Feuerwerk an Silvester

Silvester – Raclette, Alkohol, Freunde und Feuerwerk. Aus Tradition, um böse Geister mit Lärm, Feuer und Rauch zu vertreiben, und aus Freude an dem bunten Spektakel am Himmel zünden Millionen Menschen deutschlandweit jedes Jahr Raketen, Batterien und anderes Feuerwerk. Aber der viele Müll, der am nächsten Morgen auf den Straßen liegt ist ein erstes Zeichen, dass es vielleicht auch eine negative Seite gibt.

Um fest zu stellen wie schlimm die Folgen von Feuerwerk sind, befasst sich dieser Artikel mit den Aspekten Inhaltstoffe, Umweltbelastung, Verpackung und der Sicht der Tiere. Zum Schluss haben wir dann noch einige Alternativvorschläge für das traditionelle Silvester zusammengestellt.

Inhaltsstoffe von Feuerwerk

Je nach Typ bestehen Feuerwerkskörper zu 60–75 % aus Hüllen, Konstruktionsteilen und Verpackungen. Für diese wird in der Herstellung Papier, Pappe, Holz, Ton und Kunststoff verwendet. Die restlichen 25–40 % sind pyrotechnische Sätze, die überwiegend aus Schwarzpulver, einer Mischung aus Kaliumnitrat, Holzkohle und Schwefel bestehen. Für Knallen, Pfeifen und Farben sorgen sogenannte Effektsätze. Strontium-, Kupfer- und Bariumverbindungen färben die Raketen rot, blau oder. grün.

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Die in den Resten der Feuerwerkskörper enthaltenen Chemikalien können durch Regen- und Schmelzwasser weggespült werden. Dass ist vor allem bei den Stoffen Kaliumnitrat, Schwefel, Kalium, Barium, Strontium, Magnesium und Kupfer, die mit einer hohen Konzentration in die Natur gelangen, problematisch. Viele dieser Stoffe können nicht ordentlich aus dem Grundwasser gefiltert werden und landet schlussendlich wieder in unserem Trinkwasser. 

Umweltbelastung

In den letzten zehn Jahren wurden in Deutschland jährlich ca. 43.000 Tonnen Feuerwerkskörper verkauft. Durch das Abbrennen von Feuerwerkskörpern werden rund 4.200 Tonnen Feinstaub (PM10 = Particulate Matter (Englisch Feinstaub) + Staubkorndruchmesser) jährlich damit frei gesetzt, der größte Teil davon in der Silvesternacht. Dieses Extrem zeigt auch sehr gut die interaktive Grafik (Link -> Grafik) des Umwelt Bundesamtes.

Dieses Extrem am Silvester- und den folgenden Tagen ist deshalb so problematisch, da der deutsche Grenzwert für Feinstaub bei einem Tagesmittelwert von 50 µg/m³ liegt. Aus Gesundheitsgründen darf aus diesem Grund der PM₁₀-Tagesmittelwert nicht öfter als 35-mal im Kalenderjahr 50 µg/m³ überschreiten. Silvester wird fast deutschlandweit dieser Wert überschritten.

Diese Menge an Feinstaub entspricht in etwa 25 % der jährlich durch Holzfeuerungen und ca. 2 % der gesamt freigesetzten Feinstaubmenge in Deutschland. Das Umwelt Bundesamt schätzt tatsächlich die realen Emissionen noch höher ein, da Feuerwerkskörper auch in größerem Umfang auf anderen Wegen ins Land zu gelangen scheinen. Die Kohlenstoffdioxid-Emissionen aus Feuerwerkskörpern sind nach Schätzungen des Umweltbundesamtes allerdings in diesem Fall von geringer Bedeutung. Feuerwerkskörper enthalten zu rund einem Drittel Schwarzpulver. Bei einem Emissionsfaktor von 50 g COpro 100 g Schwarzpulver ergibt sich eine Emission von ca. 7.200 Tonnen CO2. Dies ist ein verschwindend kleiner Anteil von 0,0008 % an den deutschen Treibhausgasemissionen.

Gesundheit

Das Einatmen von Feinstaub gefährdet die menschliche Gesundheit. Die Wirkungen reichen von vorübergehenden Beeinträchtigungen der Atemwege über einen erhöhten Medikamentenbedarf bei Asthmatikern bis zu Atemwegserkrankungen und Herz-Kreislauf-Problemen. Auch bei Zünden von Feuerwerk kann viel passieren. So kann ein explodierender Feuerwerkskörper schwere Verletzungen wie Verbrennungen, Augenverletzungen und Hörschä­digungen verursachen. Ganz ungefährlich ist Feuerwerk also nicht.

