MAURI & KO RABWA!

MAURI & KO KABWA!
das sind die einzigen Wörter, die Sara und Ich in unserer ersten Woche hier auf Kiribati über die Lippen bekommen, seitdem uns mit dem Öffnen der Flugzeugtüren die unabdingbare Hitze zu einer gewissen Entdeckung der Langsamkeit gezwungen hat. 
Hier braucht man einfach nicht die 180 km/h, die auf dem Tacho des Autos stehen, in welchem wir vom Flughafen abgeholt werden. Mit 40 km/h kommt man auch zum Ziel und hat währenddessen eine glückliche & faszinierende Fahrt, bei der man innerlich die Nase am Autofenster plattdrückt, da man nicht mehr rauskommt aus dem Staunen über das Leben, welches sich am Rande der asphaltierten Hauptstraße (und auch einzigen Straße überhaupt) abspielt. Langsam schlängelt sich das Auto über die Insel vorbei an Hühnern, Hunden, Schweinen, Hütten und den Menschen, die gefühlt alles stehen und liegen lassen und zu dir ins Auto schauen, um dich mit einem starrenden Blick Willkommen zu heißen. Die neuen Freiwilligen, die neuen I-Matang (Weißhäutigen) aus Deutschland sind da!
Nach genau 61 Stunden und 25 Minuten haben wir es geschafft die 20.483 Kilometer von Hamburg über Dubai, Singapur und Fidschi hier nach Antebuka zurückzulegen. Hier am anderen Ende der Welt angekommen, hat sich innerhalb von zehn Tagen bei uns das Gefühl für Raum und Zeit ein wenig verschoben. Seit einer Woche tickt für uns die Kiribati Time, welche jegliche deutsche Hektik, Pünktlichkeit und genauste Planung eher weniger kennt. Bei der es keine genaue Messung, Einordnung und Kategorisierung der Zeit und von Strecken gibt. Man lässt sich einfach treiben, wie der Wind, der von der Oceanside einmal kurz das (200 Meter Breite) Landstück begrüßt und darüber hinweg treibt bevor er sich weiter auf den Weg macht über das endlose Gewässer. Nach zehn Tagen in dieser Kiribati Time fühlt es sich also an, dass wir ziemlich lange gebraucht haben, um an diesen Ort zu kommen, der ziemlich weit weg ist!
Doch an diese Kiribati Time muss man sich erstmal gewöhnen. Wir machen das erste mal Bekanntschaft mit ihr, als wir in unserem Compound ankommen und uns mittgeteilt wird, dass in paar Stunden jemand kommt, der für uns in der ersten Woche da ist und uns allen vorstellt.
Durch diese Nachricht optimistisch gestimmt, entleeren wir den Inhalt unserer großen und durch die Reise demolierten und kaputten Koffer in unseren kleinen Zimmer. Ein Tag des Instant-Nudeln-Essens und des Realisieren, dass man hier ein Jahr seines Lebens verbringt, später, erscheint eben dieser Mann.
Mittlerweile leben wir also seit zehn Tagen in unseren kleinen Zimmern auf einem kleinen Korallenatoll inmitten des großen Pazifiks. 
Und dieser Mann namens Aberaam ist mittlerweile ein sehr guter Freund von uns. Er ist einer der liebenswertesten und freundlichsten Menschen, die wir kennenlernen durften. Über das Wochenende sind wir mit ihm und seinem Freund auf einer sehr abenteuerlichen Bootsfahrt nach North Tarawa gefahren. Während dieser Zeit hat er hat uns viel über die Kiribatische Kultur vermittelt, wir haben neue, feste Freundschaften mit I-Kiribati geschlossen, haben gelacht, wurden zum Essen eingeladen und hatten eine erfüllte und entspannte Zeit, was nach der langen Reise mit so vielen neuen Eindrücken gut tat.
Jeden Tag auf‘s Neue, wenn man hundemüde ins Bett fällt (und betet, dass der Ventilator die Nacht überlebt und nicht schlapp macht), ist man fasziniert und beeindruckt vom Geist des Landes und der Leute.
Von dieser selbstverständlichen und unbeschreiblich herzlichen Gastfreundschaft uns gegenüber. Von diesem einfachen und unkomplizierten, aber glücklichem Leben. Von dieser durch die Sprachbarriere noch oft nonverbalen aber unverfälschter Verständigung durch das gemeinsame Lachen, Fussball spielen oder Tanzen.
Und jeden Tag gewöhnt man sich mehr an die Gegebenheiten hier. An die Wärme. An die Mosquitostiche während der Nacht. An das Starren der Leute, die den noch fremden I-Matang auf der Straße sehen und einen mit eben diesen Worten entgegenrufen: I-Matang, I-Matang!!
Und auch wenn die Deutschland Flagge immer noch stolz in meinem Zimmer mit Panzertape festgeklebt einem von der Wand aus entgegenstrahlt, bezweifle ich, dass sie das ganze Jahr an dieser Wand hängen wird. Irgendwann muss auch das stärkste Panzertape bei dieser allgegenwärtigen Hitze aufgeben.
Und schafft durch diesen Prozess des Aufgeben, des Loslassen somit Platz für was Neues, noch Unbekanntes. Für etwas, weshalb wir den weiten Weg an das andere Ende der Welt überhaupt erst auf uns genommen haben. 
Viele Grüße aus Kiribati,
Alex&Sara

Kommentare:

Lina
04.09.2018

Wie schön, dass ihr gut angekommen seid! Liebe Grüße an Abe! :)

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