Klimakampagne #klimaweltweit

Anlässlich der “Klimasynode” der Nordkirche vom 24. bis 26. Februar 2022 hat das Zentrum für Mission und Ökumene mit seinen internationalen Partner*innen die Kampagne #klimaweltweit zum Thema „Klimagerechtigkeit“ in den sozialen Netzwerken initiiert. Hier finden Sie regelmäßig Informationen, die das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten und können sich selbst beteiligen. Zentrales Medium ist der Facook-Kanal, auf dem bereits zahlreiche Statements internationaler kirchlicher und nichtkirchlicher Akteur*innen versammelt sind.

Die Evangelisch Lutherische Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat sich auch institutionell dem Klimaschutz verschrieben. So wird beispielsweise bei Tagungen der Landessynode die CO2-Bilanz errechnet, Gemeinden bei klimaförderlichen Umbauten und Beschaffungen beraten und unterstützt.

Landessynode verabschiedet neuen Klimaschutzplan und beschließt Klimaneutralität bis 2035

Vom 24. bis 26. Februar hat sich die Landessynode der Nordkirche dem Thema Klimaschutz und Klimagerechtigkeit gewidmet. Mit großer Mehrheit hat sie den neuen Klimaschutzplan der Nordkirche verabschiedet, in dem auch eine Novellierung des Klimaschutzgesetzes beschlossen wurde. Damit möchte die Nordkirche früher als bisher geplant treibhausgasneutral werden, und zwar schon 2035 statt 2050. Das Zentrum für Mission und Ökumene war in der Vorbereitung und Durchführung der Synode beteiligt und hat in sogenannten „Interventionen“ aus den Partnerkirchen Statements und Berichte aus verschiedenen Ländern der Welt in die Debatte gebracht. Als wichtigen Beitrag, dass die Klimakrise auch eine Gerechtigkeitskrise ist.

13. Tagung der II. Landessynode der Nordkirche (©Elisabeth Most-Werbeck/Nordkirche)


Als Ergebnis der Synode wird es im Folgenden einen neuen Klima-Ausschuss der Kirchenleitung geben, dem Mitglieder aus allen Kirchenkreisen angehören werden. Dieser soll die anstehenden Aufgaben koordinieren und vorbereiten. Der neue Klimaschutzplan gilt für die Jahre 2022 bis 2027. Folgende Bereiche werden darin als zentrale Transformationsfelder benannt: Mobilität, Gebäude und Energie, Beschaffung, Bildung und Kommunikation. Im Bereich der Mobilität sollen beispielsweise bis 25 Prozent weniger Emissionen bis 2027 ausgestoßen werden. Der Energiebedarf der mehr als 5.000 beheizten Gebäude innerhalb der Nordkirche soll bereits bis 2027 um 30 Prozent reduziert und zu 50 Prozent auf erneuerbare Energieträger umgestellt werden. Bis 2035 soll die Umstellung auf erneuerbare Energieträger vollzogen sein. Erstmals in den Blick genommen wurde der Umgang mit kirchlichem Land: Friedhöfe, Gärten und an die Landwirtschaft verpachtete Flächen bieten viel Potential für Maßnahmen zum Klimaschutz und zum Erhalt der Biodiversität. Emissionen aus trockengelegten Mooren sollen künftig bei der Landverpachtung berücksichtigt und in Gesprächen mit der Landesregierung Schleswig-Holsteins angesprochen werden. Weitere Infos zur Diskussion des Themas Klimaschutz durch die Landessynode und viele Hintergrundinfos finden sich im Newsticker zur Landessynode und auf www.nordkirche.de/nachrichten/dossier-klimawandel.

Klimasong „Our world – Our house“

Von der tansanischen Band „Rise’n’Shine“ gemeinsam mit deutschen Partner*innen entwickelt, feiert der  Klimasong „Our world – Our house“ nun Premiere. Mitgewirkt haben an dem Projekt neben „Rise’n’Shine“ die Infostelle Klimagerechtigkeit und ehemalige Freiwillige aus dem Freiwilligenprogramm des Zentrums für Mission und Ökumene.

