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Nachruf

Trauer um Missionswissenschaftler Professor Theodor Ahrens

Direktor Klaus Schäfer: Er war ein Wanderer zwischen den Welten

Hamburg (ce) – Wissenschaftler und Weggefährten trauern um den Missionstheologen Professor Theodor Ahrens, der am 16. September im Alter von 75 Jahren in Hamburg gestorben ist: „Theo Ahrens war ein Wanderer zwischen den Welten. Durch eigene Tätigkeit in Papua Neuguinea den Menschen im Pazifik tief verbunden, galt sein Interesse in Forschung, Lehre und in der Begleitung von Missionswerken in konzeptionellen und praktischen Fragen den Entwicklungen des weltweiten Christentums insgesamt. Wie die unterschiedlichen Varianten des Christlichen in der Zukunft im globalen Kontext aussehen und einander verstehen werden, war eine der Suchfragen, die ihn stark beschäftigten und zu denen er immer wieder pointierte Einschätzungen und Kommentare abgegeben hat“, würdigte der Direktor des Zentrum für Mission und Ökumene in der Nordkirche, Dr. Klaus Schäfer, den Wissenschaftler.

Der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Jeypore-Kirche in Indien, Julias Sontosh, erinnerte an die großen Verdienste von Professor Ahrens für die ökumenische Zusammenarbeit: „Er war ein dynamischer Leiter und seine immense Spiritualität hat viel zur Stärkung unserer Verbindungen beigetragen.“ Bereits drei Generationen seiner Familie hätten in der Jeypore-Kirche gewirkt, 1886 habe sein Vater, der Missionar Theodor Ahrens, in Nowrangpur begonnen das Evangelium zu predigen.

„Durch seine profunden Kenntnisse vor allem von Ozeanien und Indien, seine ethnologisch ausgerichteten Fallstudien und seine ökumenischen missionstheologischen Reflexionen hat er in vielen Diskussionen entscheidende Impulse gegeben und war ein unermüdlicher Vermittler“, betonte auch Michael Biehl, Referent für Theologische Ausbildung im Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW), dem Dachverband aller Missions- und Ökumenewerke. Lange Jahre war Ahrens in Gremien des EMW engagiert.

Professorin Christine Gerber und Professor Ulrich Dehn vom Fachbereich Evangelisch Theologie der Universität Hamburg hoben in ihrem Nachruf besonders hervor, dass Professor Ahrens „Themen und Texte der weltweiten christlichen Ökumene stets mit scharfem theologischem Blick und Kritikfähigkeit wahrgenommen und kommentiert hat. Er verstand es, seine Analysen und theoretischen Aufarbeitungen aus Theologie und Kulturanthropologie immer wieder an seine eigenen Lebenserfahrungen insbesondere in Papua Neuguinea zurückzubinden“.

Theodor Ahrens wurde 1940 in Koraput (Indien) geboren, studierte Theologie und wurde 1969 ordiniert. Nach seiner Promotion 1969 wurde er Mitglied der Studienleitung der Missionsakademie an der Universität Hamburg. Von 1971 bis 1978 arbeitete er im Pfarrdienst in Goroka (Papua-Neuguinea), betrieb Feldforschung und wurde Mitbegründer des „Melanesian Institute for Pastoral and Socio-Economic Service“. Dort wirken seine Forschungen über die Melanesische Kultur, die Kunst des Hinhörens und des gegenseitigen Respekts ohne bestehende Unterschiede zu verwischen, bis heute nach. 

Nach Deutschland zurückgekehrt arbeitete er zunächst als Indienreferent (1978 -80) und anschließend als Referent für Papua-Neuguinea im damaligen Nordelbischen Missionszentrum mit und gab wesentliche Impulse für die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit diesen beiden Kirchen. Seine Lebensgeschichte und -daten reflektieren zentrale Stationen in der Geschichte der Breklumer Mission von den Zeiten der Schleswig-Holsteinischen Evangelisch-Lutherischen Missionsgesellschaft bis hin zum Zentrum für Mission und Ökumene.

Auch in den folgenden Jahren als Professor im Fachbereich Evangelische Theologie an der Universität Hamburg blieb er über die Lehrtätigkeit hinaus in vielfältigen Bezügen der Erforschung und Gestaltung der Geschichte der Mission engagiert und eng verbunden. "In akademisch klarer Haltung und gerne auch provozierend deutlicher Sprache brachte er immer wieder Themen und Anliegen in die Diskussion", erinnerte der stellvertretende Direktor des Zentrums für Mission und Ökumene, Eberhard von der Heyde. Er war Vorsitzender des Ostasienausschusses und bereitete den Weg für intensive Kooperationen auch mit säkularen Bildungspartnern.  

Seit seiner Professur war er Vorsitzender des Vorstands der Missionsakademie der Universität Hamburg. Aus Forschungsaufenthalten und Gastprofessuren in Ozeanien, China, Indien, Korea, Brasilien und Kamerun gingen zahlreiche Veröffentlichungen hervor. Auch nach seiner Emeritierung setzte er seine Publikationstätigkeit fort. Im Sommer erst hat die Missionsakademie an der Universität Hamburg unter dem Titel: „Einwürfe. Missionswissenschaftliche Studien“ einen weiteren Band mit seinen Aufsätzen herausgegeben.

Die Trauerfeier fand am 22. September in Hamburg-Niendorf statt.