TGIF #7

Thank God, it’s Friday! Und das meine ich auch so.
Wir bewegen uns mit rasender Geschwindigkeit auf den Jahreswechsel zu, auf Instagram beschwert man sich wie kurz es war oder was man alles nicht geschafft hat oder man liest Dinge wie: „2018? Was bitte war das?“
Ich kann nur sagen, ich hatte ein herausragendes Jahr!
Führerscheinprüfung im ersten Anlauf bestanden, ein richtig gutes Abi eingesackt (plus einer Abirede, die mega Spaß gemacht hat. Danke Julia :*), mein erster Besuch in München und mein erstes Bier, das mir geschmeckt hat, vier wunderschöne Tage in Paris und das Beste: Die ersten dreieinhalb Monate in Südafrika.
Es ist wahr, das erste Quartal ist rum. Drei kommen noch.
Vor meiner Abreise hörten sich drei Monate nach viel Zeit an. Jetzt sitze ich hier und frage mich, wie das so schnell an mir vorbeirasen konnte. Ich habe noch längst nicht alles gemacht, was auf meiner To-Do-Liste steht, gleichzeitig reicht das Erlebte aus der Zeit hier, um ein ganzes Jahr mit Spannung und Aufregung zu füllen (für Genaure Infos einfach mal durch die vorherigen Blogeinträge schauen).
Auf der Arbeit hat sich das Klima in den letzten Wochen merklich verändert. Auf einmal hat man den ganzen Tag Stress. Nicht, dass wir vorher nichts zu tun hatten, aber es war alles ganz entspannt. Man hat sich die Arbeit aufgeteilt, jeder hat ein bisschen was getan und dann war man durch. Jetzt, zum Jahresende müssen ein Monthly Report, eine Annual Review und ein Operational Plan geschrieben werden, sowie unsere Einschätzung der geleisteten Arbeit abgegeben werden, gleichzeitig gilt es, in kurzer Zeit ein Krippenspiel einzustudieren, die Geschichte eines Teilnehmers aufzuschreiben und mit Fotos aus seinem Leben auszustatten, um sie dann an deutsche Unterstützer*innen der New World Foundation (NWF) zu schicken, die Halle musss dekoriert, eine Party organisiert und ein Ausflug geplant werden. Gleichzeitig hat meine Mitfreiwillige Geburtstag und ich muss zwei Wichtelgeschenke besorgt bekommen, eines für eine Kollegin und das Fertigwerden des zweiten in Deutschland muss ich über WhatsApp koordinieren. Hinzu kommt eine Art Training oder Fortbildung über Kunst in der Kinderentwicklung, eine Reihe von acht Seminaren, für die dann auch noch Hausaufgaben aufgegeben werden.
Nennt mir eine Person, die da nicht in Stress käme.
Beklagen darf ich mich aber eigentlich nicht, denn die komplette letzte Woche davor war ich krank geschrieben, sowie je drei Tage in den zwei Wochen davor. Ach, ich vermisse diese Zeit…
Seit ich nun wieder auf der Arbeit bin, geht alles drunter und drüber. Liegt vielleicht an meiner längeren Abwesenheit, offensichtlich läuft da ohne mich nichts. Nein, Spaß, aber müssen diese ganzen Berichte und Pläne alle zur selben Zeit geschrieben werden?
Aber lasst uns von den schöneren Dingen reden.
Mit das Beste an der Zeit, in der ich nicht auf der Arbeit war, war die Rückkehr zur NWF. Die Gesichter und das Kreischen der Kinder im Kindergarten, die Freude bei den Kolleg*innen, Aunty Bettys Strahlen, als ich sie in der Küche besuchte, das Schreien der Kinder am Nachmittag. Es ist immer schön zu wissen, dass man vermisst wird.
Vor einigen Wochen war es dann so weit: Gefühlt die gesamte Community versammelte sich in der Kirche neben der NWF. Der Anlass war das jährliche Konzert der Kindergarten-Kinder. In einem langen Programm präsentierten diese eingeübte Tänze, Lieder und Gedichte. Auch wenn nicht alle alles einwandfrei auswendig konnten, war es sehr süß und herzerwärmend und zum Dahinschmelzen. Daneben durften auch die Mädchen unseres Junior Girls Clubs etwas aufführen.
Eigentlich unfassbar spät, dafür dass wir schon über drei Monate hier sind, waren wir dann auch bei unserem ersten Braai. So nennen es die Südafrikaner, wenn sie grillen. Da die das in etwa alle zwei Tage tun, ist es eigentlich unverzeihlich, dass wir das erst jetzt geschafft haben. Es war trotzdem sehr lecker!