Verpackung

Viele Menschen lassen es in der Silvesternacht krachen und hinterlassen dabei tonnenweise Müll wie Böllerreste, Verpackungen, Flaschen und Scherben auf den Straßen und Gehwegen. Der Verband kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) meldete: „Allein in den fünf größten deutschen Städten (Berlin, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main) entfernen die kommunalen Entsorger an bestimmten Hotspots am Neujahrstag rund 200 Tonnen Silvesterabfall.“ Am 1. Januar sind in diesen Städten über 1.100 Mitarbeiter für die Neujahrsreinigung im Einsatz, um Straßen und Gehwege von dem Abfall zu befreien.

Dies Problem des vielen Feuerwerkmülls kommt auch durch die Ursache, dass die Industrie heutzutage alles mehrfach verpackt. So ist Feuerwerk nicht nur einmal eingepackt sondern hat dann noch eine „Boxverpackung“ oder Einzelteile sind noch einmal in Plastiktüten verpackt.

Quelle: https://cdn.mdr.de/wissen/feuerwerk-boeller-muell-neujahr-100_v-variantBig16x9_wm-true_zc-ecbbafc6.jpg?version=25849

Ein weiteres großes Problem stellt der nicht wieder einsammelbare Verpackungsmüll da. So kann all der Müll, der direkt in die Flüsse oder Seen landet nicht entsorgt werden und gelangt in Meer, wo er weiter großen Schaden anrichtet.

Der VKU gibt für die richtige Entsorgung des Silvestermülls folgende Hinweise: „Abgebrannte Feuerwerkskörper, Mehrschussbatterien und Böller müssen im Restmüll entsorgt werden. Auch Pappröhren, die in Feuerwerkskörpern verarbeitet wurden oder gezündete Mehrschussbatterien aus Pappe gehören zwingend in die graue Tonne.“ Keinesfalls sollten sie in den Papier- oder gar in den Biomüll gegeben werden, weil sie giftige Reststoffe und teils auch Plastikbestandteile enthalten.

Zwischen 100 und 150 Millionen Euro jagen die Deutschen zum Jahreswechsel in die Luft. Aber ist das nötig so viel Geld für ein bisschen Knallen, bunte Lichter und einen riesen Haufen Müll am nächsten Morgen auszugeben? – das muss jeder für sich entscheiden

Tiere

Während sich die meisten Menschen alljährlich an großen wie auch kleinen Feuerwerken erfreuen, geraten nicht nur viele Haustiere wie Hunde und Katzen in Panik. Gerade für die in der Wildnis lebenden Tiere entsteht durch die enorme Geräuschkulisse, die Lichtblitze am Himmel und die für uns Menschen kaum nachzuempfindende Geruchsveränderung eine Stresssituation, die viele Tieren im schlimmsten Fall sogar das Leben kostet.

Als besonders gefährdet gelten Jungtiere, die noch abhängig sind von ihren Eltern, weil sie panikartig ihre Nester und Höhlen verlassen und die Orientierung verlieren. So verhungern sie schnell, weil sie noch nicht in der Lage sind, für sich selbst zu sorgen. Vor allem im Winter muss eine Großzahl der in der freien Natur lebenden Tiere sehr mit Energie- und Nahrungsreserven haushalten. In dieser plötzlichen Stresssituation steigt der Energieverbrauch außerplanmäßig sprunghaft an, der lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann. So kann ein Igel im Winterschlaf durch Stress zu viel Energie verbrauchen, dass er es nicht bis zum Frühling schafft. Viele Vögel flüchten unter Schock in für sie vollkommen ungewöhnliche Höhen von mehr als 1.000 m und verlieren teilweise wie die am Boden lebenden Tiere die Orientierung.

Aber auch nach Sylvester ist die Gefahr für die Tiere noch nicht vorbei. Plastikteile der explodierten Geschosse, die wieder zu Boden fallen und herumliegen, können schnell von Tieren mit Futter verwechselt werden.

Alternativen

Schön und gut diese ganzen Fakten, aber gibt es denn auch Alternativen? Die Antwort lautet: Jain.

Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern setzt Feinstaub frei, wie viele andere Verbrennungsprozesse. Erst durch das Verbrennen der in Feuerwerkskörpern enthaltenen pyrotechnischen Sätze werden die gewünschten Licht- und Knall-Effekte erzielt. Auch die Umhüllungen aus Pappe und Kunststoff werden für diese Effekte benötigt. Somit ist beides bei konventionellem Feuerwerk nicht reduzierungsmöglich. Die in der Film- und Theaterbranche bereits eingesetzte vermeintlich „rauchfreie“ Pyrotechnik hält nicht, was der Name versprechen könnte. Bei diesen Gegenständen ist lediglich der sichtbare Rauch reduziert. Die freigesetzten Partikel sind jedoch noch kleiner und gesundheitsschädlicher als bei einem klassischen Feuerwerk. Feinstaubfreie Alternativen zum Feuerwerk sind druckgasbetriebene Konfettikanonen oder auch Lasershows.

