Kasachstan: Erzbischof bittet um Gebet und Fürbitte

Rostock/Nur Sultan. „Mit großer Sorge schaue ich derzeit in unsere Partnerkirche nach Kasachstan.“ Dies sagte heute (7. Januar) die mecklenburgische Ökumenepastorin Melanie Dango. „Die Bilder und Nachrichten, die mich über die Presse und auch über persönliche Kontakte erreichen, sind zutiefst beunruhigend.“ Auch der Referent für Kasachstan im Zentrum für Mission und Ökumene, Pastor Frank Lotichius, ist besorgt.

Nur Sultan, Kasachstan Foto: Бахыт Каныбек, pixabay

Gewaltsame Proteste gegen hohe Preise an den Tankstellen haben Kasachstan in eine Krise gestürzt. Der Protest begann am Wochenende nach dem Jahreswechsel zunächst in der Stadt Schangaösen im Westen und weitete sich dann aus. Die Regierung ist zurückgetreten, der autoritär regierende Präsident Kassym-Schomart Tokajew hat zur Mäßigung aufgerufen. Mittlerweile sind russische Fallschirmjäger in Kasachstan gelandet. Die Soldaten gehören zu „Friedenstruppen“ eines von Russland geführten Militärbündnisses – Kasachstan hatet um ihren Einsatz gebeten. Es gab bereits viele Tote und Verletzte, besonders in der Stadt Almaty.

Erzbischof Jurij Novgorodov von der evangelisch-lutherischen Partnerkirche in Kasachstan hat bestätigt, dass die Situation auch in der Hauptstadt Nur Sultan sehr angespannt ist.  Alle Religionsvertreter wurden gebeten, mit einem Aufruf im Fernsehen das Volk zur Ruhe aufzurufen. Das Internet wurde und wird immer wieder abgeschaltet, bis zum 19. Januar ist Ausnahmezustand und sind alle Gottesdienste verboten. „Das“, so sagt Novgorodov, „sei auch besonders bitter für die ökumenischen Geschwister der Orthodoxe Kirche, die am 6. und 7. Januar Weihnachten feiern.“

Der Erzbischof bittet um Fürbitte und Gebet nicht nur für die lutherischen Gemeinden im Land sondern für alle Menschen in Kasachstan.

Erzbischof Jurij Novgorodov

Melanie Dango meint, dass die Proteste nicht vollkommen überraschend gekommen seien. Tatsächlich hätte sich eine gewisse Empörung nicht erst in den letzten Monaten aufgebaut. Sie sagt: „Die Menschen sind schon seit vielen Jahren unzufrieden mit einem vielfach korrupten System, das die Machteliten rund um den ehemaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew bevorteilte, der letztlich auch nach seinem Rücktritt 2019 noch immer alle Fäden in der Hand behielt. Der große (Rohstoff)Reichtum des Landes kommt bei vielen Menschen nicht an.“

Auch für Erzbischof Jurij Novgorodov kommen die Demonstrationen nicht vollkommen überraschend, er vermutet, dass diese schon länger vorbereitet gewesen seien. Ökumenepastorin Dango sagt: „Ich hoffe und bete für unsere Freunde in Kasachstan, dass die Gewalt bald ein Ende hat und alle im Konflikt Involvierten, gemeinsam nach dem Suchen, was dem Frieden und dem Wohlergehen der Menschen in Kasachstan dient,“ Sie ermuntert, diese Bitte im Gebet und in sonntäglichen Fürbitten aufzunehmen.

Hintergrund der Partnerschaft

Die Partnerschaft mit der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kasachstan ist die älteste der Mecklenburgischen Partnerschaften. Sie reicht in die 1970er-Jahre zurück. Vor einigen Jahren konnte die erste lutherische Kirche in Kasachstan in der Hauptstadt Nur-Sultan eingeweiht werden – und das auch mit der Unterstützung aus Mecklenburg, aber besonders durch Spenden aus dem eigenen Land (vorwiegend muslimische Spender). Eine besondere Aktivität war und ist in der letzten Zeit die Beschaffung und der Einbau einer Orgel für die Kirche in Nur‐Sultan.