Weihnachten Teil 1: Misa de Gallo

Weihnachten ist zwar schon eine ganze Weile her, aber weil die Weihnachtszeit so anders ist als in Deutschland schreibe ich trotzdem noch darüber.

Neun Tage vor Weihnachten beginnt auf den Philippinen eine ganz besondere Tradition: Die Misa de Gallo. Jeden Morgen, in den meisten Gemeinden morgens um vier, wird eine Messe gefeiert. Wer alle neun Messen besucht, der darf sich an Heiligabend etwas wünschen. Entstanden ist diese Tradition, weil spanische Priester für die Farmer neun Messen abgehalten haben. Weil diese aber ab Sonnenaufgang auf den Feldern arbeiten mussten, wird die Messe vor Sonnenaufgang gefeiert.

Madita und ich haben die Misa de Gallo nicht in Valladolid gefeiert, sondern haben gemeinsam mit dem Bischof verschiedene Gemeinden in Negros Occidental besucht. Die ersten Tage haben wir in Manapla im Norden von Negros verbracht. Und wenn man morgens um halb vier aufsteht, draußen noch alles dunkel ist und irgendwo Gloria in Excelsis Deo läuft, dann kommt trotz sommerlicher Temperaturen doch irgendwie Weihnachtsstimmung auf.
In Manapla haben wir aber nicht nur jeden Morgen die Messe besucht, sondern zusätzlich auch einige der Outstations. Weil viele Menschen, die in den abgelegeneren Barangays leben, nicht die Möglichkeit haben jeden Sonntag die Messe in der Kirche zu besuchen, haben diese Barangays eigene Kapellen, in denen etwa einmal im Monat, meist am Samstag, Messe gefeiert wird.

Am 18. Dezember sind wir dann zurück nach Valladolid gefahren, haben eine Messe zuhause besucht und sind am nächsten Tag direkt weiter nach Sipalay ganz im Süden von Negros gefahren. Aber auch hier sind wir nur einen Tag geblieben, bevor wir dann, ebenfalls für nur einen Tag, nach Dancalan, also wieder Richtung Norden, gefahren sind.

Erst in Su-ay sind wir wieder länger geblieben. Hier machte sich dann auch bemerkbar, dass jeden Tag um vier Uhr aufstehen, ein bis zwei Stunden im Auto sitzen und spät schlafen gehen nur für einen begrenzten Zeitraum funktioniert. Obwohl ich einen Wecker gestellt hatte, habe ich die Messe am vierten Advent verschlafen und bin erst zum Frühstück aufgewacht, weil ich geweckt wurde. Einen Wunsch gab es für mich dieses Jahr also nicht, dafür konnte ich nach elf Stunden Schlaf die Ausflüge an den nächsten beiden Tagen genießen.

Die letzte Messe an Heiligabend haben wir dann wieder in Valladolid gefeiert, nachdem wir am Tag vorher wieder zuhause angekommen sind. Und obwohl die Misa de Gallo so ganz anders ist als deutsche Vorweihnachtszeit, und die sommerlichen Temperaturen so gar nicht das sind was ich von deutschem Dezember gewohnt bin, fand ich diese Zeit fast weihnachtlicher als Heiligabend selber.

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