Tipps für ein trotzdem bisschen ökologischeres Sylvester gibt es zum Beispiel auf der Seite von Smarticular

Eine gute Alternative für privates Feuerwerk ist das Besuchen eines offiziellen Feuerwerks in eurer Stadt – dies ist auch größer, schöner und bunter und es sind ganz viele andere nette Leute da. Auch sparen Privatpersonen viel Geld das für etwas anderes ausgegeben werden kann. Aber es wird doch trotzdem Feinstaub freigesetzt oder? – Ja das stimmt. Da aber alle demselben Feuerwerk zu gucken, wird viel weniger Feinstaub frei gesetzt.

Quelle: https://www.pexels.com/photo/people-lights-firework-new-year-s-eve-3869/

Dieses Jahr haben einige Edeka-Filialen aus Umwelt und Tierschutzgründen beschlossen, kein Feuerwerk zu verkaufen. Auch der Baumarkt Hornbach hat angekündigt, ab 2020 dies nicht mehr tun zu wollen. Diese Entscheidung finden wir s

Zusammenfassung

Das Umwelt Bundesamt schreibt in seiner Broschüre: „Traditionen und Bräuche sind Teil unseres Lebens und sollen dies auch bleiben.“ Trotzdem sollten nicht die Nachteile von Feuerwerk ignoriert werden. Durch die hohen Konzentrationen von Feinstaub zu Silvester und die Gefahr von explodierendem Feuerwerk besteht eine große Gefahr für die eigene Gesundheit. Durch den Lärm der Explosionen und die Lichtblitze am Himmel sind Tiere gestresst und verängstig. Die unglaublichen Mengen an Verpackungsmüll der jährlich durch Silvester entsteht und/oder in die Umwelt gelangt verbessert die Lage leider auch nicht.

Auch wenn es Tradition und Kultur ist und der Verzicht von Feuerwerk für viele Menschen noch keine Alternative ist können diese Menschen gebeten werden, bedacht damit umzugehen und am nächsten Tag das abgebrannte Feuerwerk zumindest ordnungsgemäß wieder aufzuräumen.

Quellen

Umwelt Bundesamt – 19.12.2019 –

https://www.umweltbundesamt.de/themen/dicke-luft-jahreswechsel

Umwelt Bundesamt – 19.12.2019 –

https://www.umweltbundesamt.de/themen/luft/luftschadstoffe/feinstaub/feinstaub-durch-silvesterfeuerwerk

Broschüre des Umwelt Bundesamtes – 19.12.2019 –

https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/479/publikationen/hgp_wenn_die_luft_zum_schneiden_ist_2019.pdf

Umwelt Bundesamt – 06.01.2020 –

https://www.umweltbundesamt.de/daten/luft/luftdaten/karten/eJxrXZScv9BwUXEykEhJXGVkYGSga2Coa2C6qCQTJF7OAADypgzo

Dreck weg Koblenz – 19.12.2019 –

https://dreck-weg-koblenz.de/silvester-was-feuerwerk-fuer-die-umwelt-bedeutet

web.de – 19.12.2019 –

https://web.de/magazine/wissen/natur-umwelt/boeller-silvester-feinstaub-muell-laerm-umweltbelastungen-33487650

pyrotechnix – 19.12.2019 –

https://www.pyrotechnix.de/umweltfreundliches-feuerwerk/

spektrum.de – 19.12.2019 –

https://www.spektrum.de/news/feinstaub-feuerwerk-mit-folgen/1528957

buten un binnen – 19.12.2019 –

https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/silvester-knaller-umwelt-100.html

miss.at – 19.12.2019 –

https://www.miss.at/edeka-verkauft-kein-silvester-feuerwerk-tieren-und-umwelt-zuliebe/

VKU – 06.01.2020

https://www.vku.de/presse/pressemitteilungen/feuerwerk-zu-silvester-rund-200-tonnen-silvesterabfall-faellt-am-neujahrstag-allein-an-den-hotspots-der-fuenf-groessten-staedte-an/

Wikipedia; Feinstaub – 07.01.2020 –

https://de.wikipedia.org/wiki/Feinstaub

Geschrieben von Tim Melchert –  FÖJ 19/20 – 07.01.2020

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