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weltbewegt

2018

Wie sieht es aus zwischen den Generationen? Was können die Jüngeren von den Alten lernen und was die Alten von den Jungen? Was denken sie über die eigene Generation, und wie erleben sie die Generationen vor ihnen? Natürlich gibt es nicht die alte oder die junge Generation. Dazu sind die Lebensumstände zu verschieden. Das zeigen die facettenreichen Beiträge der jungen Autorinnen und Autoren dieses Heftes.

In Deutschland gehören sie zur „Generation Y“ und damit zu der Generation, die behütet aufgewachsen und gut ausgebildet ist. Nie zuvor war eine Generation so international vernetzt wie die der „Digital Natives“. Für sie scheint alles möglich bei gleichzeitigem Druck zur permanenten Selbstoptimierung. Im Gegenzug wünschen sich viele aus dieser Generation eine Berufswelt, die mehr im Einklang mit eigenen Bedürfnissen steht. „Wir wollen eine Arbeit, die Sinn macht und erfüllend ist“, schreibt Diego Grützmann, der seinen Studienplatz für eine Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger eingetauscht hat. Wie seine Altersgenossen schätzt auch er den Austausch mit der älteren Generation sehr, nicht nur in Orientierungsphasen.

Jannika Baars hat allerdings beobachtet, dass hierzulande die Grenzen zwischen den Generationen immer mehr verschwimmen. Sie sieht nicht nur Vorteile darin, wenn Eltern lieber „beste Freundinnen oder Freunde“ ihrer Kinder sein wollen. Das ist in anderen kulturellen Kontexten anders. Dort, wo die ältere Generation wie in Kenia noch eine besondere Autorität hat, „braucht die Begegnung zwischen Jung und Alt ebenso viel Verständnis wie die zwischen zwei Kulturen“, meint Emmaculate Okwach. Zugleich ist sie überzeugt, dass man gemeinsam mehr erreicht und orientiert sich an der Weisheit der Alten: „Allein läuft ein Junger schnell, mit einem Älteren langsam, aber zusammen gehen sie weit“. 

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Wenn es um „Inseln“ geht, kommen die meisten ins Träumen. „Wie gern wäre ich jetzt auf einer Insel“, seufzen viele, die sich im Trubel des Alltags nach einer ruhigen Oase sehnen. Wie schön wäre es, jetzt dort zu sein, denke auch ich, als mir meine Kollegin in sinnlichsten Farben ihre Lieblingsinsel vor Sansibar schildert, während es draußen regnet. Inseln sind die Orte, auf die sich alles projizieren lässt, was man sich wünscht.

Manchmal auch das, was Angst macht. Nicht umsonst verbindet sich mit dem Begriff Insel auch „Isolation“. In jedem Fall gilt: Das geo-grafische Phänomen lässt keinen kalt. So scheinen Geschichten, Sagen und Mythen, die sich um Inseln ranken, schier unerschöpflich. Natürlich ist das tatsächliche Leben auf einer Insel immer anders als jede Vorstellung davon. „Wie groß die Lebensqualität auf einer Insel ist, hängt vor allem davon ab, wo sie liegt“, meint Martin Haasler. Als Referent für Papua-Neuguinea und Pazifik ist er oft in der inselreichsten Region der Welt unterwegs und erfährt, wie sehr die Menschen auf Inselstaaten wie Kiribati durch die Folgen des Klimawandels bedroht sind.

Außer den geografisch sichtbaren Inseln gibt es aber andere Formen von Inseln: Sie können mitten in einer betriebsamen Großstadt liegen – zum Beispiel als Zuhörkiosk zwischen Gleisen in einer U-Bahn oder zwischen Kränen im Hamburger Hafen. Dort befindet sich der Seemannsclub Duckdalben, heute eine Oase für viele Seeleute. Schließlich gibt es noch die unsichtbaren Inseln: die Echokammern oder Filterblasen, in denen immer mehr Menschen Bestätigung und Halt suchen, abgeschottet von anderen Überzeugungen und Lebenswirklichkeiten. Doch „der Mensch ist keine Insel“, betont der Theologe Nikolaus Schneider. Zwar brauche er ab und zu mal eine Insel, „aber er ist ein Teil der Menschheit“ und brauche vor allem Beziehungen zu anderen Menschen, auch über Grenzen hinaus.

Ulrike Plautz

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Was glauben wir eigentlich? Wie glauben wir? Welche Rolle spielt der Glaube im Alltag und in der Gesellschaft? Spielt er überhaupt noch eine Rolle? Und, wie sieht es bei den 20- bis 30-Jährigen aus? „Für unsere Generation ist es sehr ungewohnt über den Glauben zu sprechen“, schreibt die 21-jährige Luise Heitkamp. Doch sie hat Fragen: Wie gehen wir mit dem Leben um? Wie geht das Leben mit uns um? Was bedroht unsere Hoffnung? Wofür stehe ich ein? Aber auch: Wo finden wir Antworten – und Hoffnung? Die Fragen kreisen um das Thema Glauben, ohne das Wort zu nennen.

Im Hebräischen gibt es für Glauben die Vokabel aman, was in etwa bedeutet: „sich an etwas festmachen“ und das griechische Wort pistis kreist wie das lateinische fides um die Bedeutung: „Vertrauen“. Hinter diesen Worten steht die Frage, worauf wir unser Leben gründen und auf welchen Visionen wir bauen. Demnach hat der Glaube wenig mit dem Fürwahrhalten von Dogmen zu tun. Im Gegenteil. Zum Glauben gehören Zweifel unbedingt dazu. „Der Zweifel ist kein Fremdkörper, sondern ist wesentliches Element einer Glaubenserfahrung“, schreibt der Theologe Friedemann Magaard. Zweifel halten den Glauben lebendig. Der Glaube ist keinesfalls nur eine Sache der Innerlichkeit. Glauben lenkt nicht von der Welt ab, sondern führt zu ihr hin. In diesem Sinne hat der Glaube auch eine politische Dimension. Die Theologin Dorothee Sölle formuliert es am Schluss ihres Glaubensbekenntnisses so: „Ich glaube an den gerechten Frieden, der herstellbar ist, an die Möglichkeit eines sinnvollen Lebens für alle Menschen, an die Zukunft dieser Welt“.

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