Tansania: Bildung für die Zukunft

MAtthias Gebhardt, pixabay.com

Am Sonntag, den 6. September 2020 bitten die Kirchengemeinden der Nordkirche um eine Kollekte zur Unterstützung der Bildungsarbeit in Tansania. Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag zum Bildungssystem in Tansania. Sie betreibt in ihren 26 Diözesen zahlreiche Grund- und Sekundarschulen, Berufsausbildungszentren und auch einige Universitäten. Eine davon ist das Bible College in Mwika, dass zur Stephano Moshi Memorial University gehört, beide am Fuß des Kilimanjaro gelegen. In Mwika studieren ca. 400 Pastor*innen, Evangelisten und Gemeindehelferinnen.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Tansania, schon jetzt die zweitgrößte lutherische Kirche weltweit, wächst beständig. Überall im Land entstehen neue Gemeinden. Daher wird gut ausgebildetes kirchliches Personal dringend benötigt, um die gesellschaftliche Mitwirkung der Kirche in Tansania zu gestalten. Das Mwika Bible College spielt hier eine wichtige Rolle. Es genießt innerhalb der Lutherischen Kirche einen sehr guten Ruf und zieht Studierende aus allen Teilen des Landes an. Dennoch ist das College in Mwika aktuell unter Druck, zahlreiche neue staatliche Auflagen zu erfüllen und sich in einer Situation zu behaupten, in der die tansanische Regierung staatliche Hochschulen gegenüber kirchlichen Ausbildungsstätten deutlich bevorzugt. Mit guter Bildungsqualität und einem internationalen Dozententeam sind die Zukunftsperspektiven für die Mwika Bibel School aussichtsreich.
Zum Lehrpersonal in Mwika gehören daher auch Pastorin Gabriele Mayer und Pastor Uwe Nissen, die beide vom Zentrum für Mission und Ökumene aus der Nordkirche nach Mwika entsandt sind. Ihre Fächer decken eine große Bandbreite der theologischen Ausbildung ab. Gabriele Mayer unterrichtet z.B. Religionspädagogik und Altes Testament. Uwe Nissen ist im Bereich Dogmatik und Neues Testament tätig. Beide leben und arbeiten seit vielen Jahren in Tansania, kennen sich im Land bestens aus und unterrichten selbstverständlich sowohl auf Englisch als auch auf Kisuaheli.
Dennoch sind kulturelle Unterschiede und Fremdheit die für sie beide noch immer spürbar oder wer-den manchmal auch nach vielen Jahren wieder neu bewusst. Die beiden deutschen Theologen bleiben „Wanderer zwischen den Welten“ und leisten neben der puren Wissensvermittlung eine wichtige Vermittlungsaufgabe zwischen deutscher und tansanischer Theologie, Kultur und Weltsicht. Gabriele Mayer berichtet: „Besonders im Philosophie-Unterricht werden unterschiedliche Sichtweisen auf die Welt deutlich. Europäer stellen erst einmal alles in Frage und versuchen dann, über den Verstand ein plausibles Weltsystem zu schaffen. In der afrikanischen Kultur kennt man eine ganz andere Herangehensweise“, so Pastorin Mayer. „Hier machen sich die Menschen zuerst die Beziehungen und Abhängigkeiten bewusst – in der Familie, in der Gesellschaft, zu den Naturgewalten und zu Gott.“