Weltweit innovative Moschee entsteht in Norderstedt

Imam Mustafa Bayram (links) und Gemeindesprecher Tahsin Cem (rechts) vor dem Rohbau der neuen Ditib Eyüp Sultan Moschee in Norderstedt

Der Neubau der Ditib Eyüp Sultan Moschee in Norderstedt bei Hamburg ist weltweit einmalig. Zum ersten Mal wird eine Moschee mit einem derart innovativen Energiekonzept entstehen. Die Minarette werden mit Windkraftanlagen ausgestattet sein, auf dem Dach sollen Solarpanel montiert werden, die über zwei Ladesäulen E-Autos mit Strom versorgen können und im Keller wird eine Wärmepumpe mit Eisspeicher Technik die Moschee im Winter heizen und im Sommer kühlen. Durch dieses zukunftsweisende Konzept kann die Moschee ein Vorbild für weitere religiöse Bauten in Norddeutschland sein.

„Unsere neue Moschee ist ein Generationenprojekt und zugleich Ausdruck unseres Glaubens“, betont Tahsin Cem, Gemeindesprecher der türkisch-islamischen Ditib Moschee in Norderstedt. „Unsere Eltern haben die Gemeinde gegründet, heute sind wir an der Reihe und, so Gott will, werden unsere Kinder und Enkel irgendwann Verantwortung übernehmen. Dann wollen wir ihnen nicht nur eine Moschee hinterlassen, die modernen Ansprüchen genügt. Wir möchten auch zeigen, dass die Welt nicht uns, sondern Gott gehört. Sie ist uns nur anvertraut. Deswegen müssen wir sie pflegen und gut behandeln. Die Moschee ist ein praktischer Ausdruck dieses Glaubens.“

Gegründet wurde der Norderstedter Moscheeverein Anfang der 1980er Jahre von der ersten Generation sogenannter türkischer „Gastarbeiter“. In einem alten Haus wurde ein großes Zimmer in einen Gebetsraum umgewandelt. Für den Übergang waren die Räumlichkeiten hilfreich. Aber auf Dauer wurden sie den Ansprüchen nicht gerecht. Deswegen wurde in den 1990er Jahren zunächst eine alte Kneipe im Industrieviertel zur Moschee umgebaut und später auf dem gleichen Grundstück noch ein weiteres Gebäude errichtet. Dort zogen ein Supermarkt mit türkischen Lebensmitteln und der Imam mit seiner Familie ein. Irgendwann genügten auch diese Gebäude den Ansprüchen der rund 320 Gemeindemitglieder nicht mehr. Denn zu den Freitagspredigten und an den hohen islamischen Festtagen kommen zwei- bis dreimal so viele Gläubige in die Moschee. So entstand der Plan für einen neuen, klimagerechten Moscheeneubau.

Auf die Frage, warum solch ein spektakuläres Projekt gerade am Stadtrand von Hamburg entsteht, lächelt Tahsin Cem und antwortet leise: „Kismet“ – türkisch für Schicksal. „Offenbar wollte Gott, dass unsere Gemeinde eine Vorreiterrolle einnimmt. Auf diese Weise können wir zeigen, dass Umwelt- und Klimaschutz und ein religiöses Leben Hand in Hand gehen können – oder sogar müssen.“

Der imposante Rohbau ist inzwischen zu siebzig Prozent fertig. Finanziert wird das Projekt durch Spenden der Gemeindemitglieder. „Wer möchte, kann auch ein ganzes Minarett finanzieren oder den Teppich im Gebetsraum“, betont Cem. „Jede Spende ist willkommen, weil sie zeigt, dass wir ein so großes Projekt nur gemeinsam stemmen können.“ Die Planungszeit betrug über zehn Jahre. Der erste Spatenstich fand 2019 statt. Die ursprünglich kalkulierten Baukosten in Höhe von vier Millionen Euro sind inzwischen um knapp zwei Millionen gestiegen.

Wenn der Bau fertig ist, soll er nicht nur als zeitgemäßes islamisches Gotteshaus dienen, sondern eine Begegnungsstätte verschiedener Kulturen und ein Zuhause für zukünftige Generationen sein. Um die laufenden Kosten zu stemmen, wird der türkische Supermarkt in den Keller der Moschee einziehen und im Erdgeschoss soll eine überregionale Bäckereikette eine Filiale eröffnen. Dadurch sollen mögliche Berührungsängste zur Nachbarschaft überwunden werden und die Moschee zu einem sozialen Treffpunkt für die Umgebung werden.

Eine wichtige Hilfe ist die Unterstützung durch die Stadt Norderstedt. Die politisch Verantwortlichen begleiten das Projekt von Anfang an und freuen sich auf das neue, innovative Moscheekonzept. Mindestens ebenso wichtig ist der passende Architekt. Selçuk Ünyilmaz hat schon lange von einer Moschee geträumt, die nicht nur schön, sondern auch funktional und zukunftsweisend ist. Nach seinen Plänen wird das Gebäude als großer Kubus mit viel Glas und Licht gebaut. Durch viele ornamentierte Fenster soll sichtbar werden, dass die Moschee Transparenz von nach innen nach außen möchte. Durchzogen wird das Gebäude von einer Glaskonstruktion vom Dach bis zum Erdgeschoss in Form einer Träne. Sie drückt aus, dass nach islamischer Theologie Glauben, Frieden und Reue eng miteinander verbunden sind und eine starke emotionale Einheit bilden.

Weitere Informationen gibt es auf der Website der Gemeinde: moschee-norderstedt.de/. Möglichkeiten zur Besichtigung und Gespräche mit Gemeindeverantwortlichen organisiert der Referent für Christlich-Islamischen Dialog am Zentrum für Mission und Ökumene – Nordkirche weltweit, Pastor Dr. Sönke Lorberg-Fehring, www.nordkirche-weltweit.de/dialog-interreligioes/arbeitsfeld-christlich-islamisch/