Eine andere, aufregende Erfahrung in der letzten Zeit war auch meine zweite Wanderung. Unter strahlendem Himmel, brennender Sonne und einer stetig wehenden Brise ging es den Lion’s Head hinauf. Der unglaubliche Ausblick über die Stadt, das Meer, die Buchten, die anderen Berge war einmalig und es steht nicht zur Diskussion, dass ich da nochmal hochlaufen werde. Neben einer Schar von Schmetterlingen haben wir dann auf der Bergspitze auch Miley und Noah Cyrus getroffen, die zum Arbeiten nach Kapstadt gekommen sind. Offensichtlich ist deren kleine Gruppe die ganze Zeit direkt vor uns gewandert und wir haben es nicht bemerkt.
 

Ebenfalls ein schöner Ausflug in die Natur war meine Fahrt
nach Boulder’s Beach. Dort kann man freilebende Pinguine beobachten. Geschützt durch den National Park lebt dort eine riesige Kolonie an der Küste, sonnt sich und ignoriert die zahlreichen Besucher. Um ganz nah ran zu kommen, hätte man umgerechnet circa neun Euro zahlen müssen, das habe ich mir dann doch lieber gespart. Aus der Ferne waren diese Tiere nämlich genauso schön.
Um die Entstehung und die Geschichte Lavender Hills und der anderen Townships besser zu verstehen sind wir außerdem in das District Six Museum gefahren. Dieses befindet sich in einer alten Kirche und erzählt die Geschichte des gleichnamigen Stadtteils, nicht weit vom Stadtzentrum entfernt. Unter dem Apartheid-Regime, wurde er zu einem „weißen“ Stadtteil erklärt, das hatte zur Folge, dass alle Menschen, die nicht als „weiß“ angesehen wurden, umgesiedelt wurden, in die besagten Areale, die heute Townships oder Capeflats genannt werden. Mitgenommen werden durfte, was auf die Transporter, die die Menschen abholten passte, der Rest blieb zurück.
Als Folge entstanden große Gebiete ohne ausreichend Arbeit, mit wenig Eigentum, Geld und Sicherheit. Dass sich viele den Drogen zuwandten, Gangs gebildet wurden und die Kriminalität extrem hoch wurden, ist da nicht verwunderlich. Dank einer Führung durch eine Frau, die selbst aus District Six verbannt wurde, konnten wir diese Zusammenhänge sehr persönlich und emotional näher gebracht bekommen.
Dieser Ausflug hat uns gezeigt, dass es eine Erklärung für die heutige Situation in Lavender Hill gibt. Dass die Probleme nicht von irgendwoher kommen. Klar gemacht hat uns das auch, wie wichtig und einflussreich unsere Arbeit hier sein kann. Denn vielleicht helfen wir einigen Kindern, gute Arbeit zu finden und sich und der Familie ein besseres Leben zu bieten.
 
Doch was kommt jetzt? Wie sieht die Zukunft aus?
Bis zu den Ferien ist erstmal noch einiges zu tun. Wir werden eine kleine Party für die Jüngeren veranstalten und mit den Älteren schwimmen gehen. Das gibt es noch eine Weihnachtsfeier mit den Angestellten und dann haben wir Urlaub. Für mich und Jackie bedeutet das, dass wir am 16. Dezember den Flieger nach Durban nehmen, uns dort mit Freunden treffen und die nächsten zwei Wochen die Ostküste hinunter, zurück nach Kapstadt fahren werden. Dabei werden wir Port Elizabeth und Plettenberg besuchen und die wunderschöne Natur dieses Landes sehen. Und feiern… Über Sylvester bleiben wir dann in Kapstadt und für die erste Woche des Jahres 2019 muss ich mir noch eine Beschäftigung suchen.
Dann kommen die neuen Kinder. Anmeldungen werden ausgefüllt, Programme geplant und natürlich das Wiedersehen gefeiert.
Irgendwann möchte ich dann noch surfen lernen und mit Haien tauchen. Dazu kommen noch einige geplante Wanderungen, Museums-Besuche, Märkte die es zu erkunden gilt und vieles mehr.
Im März feiere ich dann meinen ersten Geburtstag ohne irgendwelche Familie, bevor genau diese mich dann im April hoffentlich besucht.
Aber bis dahin ist noch lange Zeit! Jetzt kommt erstmal der Sommer und der Jahresabschluss, bevor wieder Kräfte getankt und all diese Vorhaben Realität werden können, hier,
auf der anderen Seite der Welt.

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