Die Botschaft wird besonders im Chorus deutlich, erläutert Dr. Bahati, Sängerin und Songwriterin, im Interview: „This is our world our house that we share – we want you, them, everyone to care – cause for our kids this is just not fair“, heißt es da. „Mit dem Song wollen wir Bewusstsein schaffen, Zusammengehörigkeit vermitteln und ermutigen gemeinsam für Klimagerechtigkeit einzutreten“, hebt CG, Sänger und Bassist der Band, hervor. Bibi Fire, ebenfalls Sängerin, ergänzt: „Es geht um die Ursachen und Folgen des Klimawandels und darum wie wir sie gemeinsam bekämpfen können“.

„Listen to the youth around the globe…..“, heißt es am Ende des Songs. Damit unterstützt der Song auch die Forderungen der weltweiten Fridays for Future Bewegung nach Klimagerechtigkeit. Der Text des Songs ist auf Englisch mit Passagen auf Swahili, damit die Botschaft in Tansania und Deutschland ankommt und verständlich ist. 

Mit seiner klaren Message ist „Our world – our house“ auch ein Signal an die Teilnehmer*innen der Synode,  gemeinsam und über Ländergrenzen hinweg, für Klimagerechtigkeit zu handeln.

Appell an Kirchenleitende: „Zieht mit uns an einem Strang“

Im Rahmen des ökumenischen Bündnisses “Churches for Future” wendet sich das Zentrum für Mission und Ökumene gemeinsam mit anderen kirchlichen Akteur*innen an alle Entscheider*innen in der Nordkirche, im Erzbistum Hamburg und in den Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen Hamburg. Es ruft sie auf, Klimaschutz und Klimagerechtigkeit zu ihrem Thema zu machen und gemeinsam an einem Strang zu ziehen.
In dem kürzlich versendeten Appell für eine klimafreundliche und treibhausgasneutrale Kirche heißt es: „Die kirchlichen Klimaschutzmaßnahmen reichen derzeit bei weitem nicht aus. Die Zeit ist da, dass wir als Kirchen vorangehen und unseren Teil der Verantwortung übernehmen!“
Das Bündnis möchte beim Klimaschutz effektive und schnelle Maßnahmen umgesetzt sehen, und bietet allen Entscheider*innen Unterstützung an – gemeinsam mit vielen bereits aktiven Mitarbeitenden in den Einrichtungen und Kirchen, denen dieses Thema ein Herzensanliegen ist. Die Anschreiben inklusive der Forderungen an die Entscheidungsträger*innen gibt es hier zum Nachlesen:
Aufruf an die Entscheider*innen der Nordkirche
Aufruf an die Entscheider*innen im Erzbistum Hamburg

© Jürgen Reissner

Tansanisch-Deutsches Musikprojekt: „Our world – Our house“

Mit Dr. Anne Christina Achterberg-Boness, Mitarbeiterin in der East of Lake Victoria Diözese in Tansania und zugleich Sängerin der tansanischen Band „Rise`n Shine“ kam die Idee und die Anfrage an die Infostelle Klimagerechtigkeit: Die Produktion eines gemeinsamen Klimasongs, um auf die fatalen Auswirkungen der Klimakrise auf beide Länder, Tansania wie Deutschland, hinzuweisen sowie auf die Dringlichkeit des gemeinsamen Handelns.

Schon in den vergangenen Jahren ist die in Tansania bekannte Reggae-Band Rise`n Shine mit Songs zur Bewusstseinsbildung auf Tour gegangen, unter anderem zum Thema Krebsvorsorge.

Bei dem neuen Songprojekt „Our world – Our house“ steht die Sorge um unser „gemeinsames Haus“ im Mittelpunkt. Die Besonderheit dieses Musikprojekts: Der Songtext, die Chorpassagen, sowie die Ideen für das Musikvideo wurden von Beginn an in tansanisch-deutscher Kooperation entwickelt. Mitgewirkt und das Projekt mit koordiniert haben zudem ehemalige Freiwillige aus dem Freiwilligenprogramm des Zentrums für Mission und Ökumene unter der Leitung der Infostelle Klimagerechtigkeit.

