unterwegs #5

[13.02.19]

Ich nutze die zweite Hälfte der langen Ferien um einige meiner Schülerinnen zu besuchen. Sie sind zu ihren Familien in Dörfern und Städten in der ganzen Provinz Gansu gereist, und ich darf für einige Tage mit „nach Hause“ kommen. Eintauchen. Und dennoch immer Gast sein, immer ein bisschen mehr zusehen als mitmachen.

Jedes Zuhause, jede Familie ist anders. Und diese Vielfalt lehrt mich vieles. Es ist unmöglich diese Erfahrungen widerzugeben. Während mein Neujahr überraschend ruhig war, erlebe ich momentan die lebendigere Seite des Frühlingsfestes.

Schon an meinem ersten Abend hier im Dorf 小湾 darf ich ein Neujahrsprogramm erleben. Bester Stimmung macht sich die ganze Familie auf den Weg zur Hauptstraße um sich dem Umzug anzuschließen. Alle paar Meter wird Halt gemacht um Papiergeld zu verbrennen und beschwörend gute Wünsche für das neue Jahr auszurufen. Alles begleitet vom ohrenbetäubenden Knallen der Feuerwerkskörper und dem treibenden Rhythmus der Zimbeln, Trommeln und Pauken. Die Stimmung ist ausgelassen, ich sehe nur lachende Gesichter um mich, voller Freude über das gewissenhaft ausgeführte Schauspiel.

Als sich die Straße zu einem kleinen Platz öffnet kommt das Spektakel zu seinem Ende. Zwei Lautsprecher und ein Mischpult werden aufgestellt, die fröhlich plaudernden Menschen bilden einen Kreis, dessen Mitte sich in eine Bühne verwandelt. Die Darbietungen wechseln von Jugendlichen, die Poplieder singen, zu Tanzgruppen in „traditionellen“ Kostümen. Es ist ein Rausch für die Sinne, so viel Nähe und Wärme trotz der beißenden Kälte.

Mit diesem Bild wünsche ich ein frohes neues Jahr: Xīn nián kuài lè! 新年快乐!

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