, Missions- und Ökumenewissenschaften der Universität Hamburg.

Universität Hamburg, Edmund-Siemers-Allee 1, Westflügel (ESA W) Raum 221

Freitag, 1. Dezember 2017 | 19 Uhr

© www.shiblyband.de

Salata Baladi – Konzert mit der Shibly-Band

So gemischt wie ein bunter Salat, so gemischt sind die Völker und Kulturen des Mittleren Ostens. Und so vielfältig wie die Kulturen sind auch die Töne, Melodien und Rhythmen. Die Hamburger Shiblyband verbindet klassische arabische Musik und orientalische Folklore mit Rhythmen und Improvisationen des Jazz. Die 1999 als Gemeinschaftsprojekt arabischer und deutscher Musiker gegründete Gruppe ist mittlerweile bis Amman und Aleppo bekannt.

Ihr Gründer, Ali Shibly, ist Iraker und wurde in Basra geboren. Für „herausragendes Engagement in der Integrationsarbeit“ erhielt er 2012 den Bürgerpreis der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte.

Ali Shibly: Oud, Gesang; Peter Imig: Violine; Hani Ibrahim: Perkussion Matthias Meier: Saxophon; Adam Saidani: Violine; Daniel Thieme: Bass

Eintritt: Euro 7 / erm. Euro 5 / Refugees: 1 Euro (Abendkasse, kein Vorverkauf)

Ökumenisches Forum Hafencity, Shanghaiallee 12, 20457 Hamburg

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