TGIF #9

Mit einem Monat Verspätung sage nun auch ich: Willkommen 2019!

2018 ging unfassbar schnell rum und das obwohl so vieles passiert ist.

Ich bin volljährig geworden, habe meinen Führerschein gemacht, gleichzeitig das Abitur bestanden, die Vorbereitung für meinen Freiwilligendienst absolviert und im August meine Reise nach Kapstadt in Südafrika angetreten. Dort habe ich meinen ersten Vollzeitjob angefangen, mir einen neuen Alltag aufgebaut, viele neue Menschen kennengelernt, man kann fast sagen: Ich habe ein neues Leben angefangen.

Dieses letzte Jahr hat mich unglaublich stolz gemacht. Ich habe persönlich viel erreicht und geschafft, zum Beispiel konnte ich das Thema Nachhaltigkeit in meiner Schule in die Diskussion bringen, woraus dann ein paar Projekttage entstanden sind, leider erst nach meinem Abschluss dort. Meinen Alltag habe ich ebenfalls begonnen umzustrukturieren, ganz im Interesse unseres Planeten, und diese Veränderung ist noch längst nicht abgeschlossen. Außerdem habe ich hier bei der New World Foundation eine  Arbeit begonnen, die mich jeden Tag trotz der Müdigkeit und der Anstrengung erfüllt und zum Lächeln bringt und genau diese Dinge habe ich mir immer erhofft, wenn ich an meine Zukunft nach dem Abitur dachte. Dazu kommt mein erster richtiger Urlaub hier in Südafrika, eine Pause, die genau zum richtigen Zeitpunkt kam:

Mit meiner Mitfreiwilligen habe ich mich einer Gruppe von circa 15 anderen deutschen Freiwilligen angeschlossen. Gemeinsam ging es auf unserem Roadtrip zuerst von Durban aus die Ostküste runter und dann die berühmte Garden Route längs heimwärts nach Kapstadt.

Auf dieser gut drei Wochen langen Reise konnte ich dieses atemberaubend schöne Land kennenlernen. In Port St. Johns haben wir auf einer mehrstündigen Wanderung einen Wald, ähnlich meiner Erwartungen von einem Dschungel, durchquert, waren in einem See baden und sind einen (leider etwas kleinen) Wasserfall hinunter gesprungen. Im Addo Elephant Park konnten wir eine Vielzahl der auf dem afrikanischen Kontinent beheimateten Tiere vom Nahen beobachten, sogar ein Löwen-Pärchen hat sich vor die Fernglas-Linsen gewagt. In der Nähe des Tsitsikamma National Parks haben wir beim Bungyjump von der Bloukrans Bridge die Natur mal aus einer anderen Perspektive genossen. Nebenbei hatten wir auf den Autofahrten stets eine Aussicht, die mich die Welt und ihre Probleme vergessen ließ.

Dank dieser verrückten aber sehr unterhaltsamen Truppe waren dann auch die Feiertage in Jeffrey’s Bay weniger vom Vermissen der Heimat geprägt, sondern wurden mit einem großen Essen und Wichteln verbracht. Wie wir das ohne funktionierenden Gasherd hinbekommen haben ist mir immer noch ein Rätsel, aber das Wichtige ist: Ich hatte wunderschöne Weihnachten mit richtig tollen Menschen!

Aber diese Reise war auch sehr ermüdend. Gemerkt haben wir das an Sylvester, als ich den ganzen Tag krank im Bett lag und dann gegen Abend auf einmal vier neue Leute dabei waren und aus dem ganzen keine große Party wurde, wie wir das in Kapstadt eigentlich erwartet hatten, sondern ein lustiger, entspannter Abend mit Aerobic im Garten, Planschen im Pool und selbstgemachten Burgern.

Als es für mich dann am 7. Januar wieder zur Arbeit ging, konnte ich auf drei wunderbare Ferienwochen zurückblicken und freue mich seitdem darauf, alle wiederzusehen.

Und dann kam der Stress.

