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Aktuelle Pressemitteilung

Partnerschaft mit Evangelisch-Lutherischer Kirche in Rumänien beschlossen

27.09.2018 | Ein von der Landessynode beschlossener Vertrag regelt künftig die Zusammenarbeit beider Kirche auf theologischen und diakonischen Arbeitsfeldern. Landesbischof Ulrich betonte bei seiner Einbringung des Gesetzesentwurf das ökumenische Interesse an dieser Kirche: Die Christen in den Land befänden sich in einer "doppelten Minderheit".

Lübeck-Travemünde. Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche) hat heute (27. September) auf ihrer Tagung per Gesetz beschlossen, die Partnerschaft zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Rumänien zu vertiefen. Die Synodalen stimmten in erster Lesung einem entsprechenden Partnerschaftsvertrag zu.

Darin bekräftigen beide Kirchen, sich im Gebet, durch Austausch und Begegnungen gegenseitig zu stärken und zu unterstützen. Gemeinsam wollen sie sich in ihrer kirchlichen und diakonischen Arbeit für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung einsetzen sowie ökumenische Verbindungen in internationalen Netzwerken vertiefen. Einen Entwurf dieses Vertrages hatte Landesbischof Gerhard Ulrich bereits im Rahmen seiner Reise nach Rumänien im Dezember 2017 gemeinsam mit Bischof Dezsö Zoltán Adorjáni parafiert.

Bei seiner Einbringung des Gesetzentwurfes betonte Landesbischof Ulrich: „Mit Blick auf die weltweit rund 30 Partnerschaften der Nordkirche ruft die Partnerkirche in Rumänien das ökumenische Interesse aufgrund ihrer besonderen Situation in der sogenannten ‚doppelten Minderheit‘ hervor.“ Das betreffe sowohl die Situation als lutherische Minderheit angesichts einer rumänisch-orhodoxen Kirche mit einem Mitgliederanteil von 87 Prozent der Bevölkerung als auch die Situation als ungarische Minderheit im rumänischen Staat, so Ulrich.

Seit den 1990er-Jahren war die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänen Partnerkirche der damaligen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Mecklenburgs. Diese Partnerschaft ging mit der Fusion der Landeskirchen in Mecklenburg, Pommern und Nordelbien 2012 auf die damit gegründete Nordkirche über.Seit Jahren gibt es einen Austausch sowohl auf der landeskirchlichen als auch auf der gemeindlichen Ebene. Außerdem arbeiten die Diakonischen Werke Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern mit verschiedenen Organisationen in Rumänien zusammen. So fördert das Diakonische Werk Hamburg unter anderem ein Multiplikatoren-Projekt, das die Bildungserfolge junger Roma erhöhen und sie bei der Berufswahl und der Integration in den Universitäten unterstützen soll, und vernetzt Einrichtungen, die zum Thema Menschenhandel und Arbeitsausbeutung arbeiten. Im Rahmen eines Fachaustausches zwischen Beratungseinrichtungen in Hamburg und Rumänien haben Sozialarbeiterinnen und -arbeiter die Gelegenheit zur Hospitation bei der jeweils anderen Organisation.

Hintergrund:

In Rumänien gibt es vier protestantische Kirchen, die in der Zeit der Reformation vor allem in Siebenbürgen entstanden sind: die Reformierte Kirche (ca. 460.000 Mitglieder), die Unitarische Kirche mit circa 70.000 Mitgliedern, die Evangelische Kirche A.B. (Augsburgischen Bekenntnisses) in Rumänien mit 12.840 Mitgliedern sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien. Dabei ist die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien vorwiegend deutschsprachig, die Reformierte, die Unitarische und die Evangelisch-Lutherische Kirche überwiegend ungarischsprachig.

Der weitaus größte Teil der Protestantinnen und Protestanten lebt in Siebenbürgen. In der Folge des Ersten Weltkriegs gingen mit dem Vertrag von Trianon am 4. Juni 1920 zwei Drittel des ungarischen Staatsgebietes an andere Staaten. Siebenbürgen kam zu Rumänien. Damit wurden zwei Millionen Ungarinnen und Ungarn sowie 800.000 Deutsche zu Bürgerinnen und Bürgern Rumäniens. Die lutherischen Christinnen und Christen ungarischer Sprache, die bis 1920 Teil der lutherischen Kirche Ungarns waren, mussten sich neu organisieren und gründeten 1921 die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien. Heute hat die Evangelisch-Lutherische Kirche in Rumänien 30.700 Mitglieder in 37 Gemeinden und 116 Diasporagemeinden.

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