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Aktuelle Pressemitteilung

Kirchliche Flüchtlingsarbeit fordert: „Worten müssen Taten folgen“

18.11.2019 | Gottesdienst zum Gedenken an die Toten auf der Flucht: Flüchtlingspastorin Dietlind Jochims hatte ihre Predigt unter den Bibelvers „Lasst uns nicht mit Wort und Rede lieben, sondern durch Tat und Wahrheit“ aus dem ersten Johannes-Brief gestellt. Der Gedenkgottesdienst findet seit mehr als zehn Jahren immer am Volkstrauertag statt.

Hamburg (ce) – Vertreter und Vertreterinnen der Kirchlichen Flüchtlingsarbeit haben gefordert, dass Appellen und Absichtserklärungen mehr Taten folgen müssen, um den Menschen zu helfen, die ihre Länder auf der Suche nach Sicherheit, Freiheit und besseren Lebensperspektiven verlassen. „Die politische Sprache von Selbstbehauptung, Grenzziehung, Verteidigung und Abwehr ist nicht vereinbar mit der Grammatik der Bibel, nicht vereinbar mit dem Wertekanon, der Europas Fundament sein soll“, betonte die Flüchtlingsbeauftragte der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, Dietlind Jochims, am Sonntag in der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi im Rahmen eines Gottesdienstes für die Toten, die auf ihrer Flucht nach Europa ums Leben gekommen sind.

Bereits seit mehr als zehn Jahren laden die Flüchtlingsbeauftragte, der Referent für Menschenrechte und Migration im Zentrum für Mission und Ökumene in der Nordkirche, Dietrich Gerstner, Imam Erkan Yüksekkaya von der Centrums Moschee in Hamburg, die Diakonische Basisgemeinschaft „Brot & Rosen“ sowie Vertreter der katholischen Kirche und orthodoxer Kirchen jeweils am Volkstrauertag zu dieser Gedenkveranstaltung ein. „Führe uns auf den Weg derer, denen Du Gnade erwiesen hast, die nicht Dein Missfallen erregt haben und die nicht irregegangen sind“, sagte Imam Yüksekkaya in seinem Gebet.

Die Flüchtlingspastorin hatte ihre Predigt unter den Bibelvers „Lasst uns nicht mit Wort und Rede lieben, sondern durch Tat und Wahrheit“ aus dem ersten Johannes-Brief gestellt. „Worte und Reden, Gedenken, Appelle und Absichtserklärungen sind ein guter Anfang. Aber sie müssen sich messen lassen an Tat und Wahrheit, die ihnen folgen“, erläuterte sie und fragte: „Wie kann man von Menschenwürde reden und Menschen ertrinken lassen? Wie kann Kirche Gerechtigkeit predigen und unseren Wohlstand verbarrikadieren? Wie kann ich Flüchtende abwehren und Konflikte mit Waffenexporten anheizen?“ Begründungspflichtig sei nicht die Seenotrettung, sondern umgekehrt jedes Unterlassen von Hilfe für Menschen in Not und Gefahr. „Das ist nicht nur die biblische, das ist die grundsätzlich humane Sicht auf unser aller Leben miteinander“, sagte Jochims weiter.

Seit dem Jahr 2000 sind mehr als 36.000 Menschen so ums Leben gekommen. Mit dem Gottesdienst sollen die unsichtbaren Opfer der Abschottung gegen Flüchtlinge in unser Bewusstsein geholt und ein Rahmen sowie ein Ort für Trauer um sie geschaffen werden. 

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