Alle, die schonmal mit 44 drei- bis vierjährigen, die noch nie länger als einen halben Tag von zuhause weg waren, gleichzeitig klarkommen mussten, verstehen vielleicht ein wenig, was ich in den ersten drei Tagen mit den neuen Kindergartenkindern durchmachen musste. Für die, die sich das noch nicht denken konnten: Diese Kinder weinen ununterbrochen. Sie wollen nach Hause, zu Mummy oder Daddy, wenn wir ihnen zu nahe kommen, werden sie entweder noch lauter oder klammern sich an einen, ohne jemals wieder loszulassen. Dazu kommt, dass wir hier vier solcher Klassen haben, sprich insgesamt circa 180 kleiner Kinder, die nicht aufhören wollen zu weinen. Ganz zu schweigen von der Problematik mit den Namen. Wie kriegt man aus einem Haufen Kinder ein bestimmtes raus, wenn man keinen Namen zu Hand hat, weil das Namensschild natürlich längst nicht mehr auf dem Shirt klebt sondern vermutlich irgendwo auf dem Boden, wie?

Nach ein paar Tagen hörten wie durch ein Wunder auch bei den letzten die Tränen auf zu rollen. Jetzt habe ich jeden Tag das unfassbare Glück mich mit diesen strahlenden, kleinen Wesen zu umgeben, mich ihren Umarmungen zu ergeben und mit ihnen wieder zum Kind zu werden. Nur das mit den Namen wird nicht wirklich besser…

Kurz nachdem unten im Kindergarten alles wieder losging hat auch unsere Aftercare wieder ihre Pforten geöffnet. Zum Glück ist da das Heimweh weniger das Thema, sodass wir relativ entspannt unserer Routine nachgehen konnten.

Gleich in der ersten vollen Woche mit den Schulkindern gab es dann auch das erste Highlight. Jackies Bruder aus Deutschland war zu Besuch und hat am Donnerstag und Freitag den Juniors und Seniors ein paar Schritte des Krump-Tanzstils beigebracht. Wer das noch nie gesehen hat, sollte es sich angucken, es lohnt sich. Am Ende dieser Workshops konnten wir uns dann schon eine kleine Choreo zeigen lassen und danach hatten die Kids Zeit, ihr eigenes Talent zu zeigen. An diesen Tagen wurde deutlich, was für ein Potential sich in unserer kleinen Gruppe hier bei der New World Foundation verbirgt.

Am Montag danach war unsere Youth Hall, in der das Programm stattfindet dann plötzlich doppelt so voll, zumindest kam es mir so vor. Neues Jahr heißt hier auch neue Kinder. Womit wir wieder bei der Problematik mit den Namen wären. Jeden Tag müssen wir ein Attendance Register ausfüllen, welches dann genutzt wird um in den Monthly Reports zu zeigen, wie es sich mit der Anwesenheit in unseren Programmen verhält. Bei mindestens zwei Dritteln der zwanzig Neuen muss ich aber auch heute, nach fast zwei Wochen noch jeden Tag nachfragen, wie er oder sie denn nochmal hieß. Und das ist mir dann ehrlich gesagt auch immer ein wenig peinlich, aber zum Glück, weiß ich, dass das in zwei Wochen schon wieder ganz anders aussehen wird, hoffentlich.

So langsam laufen aktuell auch die Planungen für die kommenden Monate an. Dazu gehören Ausflüge, Camps und Sessions in den Boys und Girls Clubs. Worauf ich mich persönlich sehr freue, ist, meine Pläne zu Einheiten über verschiedene Themen im Bereich Nachhaltigkeit umzusetzen. Dazu war ich vor einer Woche auch bei einer NGO in der Stadt zu Besuch und habe in deren Garten, wo Gemüse, Fynbos und viele mehr wächst, ausgeholfen. Das war eine wunderschöne Aktion, denn ich liebe Gartenarbeit, Unkrautzupfen, Kompost anlegen, Pflanzen umtopfen oder in Beete einsetzen. Ich vermisse meine dreckigen Hände, mit denen ich in Deutschland gerne rumgelaufen bin, wenn ich mal wieder Gemüsebauer gespielt habe. Aktuell laufen die Planungen, mit unseren Kindern in diesen sogenannten Eco Education Hub zu fahren und einen Workshop zu veranstalten, um ganz nah an der Natur über unseren Einfluss auf sie zu sprechen. Also, Daumen drücken, dass das klappt.

Was steht noch so an und was haben wir noch vor?

Jetzt im Februar, steht erst einmal unsere Zwischenseminar an. Dazu fliegen wir am 8. Februar nach Durban, zu unserem Mitfreiwilligen Justus, wo wir das Wochenende vorher unterkommen dürfen. Danach heißt es, eine Woche lang mit anderen Freiwilligen über unsere Erfahrungen zu reden, über die letzte Hälfte des Freiwilligendienstes zu reden, der auf dem Seminar für die meisten von uns Halbzeit hat, und viele Dinge zu erleben, wie das auf Seminaren halt so ist.