Mitglieder der Band „Rise`n Shine“ – Sängerin und Songwriterin Dr. Bahati, Sänger und Bassist CG sowie Sängerin Bibi Fire, erläutern im Interview Entstehung und Message des Songs.

Der “Klimasong” – das Interview

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Kooperation mit Tansania

Die Nordkirche unterhält vielfältige, enge Partnerschaften nach Tansania, u.a. zur Pare Diözese sowie zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania. Durch die Folgen der Klimakrise kommen die Themen Klimaschutz und Klimagerechtigkeit immer mehr in den Fokus dieser Partnerschaften. Mit vereinten Kräften werden Klimaschutzprojekte, best practice Beispiele und Anpassungsmaßnahmen auf den Weg gebracht. Denn die Klimakrise können wir nur gemeinsam bewältigen.

Die East of Lake Victoria Diözese (ELVD) in Tansania ist ein Akteur bei  Bildungsangeboten rund um das Thema ökologische Landwirtschaft, Wiederaufforstung und Klimaschutz durch die Nutzung Erneuerbarer Energien.

Paul Mpazi und Joygrace Shoo, Mitarbeiter*innen der ELVD, berichten im Rahmen der Kampagne #klimaweltweit über die Auswirkungen der Klimakrise und die Anpassung an den Klimawandel:

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Zusammen mit den Kolleginnen der East of Lake Victoria Diözese wurde das Projekt „Water for Malya“ durch das ZMÖ verwirklicht. Auch der Kirchenkreis Mecklenburg und die technische Hochschule Lübeck waren Kooperationspartner. Dieses Projekt kombiniert Erneuerbare Energien, nachhaltige Landwirtschaft und Bildung.

Grußwort der Landesbischöfin zum Start der Kampagne

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt eröffnete die Kampagne #klimaweltweit mit einem Grußwort:

„Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben“

Weltweite Partnerschaften – sie sind ein Schatz unserer Nordkirche. Von unseren Geschwistern in den Partnerkirchen erfahren wir aus erster Hand, welche gravierenden Auswirkungen der Klimawandel für Sie hat, und zwar nicht irgendwann in ferner Zukunft, sondern bereits jetzt, heute, an jedem Tag. Denn die Klimakrise trifft vornehmlich unsere Partner*innen und die Menschen im Globalen Süden. Und sie schreitet immer schneller voran. Darauf hat nicht zuletzt der 6. Bericht des Weltklimarates im August 2021 eindringlich aufmerksam gemacht. Aber die Klimakrise, die unsere Partner*innen existentiell bedroht und viele Millionen Menschen zur Flucht zwingt, wird immer mehr auch zu unserer Realität. Und zur Realität aller kommenden Generationen. So haben wir auch in Deutschland in diesem Sommer eine Jahrhundertflut und extreme Waldbrände in Europa erlebt. Und im zurückliegenden Sommer wurden auf unserem Kontinent die höchsten jemals gemessenen Temperaturen registriert.

Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt pflanzt einen Apfelbaum im Breklumer Garten der Sinne

Wie eine bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 3,0 Grad wärmere Welt aussehen würde, ob und wo ein Leben auf ihr lebenswert sein könnte, können wir uns heute nur ansatzweise vorstellen. Aber diese Vorstellungen sind alarmierend, zumal der Weg dorthin genau der ist, auf dem sich die Weltgemeinschaft derzeit trotz aller Zusagen befindet. Umso besorgniserregender ist es, dass auch die Ergebnisse der gerade zu Ende gegangenen Weltklimakonferenz in Glasgow wohl bei Weitem nicht ausreichen werden, um die Erderhitzung entsprechend dem Pariser Klimaabkommen auf unter 2 Grad, möglichst auf nicht mehr als 1,5 Grad zu begrenzen.