Dann möchten wir mit unseren Seniors im Februar auch über das Thema Gender sprechen, damit haben sich meine Mitbewohnerinnen bisher aber mehr auseinander gesetzt, deswegen kann ich noch nicht genau sagen, was da auf uns zukommt. Inspiration dafür wollen wir aus „A Gender Conversation“ nehmen, einem Guide, der fertige Aktivitäten und Ähnliches rund um das Thema gesammelt hat.

Im März läuft dann für vier Wochen ein Computer-Kurs für die ältesten in unserem Programm. Dort werden sie lernen, am Computer Präsentationen zu entwerfen, Texte zu verfassen und vieles mehr, was hoffentlich später hilft, Arbeit zu finden oder sich am College zu behaupten. Außerdem gibt es danach ein Zertifikat, welches dann zum Beispiel dem Lebenslauf beigefügt werden kann.

Dazu kommt dann noch das Ferienprogramm in den letzten beiden Märzwochen, in denen ich hoffe, das Gelernte aus meinem Art in Youth Development Training, umsetzen zu können, um ein wenig über Identität, Selbstbewusstsein und Sexualität zu reden, alles verbunden mit Arts & Crafts.

Und natürlich das Reforest Fest, veranstaltet von greenpop, der gleichen Organisation, die ich besucht habe, um eine eventuelle Zusammenarbeit zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit zu planen. Bei diesem Festival geht es darum, gemeinsam in einem Gebiet etwa zwei Stunden von Kapstadt circa 8000 Bäume zu pflanzen und somit reforestation (Wiederaufforstung) zu betreiben, daher der Name. Für uns heißt das zwei Nächte zelten, gute Musik, veganes Essen, viele Ökos und Gutmenschen und somit ein hoffentlich perfektes Wochenende.

Dann kommt der April. Und ich bekomme Besuch. Für eine Woche werden meine Eltern und meine jüngste Schwester sich Kapstadt, meine Arbeit und die Umgebung anschauen. Die Woche darauf heißt es dann Family-Reunion und geplant ist eine gemeinsame Reise ohne Plan. Einfach ins Auto setzen und losfahren, und anhalten, wenn es uns passt. Insgeheim hoffe ich, die Garden Route vom Roadtrip wieder längs zu fahren, um die ganzen schöne Orte, die wir verpasst haben, nachzuholen. Aber eigentlich, ist egal, was wir machen, ich freue mich einfach nur, meiner Familie, diesen wunderschönen Flecken Erde zeigen zu können und sie endlich wiederzusehen. Ich vermisse euch nämlich!

Dann habe ich allmählich den Überblick verloren, wann nun welche Camps oder Ausflüge stattfinden sollen… lassen wir uns einfach mal überraschen.

Fest steht, dieses neue Jahr bietet schon jetzt so viel Aufregendes, dass ich eigentlich nur noch anfangen und durchziehen möchte. Lieder liege ich gerade zuhause, mal wieder krank, diesmal mit einer Mandelentzündung. Dafür habe ich genug Zeit, ein paar Dinge für die kommenden Monate zu recherchieren und vorzubereiten, mal sehen wie gut das ohne Wlan läuft. Oder ich gehe zum Strand… oder an den Pool…

Nun ja, ganz sicher wird mir auf jeden Fall nicht langweilig werden, bis ich dann wieder zur Arbeit darf. Wie ich nämlich in diesem ersten halben Jahr hier feststellen durfte: Ein Freiwilligendienst hat nicht viel mit Urlaub und Entspannung zu tun. Es gehört dazu, aber lediglich als Teil der Freizeit, von der wir nicht mehr haben, als die anderen Angestellten hier. Zum Glück kann ich sagen, dass ich diese Stadt liebe, meine Arbeit jede Tag mit einem Lächeln angehe und mit Motivation auf meine Ziele hinarbeite, auf dass dieses Jahr eines der besten meines Lebens wird, denn keiner weiß, wie oft ich diese Möglichkeit noch bekommen werde, zu leben, zu arbeiten und an mir selbst zu wachsen,

hier,

auf der anderen Seite der Welt.

P.S.: Ich werde sicherlich einmal eine Sammlung von Bildern aus den letzten Monaten hochladen, aber da erstmal die besten rauszusuchen, gerade nach diesem Urlaub… Sorry, aber das ist echt viel Arbeit 😉

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