Die Klimakrise erfordert mehr denn je unser aller schnelles und entschiedenes Handeln zur Bewahrung von Gottes Schöpfung und in geschwisterlicher Verantwortung insbesondere für die Menschen im globalen Süden: Durch die finanzielle Unterstützung der von der Klimakrise am meisten betroffenen Länder und durch konkrete Umsetzung effektiver Klimaschutzmaßnahmen in den Verursacherländern zur Halbierung der weltweiten Treibhausgase bis 2030. Hier trägt Deutschland – als historisch sechstgrößter CO2-Emittent weltweit – eine große Verantwortung dafür, mit ambitioniertem Klimaschutz vorauszugehen. Als Mitglied der Klima-Allianz Deutschland unterstützen wir als Nordkirche daher die Forderungen der Allianz an die neue Bundesregierung im Blick auf effektive Klimaschutzmaßnahmen.

Was für die weltweite Staatengemeinschaft und für unser Land gilt, gilt ebenso für uns als Nordkirche: Wir müssen konsequenter und ambitionierter handeln als bisher! Denn auch unsere Klimaschutzmaßnahmen reichen bislang nicht aus. Deshalb steht bei den Beratungen der Landessynode im Februar 2022 eine Revision des Klimaschutzmaßnahmenplans der Nordkirche im Mittelpunkt. Viele best practice Beispiele aus unserer Kirche und von unseren Partnerkirchen machen Mut, entschlossen für verbindliche und ambitionierte Klimaschutzmaßnahmen einzutreten. Damit wir gemeinsam eine klimagerechte Nordkirche werden und in Solidarität mit unseren weltweiten Partner*innen und zukünftigen Generationen handeln. Auf dem Weg dazu begleitet mich ein Liedvers: „Die Erde ist des Herrn, geliehen ist der Stern, auf dem wir leben. Gebrauche deine Kraft. Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen. Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist. Gott hält sie offen.

Churches for Future

„Gemeinsam für Gottes Schöpfung – Klimagerechtigkeit jetzt!“, heißt es auf dem Banner, das seit dem großen globalen Klimastreik am 24. September an der Fassade des Zentrums für Mission und Ökumene Position bezieht. Zusammen mit vielen Kirchen sowie kirchlichen und säkularen Akteur*innen setzt sich das Zentrum für Mission und Ökumene für wirksame Maßnahmen zur Begrenzung der globalen Erwärmung auf höchstens 1,5° C ein.

Walk und Churches for Future in HH (Foto: D. Gerstner)

Um die Aktionen zu bündeln unterstützt das Zentrum für Mission und Ökumene als Mitglied der Initiative Churches for Future die Ziele von Fridays for Future und ruft alle Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen aus Hamburg und ganz Norddeutschland zum Engagement auf. Ulrike Eder, Bildungsreferentin bei der Infostelle Klimagerechtigkeit des Zentrums für Mission und Ökumene und Sprecherin der Initiative „Churches for Future Hamburg“ erläutert: „Die bisher beschlossenen Klimaschutzmaßnahmen reichen im Hinblick auf das 1,5-Grad-Ziel bei weitem nicht aus.“ Das zeigt auch der aktuelle Bericht des Weltklimarats IPCC: Bei der derzeitigen Entwicklung droht bereits 2030 – zehn Jahre früher als bisher prognostiziert – eine Erwärmung der Erdatmosphäre um 1,5 Grad Celsius.“ Damit erhöht sich die Gefahr, Kipppunkte im Klimasystems zu erreichen, wodurch es kaskadenartig zu starken und teilweise unumkehrbaren Veränderungen kommen könnte.

Klimagerechtigkeit international umsetzen

Neben verbindlichen Klimaschutzmaßnahmen braucht es Vereinbarungen zur Anpassung an den Klimawandel und deren solidarische Finanzierung. Aktuell treffen die Auswirkungen des Klimawandels am stärksten diejenigen, die am wenigsten oder gar nicht für ihn verantwortlich sind: Menschen in den Ländern des globalen Südens, unsere Mitgeschöpfe an Pflanzen und Tieren, sowie die künftigen Generationen. Deutschland gehört zu den weltweit größten Emittenten von Treibhausgasen, und steht – historisch gesehen – an sechster Stelle. Die Zeit ist reif, dass die Hauptverursacher des Klimawandels, also auch Deutschland, ihrer Verantwortung nachkommen und schnellstmöglich ihren Treibhausgasausstoß reduzieren.